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"Der Geist hat kein Geschlecht": dieser Satz gilt als alte philosophische Weisheit. Dass auch das Gehirn kein Geschlecht haben könnte, scheint allerdings noch nicht zur Gänze die Runde gemacht zu haben. Die internationalen Stars der neurowissenschaftlichen Zunft, wie der Cambridge-Professor Simon Baron-Cohen oder Bestseller-Autorin Louann Brizendine glauben, dass Frauengehirne durch den stärkeren Einsatz beider Hirnhälften eher auf Einfühlungsvermögen und Kommunikation hin strukturiert seien, während Männergehirne durch ihre Konzentration auf nur eine Gehirnhälfte besser in der Lage wären, Systeme zu verstehen und sich räumlich zu orientieren.
Moderne Neurokultur
Diese neurologisch untermauerten Geschlechterdifferenzen und ihre populärwissenschaftliche Rezeption hinterfragen die WissenschaftlerInnen des Netzwerkes "NeuroGenderings". Sie treffen sich in den kommenden Tagen zum zweiten Mal in Wien, um auf der Konferenz NeuroCultures-NeuroGenderings ihre Forschungsarbeiten zu präsentieren. Darunter befinden sich neben Sozial- und GeisteswissenschaftlerInnen auch NaturwissenschaftlerInnen wie die Biologin Sigrid Schmitz. Die Professorin für Gender Studies an der Universität Wien sieht in den letzten Jahren eine immer stärkere Durchdringung der Welt mit neurowissenschaftlichen Diskursen, von der auch die Geschlechterverhältnisse nicht unverschont blieben.
Die Cerebralisierung der Welt
"Der selbst erhobene Anspruch der modernen Hirnforschung ist es, menschliches Verhalten und soziale Strukturen vollständig aus der Neurobiologie erklär- und sogar vorhersagbar zu machen", fasst Schmitz den Ansatz zusammen. Die Neurowissenschaften würden heute als Leitwissenschaft gelten, an der sich viele andere Disziplinen orientieren. Dadurch formiere sich eine moderne Neurokultur, in der neue Forschungsrichtungen wie die Neuro-Pädagogik, Neuro-Ökonomie oder das Neuro-Marketing alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens aus der Gehirnstruktur heraus zu erklären versuchen. Neurowissenschaftler wie Gerald Hüther oder Manfred Spitzer werden als Universal-Experten in Bildungsfragen, Finanzkrise oder PartnerInnenschaft herangezogen.
Die neurowissenschaftlichen Hauptannahmen seien allerdings widersprüchlich, so Schmitz. Zwar habe sich die Grundannahme durchgesetzt, dass das Gehirn plastisch sei. Damit würde anerkannt, dass sich die Hirnstruktur mit den individuellen Erfahrungen eines Menschen auch permanent verändere. Beim Thema Geschlecht bleibe aber vom an sich progressiven Gedanken der Hirnplastizität nicht mehr viel übrig: "Das Hirn gilt zwar als veränderbar und soll in einer Leistungsgesellschaft sogar - z.B. mit Ritalin - getuned und optimiert werden. Das Geschlecht des Gehirns aber gilt weiterhin als angeboren und unveränderbar." Seien auch geschlechtsspezifische Hirnstrukturen feststellbar, so würden sie sich immer im Wechselspiel zwischen Biologie und den kulturellen Einflussfaktoren in einer nach wie vor geschlechtlich strukturierten Gesellschaft entwickeln, urteilt die Genderforscherin.
Live aus dem Gehirn?
Als die medial wirksamste neurotechnologische Methode könnte gegenwärtig das "Brain Imaging" bezeichnet werden. Auf computertomographischen Aufnahmen des Gehirns wird dabei die Hirnaktivität - z.B. beim Lösen einer Aufgabe - mittels Einfärbungen bildlich dargestellt. Besonders hilfreich ist diese magnetresonanzbasierte Technik u.a. bei der Entdeckung von Tumoren. Problematisch werde das Verfahren aber dort, so Schmitz, wo es mit einem objektiven und direkten Blick ins lebende Gehirn verwechselt würde. Einzelne Studien, die Leistungs- und Verhaltensunterschiede zwischen Männern und Frauen oder ethnisierten Gruppen herzuleiten versuchen, sollten auf keinen Fall unreflektiert generalisiert werden, warnt die Biologin. Kostenbedingt geringe Fallzahlen sowie gravierende methodische Unterschiede würden Vergleiche und Verallgemeinerungen von Befunden einschränken.
Eben dieses Problem arbeiten WissenschaftlerInnen wie Anelis Kaiser oder Rebecca Jordan-Young im Rahmen vergleichender Meta-Analysen von Brain Imaging-Studien heraus. Kaiser beispielsweise analysierte jene Untersuchungen, in denen unterschiedliche Sprachkompetenzen von Männern und Frauen entdeckt und auf die unterschiedliche Nutzung der beiden Gehirnhälften zurückgeführt wurden. Fazit: In jeder der analysierten Studien legten die NeurowissenschaftlerInnen eine andere statistische Auswertungsschwelle fest. Je niedriger diese Schwelle, desto mehr Hirnaktivität war ausgewertet worden und desto stärker wurde sichtbar, dass Männer ebenso wie Frauen beide Gehirnhälften zur Sprachverarbeitung nutzten. Der mittlerweile ins Alltagswissen eingesickerte Befund, dass Männer und Frauen unterschiedlich kommunikativ seien, ließe sich somit nicht halten. Als ähnlich dekonstruierbar scheinen sich auch Untersuchungen über die mangelnde weibliche Raumorientierung oder ein größeres weibliches Corpus callosum - also den Hirnbalken zwischen rechter und linker Gehirnhälfte - zu erweisen.
Schubladen-Denken
"Neurowissenschaftler, die nur ein einzelnes Exemplar vor sich haben, können nicht angeben, ob es sich um ein männliches oder um ein weibliches Gehirn handelt", beobachtet die Neuropsychologin und Keynote-Sprecherin der diesjährigen NeuroCultures-NeuroGendering-Konferenz, Cordelia Fine in ihrem Buch "Die Geschlechterlüge". Obwohl die Frage nach der Geschlechterdifferenz auch gar kein Hauptforschungsgebiet der Neurowissenschaften darstelle, sei es doch eines der am medial heftigsten rezipierten. Schmitz und andere WissenschaftlerInnen machen für die ungebrochene neurowissenschaftliche Reproduktion von Geschlechterdifferenzen unter anderem den hohen Publikationsdruck verantwortlich: "Auch wenn die Untersuchung eine ganz andere Fragestellung hat: wenn man da irgendeinen kleinen Geschlechtsunterschied findet - sei es nur in einer Gehirnregion von fünfzehn - wird das aufgenommen." Überschneidungen und Ähnlichkeiten zwischen Männern und Frauen würden hingegen auffällig oft in der Schublade verschwinden.
Jede noch so kleine wahrgenommene Differenz zwischen den Geschlechtern gilt also als publikationsträchtiges Ereignis, das sowohl in wissenschaftlichen Journals als auch populärwissenschaftlichen Ratgebern aufgegriffen wird. So entstehen "typische männliche" und "typisch weibliche" Gehirne. Bekannt sind die millionenfach verkauften Ratgeber des Kommunikationstrainer-Ehepaares Allan und Barbara Pease über Frauen, die "nicht einparken" und Männer, die "nicht zuhören können". Aber eben auch NeurowissenschaftlerInnen wie Louann Brizendine springen auf den lukrativen Zug der biologisch fundierten Geschlechterdifferenz auf. "Sex sells. Sex and Brain sells even better", kommentiert Philosophin und Biologin Nicole Karafyllis diese Medienpopularisierung des Gehirns.
Neuro-Sexismus
Aus Sicht der meisten NeurowissenschaftlerInnen seien Männer und Frauen zwar gleichwertig, aber je unterschiedlich und in ihren Fähigkeiten hoch spezialisiert, fasst Schmitz die Befundlage zusammen. Dennoch würden aus Neurobefunden Schlussfolgerungen über die geschlechtsspezifische Bildungs- oder Arbeitsmarktpositionierung gezogen - und dies, obwohl das Gehirn doch plastisch sei. Der Neurologe Baron-Cohen etwa zieht aus seinen Untersuchungen den altbekannten Schluss, dass Frauen aufgrund ihrer neuronalen Verfasstheit für Pflege- und Haushaltsarbeiten einfach besser geeignet seien als Männer. Cordelia Fine und andere WissenschaftlerInnen sehen darin einen erstarkenden populärwissenschaftlichen Neurosexismus: „Wer gerade noch zu den altmodischen Sexisten gehörte, steht plötzlich auf der Seite der modernen Naturwissenschaft." (Augusta Dachs, dieStandard.at, 12.9.2012)
Die Konferenz "NeuroCultures - NeuroGenderings" findet zwischen 13. und 15. September 2012 in Wien statt. Koordiniert wird sie von der Professur Gender Studies und vom Referat für Genderforschung in Kooperation mit dem Netzwerk NeuroGenderings.
Die Veranstaltungen finden im
Lise-Meitner-Hörsaal (1.Stock)
der Fakultät für Physik,
Boltzmanngasse 5
/Strudlhofgasse 4,
1090 Wien, statt.
Link:
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Die neurowissenschaften versuchen wenigstens, zu neuem wissen zu gelangen waehrend die gender"wissenschaften" mit ihrer jetzigen doktrin schon zufrieden sind.
...uns sich trotzdem noch darueber aufregen, dass die forschung der neurowissenschaftler auf "wackeligen beinen" steht.
Also erstmal nimmt die neuronale Plastizität mit zunehmendem Alter stark ab. Zweitens ist es naheliegend das wissenschaftliche Erkenntnisse in der Praxis umgesetzt werden. Das ist der Sinn der Sache. Da lässt sich noch lange kein Neurokult ableiten *lol*
Drittens sind Effekte mit r=.1 bis .3 üblich in der empirischen Sozialwissenschaft. Sollten Soziologen und KoWis eigentlich wissen. ;-)
Ein Hammer mit welcher Ignoranz in diesem Artikel geschwafelt wird bar jedes Verständnisses von Wissenschaftstheorie und grundlegender Statistik. Die Unbeholfenheit erinnert eher an kreationistische Rechtfertigungsargumentation. Beschämend...
Sie scheinen von der Sache ja wirklich was zu verstehen!
Darf ich Sie bitten, den Unterschied in der Forschung zu erklären: Früher glaubte man, krumme Finger seien ein Beweis für die Diebsnatur des Eigentümers der Finger - aber heutige Strukturanalyseinterpretationen der Gehirne sind völlig was anderes?
Ich sehe nicht ein, warum mein völlig sachlich gehaltener und auf den Erkenntnissen eines international anerkannten Hirnforschers fußender Hinweis, dass man einem Gehirn doch ein Geschlecht zuordnen kann, nicht erscheinen darf.
Dogma: Frauen und Männer sind exakt gleich
Neurowissenschaft: Naja, Unterschiede im Gehirn lassen sich schon feststellen
Conclusio: Die Neurowissenschaft lügt
Der Feminismus überbietet, was das krampfhafte Festhalten an Ideologien betrifft, sogar die Kirche im Mittelalter.
Es wird nur in Frage gestellt (zurecht) ob Männer und Männer bzw. Frauen und Frauen so gleich sind, dass zwischen den Geschlechtern in allen möglichen Bereichen derart unterschieden werden kann.
Und niemand behauptet, die Neurowissenschaft würde lügen. Nur: das menschliche Gehirn ist noch nicht umfangreich erforscht. Z.B. betrifft dies auch Veränderungen im Laufe eines Lebens, Umwelteinflüsse, wie alles zusammenspielt usw. Aber immer wieder werden Forschungen derart verkürzt und zu eindeutig veröffentlicht, dass ein falsches Bild entsteht. Grad bei den Geschlechtern musst schon sehr vieles von solchen Ergenbnissen widerlegt werden. Weil wahrscheinlich viele Menschen nicht objektiv genug dafür sind.
Neurowissenschaften sagen das es Unterschiede gibt, aber in den meisten Studien marginal sind!Trotzdem werden insbesondere in Populärwissenschaftlichen Studien, Unterschiede stärker betont als die vermeintlichen Gemeinsamkeiten.
Grundannahme der Neurowissenschaften: Das Gehirn ist nicht genetisch determiniert sonder mehr plastisch, also wie ein Muskel funktioniert.
Daher Unterschiede die in den Neurowissenschaften hervorgehoben werden sind vielmehr das Produkt von Erziehung und gesellschaftlichen Verhältnissen. Die durch die geschlechtsspezifische Berufswahl, Vorurteile usw auch das Gehirn beeinflussen.
Neurowissenschaften welche die Sensationsgier nach geschlechtlichen Unterschieden füttern, helfen mit diese im Gehirn zu verfestigen
wenn geschlechterrollen anerzogen sind, wie kann das dann mit den affen funktionieren(versuch ball und puppen) vor allem weil die ja ganz OHNE eigene eltern aufgezogen wurden, beide geschlechter von gleichen pflegern. kann da doch mehr dahinter sein in den genen???
also ich schwoere das meine freundin keinen penis und hoden hat, und ich keine kinder gebaehren kann.
anthropologen koennen am skelete feststellen ob mann oder frau (uebrigens auch neurologen, die aussage im artikel ist eindeutig falsch) das gleiche ist uebrigens mit den organen. kann ja sein das oestrogen und testosteron doch etwas mit dem wachstum zu tun hat. zumindest habe ich weit mehr bart als meine freundin (die gar keinen hat und wo auch keiner waechst, wie kann das sein wenn wir gleich sind??) wenn nun alles verschieden ist und auch verschieden funktioniert und denken in synapsen festgehalten ist warum sollte das anders sein? was wichtiger ist, KEINES IST BESSER ORDER SCHLECHTER!!! nur anders
Und als einziges Organ nicht von biochemischen Gegebenheiten (etwa Hormonen) abhängig sein? Kommt dir das nicht ein kleines bissl absurd vor? Wieso brauchen Mädchen "affirmative action" etwa beim Medizinertest, wenn sie geistig doch haargenau gleich leistungsfähig sein sollten?
Kein Gehirn ist gleich als ein anders.
Ein Beispiel: IQ-Tests. Die weltweit umfangreichsten IQ-Test haben immer ergeben, dass die untersuchten Männer einen höheren IQ haben als die untersuchten Frauen. Daraus wurde geschlossen, dass Männer eben "intelligenter" (nach dem Modus der IQ-Test) sein - aber Frauen hätten eben andere Qualitäten (sind emotialer, bla, bla). In den letzten Jahren haben sich die Ergebnisse aber angenähert und heuer - man glaubt es kaum - sind die Frauen plötzlich "intelligenter". Und nun müssen eben neue Erklärungen her.
Mädchen/Frauen brauchen keinen anderen Medizinertest. Denn sie haben das Potential genau gleich leistungsfähig zu sein (wie man z.B. in der Schweiz oder in D sieht).
wenn sie mal männer und frauen vergleichen, haben beide zwei arme, zwei beine, die gelichen inneren organe (bis auf die fortpflanzungsorgane) also das meiste ist gleich ;)... und dass die leber oder der magen oder sonstige organe von geschlechtshormonen abhängig sind, ist mir auch neu...
und trotzdem verhalten sie sich sehr unterschiedlich.
Leber, Niere, Magen, ... beeinflussen auch kaum unser Handeln, solange sie funktionieren.
Muskeln, Knochenbau, Hormonstand ebenso wie das Gehirn, beeinflußt unser Handeln aber wesentlich und ganau da unterscheiden sich Männlein und Weiblein schon recht deutlich.
was sind denn die "deutlichen unterschiede" zwischen männlichem und weiblichem gehirn?
erklärens uns das doch mal, wenns so genau bescheid wissen. sie meinen doch nicht etwa, unterschiedliches gewicht bedinge unterschiedliches denken?
Wo wären denn Ihre "Beweise", dass es keine Unterschiede gibt?
http://www.scheffel.og.bw.schule.de/faecher/s... Einleitung
http://www.bio.vobs.at/physiolog... irn_mw.htm
http://suite101.de/article/d... rn-a109072
http://www.profil.at/articles/... nwindungen
Stimme dir in dieser Aussage zu.
Es gibt jedoch beispielsweise auch Männer mit mehr Oberweite als manche Frauen. Trotzdem wird man einen gewissen "Bias" diesbezüglich nicht abstreiten können, oder?
Ebenso verhält es sich mit Gehirnen.
Und die "biologistischen Rollenzuschreibungen" (Was soll "Biologistik" sein?) sind nicht mehr und nicht weniger als eine Folge der Gesamtheit der körperlichen Unterschiede - inklusive Gehirn.
ja?
belegtes faktum oder "gefühlte wahrheit"?
übrigens: nicht "biologistik", sondern "biologismus"
biologistische rollenzuschreibungen wie "der mann muß nach draußen in die welt, um geld zu verdienen, wie erf rüher nach fleisch gejagt hat, während die frau dazu bestimmt ist, heim und herd zu betreuen wie früher das feuer in der höhle und den an ihren beinen klammernden nachwuchs" sind mitnichten "Folge der Gesamtheit der körperlichen Unterschiede", wenn sie auch mit bestimmten gehirnleistungen (besser: diesbezüglichen defiziten) durchaus zu tun haben
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