Mögliche Zusatzplätze auch an Frauen

"Kulanzlösung": Unirat regt Aufstockung um 60 Plätze an, die teils auch an Studentinnen gehen sollen

Wien - Der Protest männlicher Bewerber, die sich wegen der gendergerechten Auswertung des Aufnahmetests an der Medizin-Uni Wien um ihren Studienplatz betrogen fühlen, könnte auch Frauen zusätzliche Studienplätze bescheren.

Der Unirat unter Vorsitz von Erhard Busek (V) hat eine Aufstockung um 60 Plätze angeregt, diese wird laut einem Sprecher der Medizin-Uni derzeit rechtlich geprüft. Diese zusätzlichen Plätze sollen allerdings nicht nur an Männer gehen, sondern ebenfalls mittels der nach Geschlechtern getrennten Auswertung vergeben werden, betont Busek. Im Wissenschaftsministerium würde eine solche "Kulanzlösung" begrüßt.

"Situation entspannen"

Damit würden zwar vielleicht nicht all jene zum Zug kommen, die sich durch die gendergerechte Auswertung um ihren Studienplatz betrogen fühlen, "aber wir haben die Situation damit entspannt", betont Busek. "Wir wollen vermeiden, dass die Geschichte beim Verfassungsgerichtshof hängt und die Leute nicht zum Studieren kommen."

Beschwerden

Bei der Medizin-Uni liegen 60 Beschwerden männlicher Bewerber, die aufgrund der nach Geschlechtern getrennten Auswertungsmethode der Testergebnisse abgewiesen wurden. Busek glaubt jedoch nicht, dass tatsächlich alle von ihnen noch auf einen Medizin-Platz warten. "Da haben viele schon ein anderes Studium begonnen. Die Schätzungen des Rektorats gehen davon aus, dass es sich in Wahrheit um 15 bis 20 Personen handelt, die da kritisch dran sind."

Zusätzlich hat die HochschülerInnenschaft (ÖH) der Medizin-Uni eine Aufsichtsbeschwerde beim Wissenschaftsministerium eingereicht. Diese könnte laut Busek zur Folge haben, dass jene Verordnung aufgehoben wird, in der die Auswertung der Tests, aber auch die Zahl der Plätze etc. geregelt ist. "Und dann haben wir die längste Zeit Rechtsunsicherheit."

Derzeit wird im Ministerium die Stellungnahme der Medizin-Uni zu den Vorwürfen geprüft, danach folgen etwaige weitere Schritte. "Auch die Frage, ob es eventuell zusätzliche Mittel geben könnte, müsste entsprechend erörtert werden", heißt es aus dem Ministerium.

Gemeinsames Aufnahmeverfahren in Arbeit

Laut derzeitiger Regelung können an der Medizin-Uni Wien jedes Jahr 740 Personen ein Studium beginnen. Dabei sind 75 Prozent der Studienplätze für ÖsterreicherInnen reserviert, 20 Prozent für EU-BürgerInnen und fünf Prozent für Nicht-EU-BürgerInnen. In diesem Jahr wurden zudem erstmals die Testergebnisse von Männern und Frauen getrennt ausgewertet. Dadurch haben Frauen trotz identer Punktezahl einen höheren Testwert als Männer aufgewiesen - und deshalb einen Studienplatz bekommen. Die Neuregelung wurde eingeführt, weil sich bisher stets mehr Frauen als Männer beworben hatten, der Anteil an zum Studium zugelassenen Frauen aber deutlich darunter lag. Heuer waren die Werte mit 56 Prozent aufgrund der Auswertungsmethode erstmals etwa gleich. Für die Vergabe der 60 zusätzlichen Plätze - dabei handelt es sich laut Rektorat um die für die Uni maximal vertretbare Zahl zusätzlicher StudienanfängerInnen - sollen dieselben Regeln gelten wie für die 740 regulären Plätze.

Im kommenden Jahr soll dann übrigens alles anders werden: Bis dahin sollen die drei Medizin-Unis in Wien, Graz und Innsbruck ein neues, gemeinsames Aufnahmeverfahren erarbeiten. (APA, 18.9.2012)

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