Forscherinnen werden für inkompetenter eingeschätzt

18. September 2012, 17:14
  • Unbewusste Vorurteile machen es Frauen in Naturwissenschaften nach wie vor schwerer, zeigt die Studie.
    foto: reuters/paul hackett

    Unbewusste Vorurteile machen es Frauen in Naturwissenschaften nach wie vor schwerer, zeigt die Studie.

Männern wird in der Forschungscommunity mehr zugetraut, zeigt eine neue Studie - und zwar von beiden Geschlechtern

Sie haben eine Stelle in einem Forschungslabor an einer Uni in dem Bereich Biologie neu zu besetzen. Oder Physik. Oder eben Chemie. Eine Position, die Führungsqualitäten abverlangt und für StudentInnen eine echte Chance für ihre weitere akademische Laufbahn sein kann. Sie lesen sich durch einen Stapel von Bewerbungen, auf denen neben den Qualifikationen auch das Geschlecht der/s Jobsuchenden angegeben ist. Das spielt bei Ihrer Einstufung der BewerberInnen aber natürlich keine Rolle - für Sie zählen nur die individuellen Befähigungen, und die sind nicht abhängig davon, ob jemand einen Penis oder eine Vagina hat. So weit, so realitätsfremd, zeigt eine neue Studie aus den USA.

Mehr Geld und Mentoring

ForscherInnen aus Yale haben in einer Double-Blind-Studie eine solche Auswahlsituation nachgestellt. Mit Frauen wie Männern aus der Personalabteilung dreier privater und dreier öffentlicher Universitäten und virtuellen Geschlechtern auf den Bewerbungsunterlagen, die sich bis auf die Geschlechtszugehörigkeit nicht unterschieden.

Das Ergebnis überrascht mit einer signifikanten Bevorzugung der als männlich ausgewiesenen Applikaten. Ihnen trauten sowohl die männlichen wie auch die weiblichen PersonalerInnen unbewusst mehr zu. Und weil sie als "einstellbarer" und kompetenter eingestuft wurden als ihre weiblichen Mitbewerberinnen, bekamen sie auch ein höheres Einstiegsgehalt und mehr Mentoring-Angebote offeriert.

Wie tief das sitzt

In diesem kontrollierten Experiment zeigen die US-AutorInnen in ihrer eben im PNAS erschienenen Studie auf, wie tief Geschlechterzuschreibungen sitzen. Auch in einem Umfeld wie der Naturwissenschaft, in dem nur Objektivität und Ergebnisse zählen. Sollten. (red, dieStandard.at, 18.9.2012)

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Frauen bekommen bei gleicher Leistung tendenziell die bessere Beurteilungen, das beginnt schon in der Schule.

Bei gleicher Papierform ist es rational, den Mann zu bevorzugen und die Tatsache, dass Frauen das genauso tun ist ein starke Hinweis, dass diese These zumindest nicht abwegig ist.

FÜR oder doch eher ALS- das ist hohe kompetenz!

nicht zu viel erwarten

wäre es möglich,dass

bei z. B. Krankenpflegeberufen genau das umgekehrte passiert?

auch wenn es rot gibt:

Wenn jemand zumindest mal die ersten paar Karriereschritte geschafft hat, kann es folgende Gründe geben:
Mann: Kompetenz, Vitamin B
Frau: Kompetenz, Vitamin B, Quote
Wenn es also sonst keine Unterschiede in Bewerbungen gibt, ist es einfach logisch, den Mann zu bevorzugen (leider... natürlich ist es ungerecht)

Ach die lieben Mansplainer.

Passiert aber nicht!
Die Studie ist aus den USA, da gibt es keine Frauenquote. Und offensichtlich, das ist der Tenor der Studie, sie ist verlinkt und öffentlich einsehbar, spielt die Kompetenz eben K E I N E R O L L E, Männer werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt und für kompetenter G E H A L T E N, bei der B E W E R B E R A U S W A H L, also ohne vorheriges Ansehen.

Meine Güte...es steht alles da...

Es gibt einen dritten Grund für den ersten Karriereerfolg: Bluff.
Und dieser Grund trifft bei Männern, genauso wie das Vitamin B, weitaus häufiger zu, als bei Frauen.

dann wärs bei zwei vergleichbaren Bewerbungsschreiben also gscheiter, die Frau zu nehmen.

bitte könnten sie auch jene Fakten die diese ihre Annahme belegen liefern?

dass Männer ÖFTER als Frauen durch Protektion zum Zuge käme halte ich für unwahrscheinlich.

Welche Fakten können sie denn vorlegen die ihre Behauptung untermauern?

der artikel geht darum, daß ungerechtfertigte unterschiede in den qualifikationen gemacht werden. die unterschiedliche beurteilung der leistungen von frauen und männern ist empirisch belegt. manchmal ist sie größer, manchmal auch klein, aber sie ist vorhanden: bei männern und frauen.
es gibt auch diskriminierungen aufgrund von sprache, organisationszugehörigkeit etc.

Forscherinnen werden inkompetenter eingeschätzt

Liebe red,

deutsch ist ja bekanntlich nicht leicht.

der obige titel bedeutet, daß forscherinnen inkompetent eingeschätzt werden = dass die Einschätzung fehlerhaft gemacht wird, weil Ausführende unfähig, ungeeignet, unqualifiziert.

was Sie sagen wollen ist, dass man forscherinnen für inkompetent hält...und das ist was anderes.

Forscherinnen werden FÜR inkompetenter eingeschätzt

Lesen ist bekanntlich auch nicht leicht,
denn es heißt: "Forscherinnen werden FÜR inkompetenter eingeschätzt"

würde sagen:
forscherinnen werden als inkompetenter eingeschätzt
oder
forscherinnen werden für inkompetenter gehalten

text wurde seither geändert, sie obergescheite(r)

Hatte nachgeschaut, ob die Seite anzeigt, wann der Artikel das letzte Mal bearbeitet wurde und hab nichts gefunden. Daher bin ich davon ausgegangen, dass der Zeitpunkt der Veröffentlichung eben gilt.
Dann nichts für Ungut

wahrscheinlich

fehlerhaft aus dem englischen übersetzt ....

man sollte auch doppelblindstudie verwenden - ist durchaus gebräuchlich!

andere studien, die sich diese diskriminierung auch nach altersgruppen und status angesehen haben, kamen zu interessanten ergebnissen: junge frauen, deren status noch nicht sehr gefestigt ist, neigen deutlich mehr als über 60jährige professoren dazu, frauen zu diskriminieren. die silberrücken sind in ihren beurteilungen vergleichsweise wohlwollend; sie haben nichts zu verlieren und können väterlich-gefällig agieren. die jungen frauen hingegen wollen mögliche konkurrenz ausschalten.
wir sollten mehr über arbeitsbedingungen in den wissenschaften reden als über mutti spielen, äh, mentoring, girl days etc. die haben sich in den letzten 20, 30 jahren für die nichtpragmatisierten enorm verschlechtert.

Na Hauptsache, man sorgt in Österreich dafür, dass das im medizinischen Bereich künftig nun auch eine fundierte Grundlage haben könnte.

Finde ich nicht überraschend, aber gut, dass es untersucht und publiziert wurde. Ich weiß nicht, wei Personalverantwortliche entscheiden, aber es erinnert mich an die Aussage einer Studienkollegin: "Ich glaube schon, dass Männer die besseren Chemiker sind."

Erinnert mich an die Aussage einer (zufälligerweise besonders inkompetenten) Professorin, dass man von Frauen nicht das gleiche erwarten/verlangen dürfe wie von Männern.

Selbstverständlich weiß ich, dass sie unrecht hat. Ich kenne viele sehr kompetente junge Forscherinnen.

deswegen --> anonymisierte Bewerbungen

Bitte bei welcher Stelle werden ForscherInnen aus einem Stapel schriftlicher Bewerbungen herausgesucht. Da muss es sich schon zumindest um eine Professur handeln. Anonymisierte Publikationslisten sind da wohl auch nicht so das Ding.

Ohnehin scheint mir das vorläufig unnötig. Im Artikel steht nicht wie groß der Unterschied in der Einschätzung wirklich ist. Es steht nur, dass er Signifikant ist. Bei ausreichend großer Stichprobe (und sensitiver Messmethode, also Antwortkategorien) kann er also auch sehr sehr klein sein.

was heisst anonymisiert für sie? ist es "anonymisiert" wenn der Name und das Alter der BewerberInnen unkenntlich sind? Und WAS genau nützt das wenn dann zum persönlichen Gespräch geladen wird?

glauben sie nicht dass es spätestens beim Gespräch von Angesicht zu Angesicht genügend "Gründe" - vorgeschoben oder nicht - geben wird warum erst recht wieder jene die bei NICHT-anonymisierten Bewerbungen gewinnen die Nase vorne haben?

muss sich in Zukunft der ORF seine SprecherInnen und ModeratorInnen danach aussuchen wer den schöneren CV hat weil es nicht erlaubt ist sich den/die attraktivste/n auszusuchen?

oder spielen nicht allzuoft auch andere Kriterien bei der Bewertung von BewerberInnen mit, als Name und Alter?

die "Anonymisierung" funktioniert erst dann, wenn die Person bis zur Aufnahme ihrer Tätigkeit UNBEKANNT bleibt, und dagegen abgesichert wird in der Probezeit gegen eine/n gefälligere/n Mitbewerber ausgetauscht zu werden...

also außer bei models fallen mir wenige berufe ein, wo die äußere attraktivität ein kriterium sein sollte. nicht mal fernsehsprecher/in - die sollten gut sprechen können...

+ verbesserung der arbeitsbedingungen

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