Die Beiwagen-Jahre sind vorbei

Kommentar | Ina Freudenschuss, 25. September 2012, 07:00
  • Fechten ideologische Kämpfe untereinander aus: Familienministerin Kristina Schröder, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Kanzlerin Angela Merkel. Interessanterweise sind sie alle aus der gleichen Partei.
    foto: reuters/fabrizio bensch

    Fechten ideologische Kämpfe untereinander aus: Familienministerin Kristina Schröder, Arbeitsministerin Ursula von der Leyen und Kanzlerin Angela Merkel. Interessanterweise sind sie alle aus der gleichen Partei.

Zuerst das Betreuungsgeld, jetzt die Quoten: In der deutschen CDU tobt der politische Kampf um die Frauen- und Familienpolitik

Wenn es um Frauenpolitik geht, sind in Deutschland neuerdings "Machtworte" nötig. Das war im Frühling bei der Diskussion um das Betreuungsgeld so und jetzt scheint es sich bei der Auseinandersetzung um gesetzliche Frauenquoten für Aufsichtsräte in Unternehmen zu wiederholen. Die deutschen Frauenpolitikerinnen zeigen neuerdings Zähne.

Herdprämie oder Taschengeld?

Was ist im letzten Jahr passiert? Den Anfang machte das Betreuungsgeld für Eltern - von vielen GegnerInnen spöttisch auch "Herdprämie" genannt. Die richtigere Bezeichnung dafür wäre allerdings Taschengeld für Hausmenschen, so gering ist der Betrag (maximal 150 Euro pro Monat), den die BezieherInnen für die Betreuung ihrer Kleinkinder (bis drei Jahre) zuhause bekommen sollen. Die Einführung beschäftigte Politik und Zivilgesellschaft dennoch für Monate.

Das Betreuungsgeld war bereits in der Koalitionsvereinbarung der Schwarz-gelben Regierung verankert. Als es dann jedoch um die Umsetzung ging, stellten sich plötzlich zwanzig CDU-Abgeordnete gegen die in ihren Augen sinnlose und teure Leistung, die zudem falsche Anreize an Frauen und Eltern mit geringerer Bildung setzen würde.

Gebot der Fairness

Die Kanzlerin sprach im April also ein Machtwort, wie es Medien titulierten. Es sei ein Gebot der Fairness, auch Eltern zu unterstützen, die ihr Kind nicht in Fremdbetreuung geben wollten, so Angela Merkel damals. Doch die Opposition, die Gewerkschaften, diverse Frauengruppierungen und BildungsexpertInnen hat sie mit diesem Argument nicht überzeugt.

Nun scheinen sich die Konservativen bei einem weiteren frauenpolitischen Kernthema in die Haare zu kriegen: den verbindlichen Frauenquoten für Unternehmen. Bereits im Frühjahr 2011 wurde das Thema heiß diskutiert. Den Konflikt trugen damals CDU-Familien- und Frauenministerin Kristina Schröder als Verfechterin einer unverbindlichen "Flexi-Quote" und CDU-Arbeitsministerin Ursula von der Leyen als Quoten-Befürworterin stellvertretend für die innerparteilichen Fraktionen aus.
Gut eineinhalb Jahre später wagen es die deutschen QuotenbefürworterInnen nun erneut, ein verbindliches Gesetz ins Spiel zu bringen - diesesmal im Schulterschluss mit den Kolleginnen von der SPD. 

CDU unterstützt SPD-Vorschlag

Die SPD brachte am Freitag einen entsprechenden Entwurf in den deutschen Bundesrat ein und mit den Stimmen zweier CDU-regierter Länder erhielten sie die Mehrheit. Nun muss der Antrag im Bundestag behandelt werden. Als Draufgabe fordern die CDU-Frauen die Aufhebung des Fraktionszwangs bei der Abstimmung, was den Antrag zu einer frauenpolitischen Grundsatzentscheidung machen könnte.

Angesichts der neuen Gangart der CDU-Frauen wird nun einmal mehr ein "Machtwort" der Kanzlerin gefordert. Die ehemalige Frauenministerin Merkel soll die eigenen Politikerinnen zur Parteiraison bringen.

Sehr gut möglich, dass sie das tun wird. Wenn Merkel aber den Parlamentarismus und damit die Demokratie stärken will, wie es derzeit von so vielen Seiten eingefordert wird, dann sollte die Regierung eine freie Abstimmung zur Frauenquote zulassen. Sie würde damit zeigen, dass die Herrschenden vor den Forderungen der Frauenpolitik keine Angst haben (müssen) und dass sie sie ernst nehmen. So oder so nimmt die ideologische Häutung der deutschen Konservativen einen überaus spannenden Lauf. (freu, dieStandard.at 24.9.2012)

Sehr demokratisch,

wenn die Parteien, die grundsätzlich für die Quote sind mit Fraktionszwang stimmen und die, die prinzipiell dagegen sind, frei abstimmen. Ich bin überzeugt, dass auch in der SPD einige die starre Zwangsquote ohne Rücksicht auf Branchengegebenheiten (Stichwort: Elektrotechnik etc.) nicht wollen. Immerhin zeigen auch die Umfragen, dass das Volk hier vernünftigerweise eine ablehnende Haltung hat.

Koalitionsbruch?

Nun, dann denkt sich der unbedarfte Bürger, muß es sich um wirklich wichtige Themen handeln, also z.B. die EUR-Krise, die Rente, den Niedriglohnbereich.
Aber halt, nein, es handelt sich um ein paar Dutzend verhinderte Topmanagerinnen, die dringend die Quotenkrücke brauchen um an die Fleischtöpfe zu kommen.
Wie abgehoben ist die Politik, ist der Feminismus inzwischen eigentlich?

1. Meinung

Garantiert unzensiert.

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.