Prostitutionsgesetz neu: Dörfler sagt Nein

25. September 2012, 16:23
  • Keine Stimme gegen die Menschenwürde: Gerhard Dörfler.
    foto: ap/dapd/gert eggenberger

    Keine Stimme gegen die Menschenwürde: Gerhard Dörfler.

Landeshauptmann verließ das Sitzungszimmer: "Prostitution nicht mit Menschenwürde vereinbar"

Klagenfurt - Die Kärntner Landesregierung hat am Dienstag einstimmig eine Novelle zum Prostitutionsgesetz beschlossen. Nur Landeshauptmann Gerhard Dörfler (FPK) verweigerte die Zustimmung, indem er vor der Abstimmung den Raum verließ. Prostitution sei für ihn nicht mit der Menschenwürde vereinbar, sagte er nach der Regierungssitzung vor JournalistInnen. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass im Bereich von Schulen keine Bordelle mehr errichtet werden dürfen.

"Die Novelle bringt für die Bevölkerung mehr Schutz, mehr Kontrollmöglichkeiten, genaue Abstandsregelungen, Werbeeinschränkungen und vor allem klare Zuständigkeiten", sagte der zuständige Gewerbereferent Wolfgang Waldner zum neuen Gesetz. Bei neu zu errichtenden Bordellen muss nach der künftigen Regelung ein Abstand von 300 Metern zu Schulen, Kindergärten, Sportstätten, Kinderspielplätze, religiös genutzten Gebäude, Amtsgebäudne, Krankenhäusern und Kasernen eingehalten werden. Bestehende Bordelle sind von der Regelung nicht betroffen.

Frauenreferentin: "Gesetz als Schutz für Frauen"

Auch die SPÖ stimmte dem Gesetz zu. Frauenreferentin Beate Prettner sagte nach der Regierungssitzung, sie habe zugestimmt, "weil es klare Reglementierungen bringt". Ein Verbot würde die Frauen in die Illegalität drängen. "Ich sehe das Gesetz als Schutz für die Frauen." So sind BordellbetreiberInnen ab Inkrafttreten zur sofortigen Registrierung von Prostituierten verpflichtet. Bisher gab es dafür eine Frist von drei Tagen. (APA, 25.9.2012)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 57
1 2
Wer ist der Mann...

der hier von Menschenwürde spricht? Seine ablehnende Art gegen Prostituierte, sagt sehr viel über ihn aus, ohne dass er mehr dazu sagen muss. Sein Finanzminister gibt sich als der große Kassierer sprich Zuhälter mit einer Floskel die nicht neu ist, da es seit 1985 schon für Prostituierte die Steuern österreichweit eingeführt wurden!
Dann müssen aber Rechte für die Prostizuiertwen gemacht werden und das Gewerbe endlich anerkannt werden und keine Strafen mehr dafür geben. Die Prostituierten dürfen dann Freier einklagen dürfen usw. da muss vorher noch viel klar gemacht erden. Auch Persönlichkeitsschutz vor Zuhältern gewährt werden vom Staat! Die Sicherheit der Huren gesichert werden muss.
Lesen Sie hier: www.tote-kinderseele.at

"Keine Sympathie" ist ja sicher übertrieben, die freiwilligen Huren werden schon eine gewisse Sympathie für ihre Kunden haben. Daher sollte man darum kämpfen, dass Prostituierte gute Arbeitsbedingungen haben, mit dem Ziel, dass alle ihre Kunden respektvoll und einigermaßen gepflegt sind, und dass sie wohlverdientes Entgelt zum allergrößten Teil behalten können. Mit Schwarzweißmalerei kommt man da nicht weit; man muss die Täter (Zuhälter, Menschenhändler) dingfest machen, aber nicht Prostitution per se verbieten. Schauen Sie in die Pornobranche (die Sie als Emma-Leserin zwar auch verdammen werden, aber trotzdem): Dort arbeiten auch viele "Frauen von Nebenan", eben weil es gute Arbeitsbedingungen gibt.

Nö, sie haben keine Sympathie für ihre Käufer. (Oh, der Euphemismus "Kunden" für Männer, die sich nicht sehr von Vergewaltigern unterscheiden, lässt eineN nachts ja gleich viel besser schlafen, gelle?)

Prostitution gehört schlicht und ergreifend abgeschafft - nix "Arbeitsbedingungen verbessern", nix "harm reduction" (= harm reproduction). Prostituierte Frauen haben - wie alle anderen Menschen - ein uneingeschränktes Recht auf ein Leben in Freiheit und auf Schutz ihrer Menschenwürde. Zudem kann lediglich durch eine Beseitigung der Prostitution der Zuhälterei das Wasser abgegraben werden, denn ein Prostitutionsmilieu OHNE Zuhälterei gibt es ebensowenig wie eine Prostitutionsszene ohne Frauenhandel.

Ich bin da nicht so pessimistisch.

Gerade in Deutschland haben sich einige Anbieterinnen etabliert, die völlig frei von Zuhältern ihr Geschäft betreiben. Daher bin ich durchaus optimistisch, dass Prostitution ohne unerwünschte Nebeneffekte möglich ist (in der Antike war es ja bspw. auch so). Das Wort Kunden ist natürlich kein Euphemismus, es ist eine wertfreie Bezeichnung.
Dass Prostitution abgeschafft gehört, um Menschenhandel und Zuhälterei zu unterbinden, ist ein Trugschluss. Dann gibt es eben Geheimprostitution, und die Frauen sind dann abhängiger von anderen denn je.

Ihrer Auflistung der Rechte von Prostitierten kann ich prinzipiell zustimmen, nur sollte die Liste natürlich um das Grundrecht der Erwerbsfreiheit ergänzt werden.

Die Legalisierung der Prostitution ist ein gescheitertes "Experiment".

Hier ein lesenswerter Bericht über die verheerenden Folgen der "Liberalisierung" des Prostitutionsgesetzes in den Niederlanden:

http://standpointmag.co.uk/node/4648/full

"Prostitution sei für ihn nicht mit der Menschenwürde vereinbar, sagte er nach der Regierungssitzung vor JournalistInnen"

Ich fürchte,der Dörfler wird mir noch sympathisch! Für dieses Statement: Chapeau!

Dem kann ich mich nur anschließen.

Es ist bezeichnend, dass ein rechtsgerichteter Politiker begriffen hat, was Prostitution bedeutet, zahlreiche so genannte "Frauenpolitikerinnen" (in Österreich) jedoch nicht.

Und was machen Sie mit Frauen, die aus freien Stücken der Prostitution nachgehen wollen?

Es gibt keine "freiwillige" Prostitution. Die sexuellen Handlungen sind seitens der Frau IMMER unerwünscht, andernfalls müsste der Mann ja nicht dafür bezahlen. "Sex gegen Geld" bedeutet eben etwas anderes als "Sex gegen Sex".

Hier ist ein Interview, das Sie und andere Prostitutionsbefürworter/-verteidiger sich mal dringend zu Gemüte führen sollten:

http://www.emma.de/ressorts/... ine-taeter

Bitte um wenigstens den Anschein eines Beweises für Ihre Behauptung

Genauso könnte man auch behaupten, dass keine Frau freiwillig in einem Büro arbeitet oder an einem Fleißband.
Wenn man die Notwendigkeit zur Ausübung einer bezahlten Tätigkeit bereits als Zwang betrachtet, was an sich ja stimmt, so gilt dies für alle Tätigkeiten, auch dem so hochgelobten Pflegedienst.
Mit welchem Recht will man eine Wertigkeit des Einsatzes persönlicher REsourcen zur Einkommensgewinnung festlegen. Der eine verkauft sein Hirn, der andere seine Hände und ein dritter eben seinen Körper, bzw. seine Sexualorgane zur Verfügung. Bedarf gibt es für alle diese Resourcen. Weshalb soll eine wertvoller sein als die andere?
Jedenfalls waren im Altertum die Hetären , die ja auch Sexworkerinnen waren, in hohem Ansehen.

Emma ist nicht objektiv, ...

... denn diese Zeitschrift vertritt eine Ideologie, die sich gegen Prostitution richtet, und wie alle Ideologien, ist sie rationalen Argumenten nicht zugänglich.

Ich finde Ihre Argumentation höchst seltsam. Man könnte sie nämlich auf alle Berufe ummünzen. Ich weiß nicht, als was Sie arbeiten, aber offensichtlich sehen Sie Ihre Tätigkeit als unerwünscht an, sonst würden Sie ja wohl kein Geld nehmen dafür.

LOL, als wären SIE "objektiv" und "rationalen Argumenten" zugänglich - wie verlogen...

Sie wissen schon, was Sex ist, oder? Und dass bei heterosexuellem Geschlechtsverkehr ein Eindringen in den weiblichen Körper erfolgt - im Gegensatz zu "normalen" Berufen? Prostitution ist schlichtwegs kein Beruf, weil hier keine Arbeitskraft verkauft und gekauft wird, sondern der Körper. Es handelt sich um sexuelle Gewalt.

Kleine Frage

Um Geld zum Leben und vielleicht ein wenig für Luxus zu bekommen ist nun einmal ein jeder gezwungen irgens etwas zu verkaufen.
Der (die) eine verkauft bildlich gesprochen sein (ihr) Hirn und die Mühe sich entsprechende Kenntnisse angeeignet zu haben
Der (di) andere verkauft seine (ihre) Hände und die Fähigkeit damit handwerkliche Arbeiten dürchführen zu können.
Der (die) andere verkauft seine (ihren) Körper bzw. seine (ihre) Sexualität und sorgt so für den Abau von Spanungen.
Wer will jetzt festlegen was wertvoller ist, oder elche ERwerbsart unzulässig sein soll?
Bei der Wertung sollten religiöse Vorstellungen ausgeblendet werden, da eben Religion reine Privatsache ist.

Wie kommen Sie auf die Idee, ich sei religiös? Mir geht es um die Menschenrechte von Frauen.

(Nebenbei bemerkt: In Österreich ist Religion leider keine "reine Privatsache" - sie SOLLTE es jedoch sein.)

Sie haben eine seltsame Vorstellung ...

... von sexueller Gewalt. Wenn eine Frau freiwillig die Dienstleistung "Sex" anbietet, und ein Mann gegen Bezahlung diese in Anspruch nimmt, wo ist da die Gewalt?
Bei männlichen homosexuellen Prostituierten erfolgt üblicherweise auch ein Eindringen in den Körper. Aber ist das relevant? Ich habe immer geschrieben, Prostitution ist natürlich eine sehr spezielle Dienstleistung, die sich gewiss von anderen unterscheidet, und bei weitem nicht von allen Menschen ausgeführt werden kann. Aber es ist nicht die einzige Dienstleistung mit dieser Eigenschaft.

Das Emma-Interview habe ich nun doch gelesen. Die Interviewte ist schon allein deshalb unseriös, weil sie alle ihre Erkenntnisse aus der Begegnung mit einer (!) Prostituierten bezieht.

Fortsetzung

Im Übrigen bezieht die Interviewte keineswegs "alle ihre Erkenntnisse aus der Begegnung mit einer (!) Prostituierten" (deren Leid außerdem kein Einzelfall ist) - sie hat sich umfassend mit der Problematik beschäftigt und ein ganzes Buch zum Thema verfasst.

Das Buch bringt aber keine neuen Erkenntnisse, es ist eine Zusammenfassung einerseits bekannter Fakten, andererseits ideologisch induzierter Meinungen. Von einer empirischen Studie ist es weit entfernt.

Vielleicht sollten Sie das Buch mal lesen - würde Ihnen nicht schaden.

Wie ich Ihnen bereits geduldig erklärt habe, liegt die Gewalt darin, dass die prostituierte Frau unerwünschte sexuelle Handlungen über sich ergehen lassen muss - Prostitution ist de facto bezahlte sexuelle Nötigung. Des Weiteren ignorieren Sie, dass die Männer, die Frauen kaufen, sich nicht darum scheren, ob diese "freiwillig" prostituiert werden oder nicht. Hat man schon mal gehört, dass ein Mann ins Bordell geht und die dort verschacherten Frauen fragt: "Seid ihr selbstbestimmte Sexarbeiterinnen? Wenn nicht, verschwinde ich natürlich wieder."? Nein, die Männer nehmen einfach in Kauf, dass sie Frauen gegen deren Willen anfassen und penetrieren.

Zum Nachdenken

Ich nehme an, dass Sie arbeiten gehen und dass Ihre Arbeit mit mehr oder weniger Freude und Interesse leisten. Warum soll es bei der Sexarbeit anders sein.

Woher wollen Sie nun wissen, dass diese sexuellen Handlungen derart unerwünscht sind? Nur weil eine Frau Geld für Sex nimmt, muss dieser Sex nicht unerwünscht sein. Sie bekommen ja möglicherweise auch Geld für eine Tätigkeit, die Sie in gewisser Weise gerne machen.
Beim andere Problem (Kunden unterscheiden nicht zwischen freiwilligen und Zwangsprostituierten) stimme ich Ihnen zu. Aus meiner Sicht muss das Ziel sein, Zwangsprostitution zu bekämpfen, aber den freiwilligen Prostituierten gute Arbeitsbedigungen und Rechtssicherheit zu geben.

Wenn eine Frau mit einem Mann schlafen WILL - warum muss er sich dann den Zugang zu ihrem Körper ERKAUFEN? Prostituierte Frauen verspüren beim Sex mit irgendwelchen fremden, häufig ekelhaften Männern mit Sicherheit keine Lust.

Ach, sind es tatsächlich nur die Berufs-Prostituierten, die sich Sex durch Gegenleistungen versüßen lassen? Sind es nicht auch viele "ganz alltägliche" Frauen, die ihren Angetrauten gegenüber genauso handeln - ob jetzt konkrete Geschenke oder die Ausführung bestimmter Arbeiten als Gegenleistungen herhalten müssen?
"Wenn eine Frau mit einem Mann schlafen will (...)", schreiben Sie, und ich ergänze: und dafür auch noch Geld bekommt, warum soll sie es nicht nehmen? Wie schon mehrfach erwähnt, das ist eine Parallele zu jedem anderen Job.
Nicht jede Prostitutierte muss jeden Mann nehmen; das trifft nur auf jene zu, die von Zuhältern zu diesem Job gezwungen werden. Eine freie Hure kann Männer auch abweisen, die ihr ekelhaft erscheinen.

"Eine freie Hure kann Männer auch abweisen, die ihr ekelhaft erscheinen."

Nicht wenn sie das Geld benötigt - was grundsätzlich der Fall ist. Außerdem: Zeigen Sie mir die prostituierte Frau in Wien, die NICHT unter der Kontrolle eines Zuhälters steht.

Wann und wo?

mir war eigentlich nur etwas langweilig und da lese ich mir ganz gerne durch was manche so schreiben die null ahnung haben, und nur vorurteile kennen

wer sagt das alle prostituierten es wegen dem geld machen? ich kenne zwar ausser mir nur eine die diesem beruf nachgeht. aber die macht es genauso aus leidenschaft wie ich!

ich mache haus und hotelbesuche, mit telefonischer vereinbarung. ich habe schon zu einigen nein gesagt, weil die mir am telefon schon unsymphatisch waren!
ich habe keinen zuhälter und arbeite wann ich will.
und wenn ich mal ein paar wochen keine lust habe, dann mache ich einfach nichts..... weil ich auf das geld nicht angewiesen bin.

also du willst eine sehen die keinen zuhälter hat?
oder redest du hier nur groß?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 57
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.