"Rape me I am immoral"

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    foto: ap/remy de la mauviniere

"Femen" demonstrierten im Louvre vor Venus von Milo ihre Solidarität mit einer vergewaltigten Tunesierin

Paris/Tunis/Kiew - Aus Solidarität mit einer in Tunesien von Polizisten vergewaltigten Frau haben sieben Feministinnen am Mittwoch im Pariser Louvre vor der weltberühmten Statue der Venus von Milo nackt protestiert. Die Aktivistinnen der ukrainischen Bewegung Femen zogen vor Augen amüsierter BesucherInnen ihre Oberteile aus. Auf ihre Oberkörper hatten sie "NO = NO" gemalt.

"Rape me I am immoral"

Anschließend hängten die Frauen der Venus ein Schild mit der Aufschrift "Rape me I am immoral" (Vergewaltigen Sie mich, ich bin unmoralisch) um den Hals. Die Saaldiener nahmen das Schild rasch weg, die Feministinnen verließen das Museum unbehelligt. "Wir sind gekommen, um Gerechtigkeit einzufordern", sagte die 22 Jahre alte Ukrainerin Inna Schewtschenko, die kürzlich aus ihrem Land geflohen war. Femen hatte in der Ukraine mit Oben-Ohne-Protesten auf sich aufmerksam gemacht.

Am Dienstag hatten in Tunis etwa 200 Menschen gegen die strafrechtliche Verfolgung der von Polizisten vergewaltigten Frau demonstriert. Die tunesische Justiz wirft der 27-Jährigen ein Sittlichkeitsvergehens vor. Dem tunesischen Innenministerium zufolge waren die Frau und ihr Verlobter Anfang September in einer "unmoralischen Position" in einem Auto vorgefunden und festgenommen worden. Anschließend hatten nach Angaben der Ermittler zwei Beamte die Frau vergewaltigt. (APA, 3.10.2012)

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Wo bleibt unsere Solidaritätskundgebung österreichischer Frauenorganisationen? Wo bleibt die Ächtung gegen die Gewalt an Frauen?
Frauenorganisationen, Politikerinnen aller Welt vereinigt Euch!!! Lasst Frauen die vergewaltigt wurden nicht alleine!!! Schon gar nicht in Ländern, in denen Frauenrechte noch nicht oder nur auf dem Papier existieren.
Bravo Femen!!!

Das passt nicht zur PC gegenüber Muslimen!

Eher wird gefordert, doch hier die Gesetze anzupassen....

zwei fragen:

wie kommens auf die idee, daß österreicherInnen gewalt gegen frauen nicht ächten oder gar wohlwollend betrachten würden?

und was hat die arme tunesierin von der selbstinszenierung der ukrainermädchen?

ad 1.: schau doch mal, wie medial mit vergewaltigung umgegangen wird, samt der gerichtsprozesse. jede 5. frau erfährt mind. einmal in ihrem leben einen sexualisierten übergriff, jede frau kennt eine andere, der das schon mal passiert ist.

2.: Solidarität = " bezeichnet eine, zumeist in einem ethisch-politischen Zusammenhang benannte Haltung der Verbundenheit mit – und Unterstützung von – Ideen, Aktivitäten und Zielen anderer. Sie drückt ferner den Zusammenhalt zwischen gleichgesinnten oder gleichgestellten Individuen und Gruppen und den Einsatz für gemeinsame Werte aus"

ja und?

ad 1.: wie wird denn "medial mit vergewaltigung umgegangen"?

keineswegs einseitig mit dem täter sypathisierend - wo also soll hier gewalt nicht geächtet werden?

ad 2.: was haben ihre überflüssigen ausführungen (ein wörterbuch oder lexikon lesen kann ich auch selber) jetzt damit zu tun, ob und was die vergewaltigte tunesierein vom femen-spektakel hat?

1. sowohl mit strauss kahn, als auch mit kachelmann, assange etc. gibt es in vielen fällen eine solidarisierung per se. da kommt einem das kotzen.
vor kurzem wurde ein typ freigesprochen, weil sich die 15 jährige angeblich zu wenig gewehrt hat. sie hätte auch wen anrufen können, so die argumentation.

dass eine frau sagt, "nein, ich will das nicht" reicht den medien scheinbar nicht, obwohl das klar und deutlich genug sein müsste.

2. klar, denn "dutteln" können auch nicht reden, das ist ja nur das, worauf du schaust.

es geht ja nicht um dich, sondern um die massen an menschen, die durch diese aktion informiert wurden, was in tunesien passiert.

1. ach ja - und wie kommst du drauf? wenn richter täter (!) freisprechen, weil sie sagen "dann hätt sie halt nicht so einen tiefen ausschnitt tragen dürfen? es gibt unzählige bspe diesbzgl.

2. scheinbar verstehst du nicht, was solidarität heißt.
unmittelbar haben sie nichts davon, aber solidarität ist besser, als ignoranz, ohne diese bekundungen wüssten zb wir zwei auch nichts von den frauen in tunesien. es geht also um ein bewusstsein. das ist doch schon mal mehr als nichts, oder?

Ich möchte Niemand unterstellen Vergewaltigung wohlwollend zu betrachten. Zwischen wohlwollen und schweigen ist ein Unterschied.
Absolut nichts kann eine Vergewaltigung rückgängig machen. Die Vergesellschaftlichung, das öffentlich Machen von Gewalt, heraus aus dem Privaten. Nimmt Frauen den Druck von „Selber Schuld“. Öffentliches auseinandersetzen und verändern von gewaltfördernden Strukturen kann in Zukunft vielleicht auch nur eine einzige Vergewaltigung verhindern. (Diese eine ist der Einsatz wert) Vergewaltigungen finden täglich auf der ganzen Welt in jeder gesellschaftlichen Schicht statt, daher erwarte ich internationale Solidarität von Frauenpolitik in unserem Land.

Nein, im Endeffekt besteht zwischen Wohlwollen und Schweigen kein Unterschied. Der besteht nur für Sie, aber für sonst niemanden. Nicht umsonst ist der klassische Grundsatz
"Qui tacet, consentire videtur".

ich finde nicht,

daß hierzulande irgendwas totgeschwiegen wird

und inwiefern wohlfeile demos HIER "gewaltfördernde Strukturen" in TUNESIEN verändern sollen, ist mir immer noch nicht klar

Strukturen ändern sich nicht von heute auf morgen. Warum sollten sie sich ändern, wenn niemand dagegen Protest einlegt?
Briefkampagnen von Amnesty International machen auch Druck auf internationaler Ebene. Amnesty ist in vielen Fällen erfolgreich obwohl eines der Hauptziele die weltweite Abschaffung der Todesstrafe noch nicht erreicht wurde. In der Diplomatie sind Protestnoten wirksam im Einsatz. Berichten Medien von internationalen Protesten hat es ebenfalls seine Wirkung.
Warum soll ein internationaler Protest von Frauen für Frauen keine langfristige Wirkung haben? Wir in Europa haben die Freiheit und die Möglichkeit es zu tun.

aber es ist doch nicht so,

daß niemand protest einlegt!

hunderte protestierten öffentlich in tunesien, weibliche parlamentsabgeordnete (auch von der ennahda!) initiierten eine unteschriftensammlung, schließlich mußte sich der präsident entschuldigen

glaubens, die alle waren auf die barbusigen ukrainerinnen angewiesen?

Es müssen die Frauen in diesen Ländern auf die Straße gehen und protestieren (was in Tunesien ja auch der Fall war).

Die konservativen, religiösen Kräfte in diesen Länder sehen sich ohnehin als Gegenpart zum Westen. Proteste aus dem Westen werden als Einmischung betrachtet und grad solche, wie die der Femen dürften diesen Herren dort unten gerade recht sein, als Bespiel für die Unmoral in Europa angeführt werden zu können.

sie sagen es!

warum mein gleichautedes posting nicht durch die zensur kommt, weiß ich auch nicht

aber es ist geneuao, wie sie sagen: in erster linie müssen sich die betroffenen wehren - und das tun sie ja auch und durchaus erfolgreich. sicher sind solidaritätsbekundungen unsererseits angebracht, aber doch bitte nicht so, daß damit sofort wieder den ewiggestrigen klemmpatriarchen ein vorwand geliefert wird, den tunesischen frauen "unmoral" vorzuwerfen nach dem motto: schaut doch nur her, mit wem ihr euch hier gemein macht!

ich blebe dabei: die femen-aktion hat mehr mit billiger selbstdarstellung zu tun als mit einer wirklich effektiven unterstützung der anliegen arabischer frauen

Ich glaube, dass es wichtig ist Solidarität zu zeigen. In jedem einzelnen Land in jeder einzelnen Familie kämpfen Frauen. Darum ist Solidarität so wichtig.

Der Westen mischt sich überall rein. Bei Gewalt gegen Frauen ist es plötzlich nicht angebracht

legens mir nix in den mund!

ich habe nicht gesagt, daß solidarität bei gewalt gege frauen unangebracht sei. ich wage zu bezweifeln, daß die femen-spektakel der geeignete ausdruck solcher solidarität sind bzw. dies überhaupt ihr hauptgrund ist und nicht einfach als willkommener anlaß zur selbstinszenierung dient

Es war nicht meine Absicht ihnen etwas in den Mund zu legen. Wenn sie sich verletzt fühlen, bitte ich um entschuldigung.
Femen wählt eine Form des Protestes die für uns einfach ungewohnt ist. Diese Frauen haben auch eine andere Vergangenheit, andere Erfahrungswerte und andere Zugangsmöglichkeiten um ihren Protest kundzutun. So wie Gewalt viele Gesichter zeigt, hat der Protest das Recht viele Gesichter zu zeigen. (gewaltfrei versteht sich)

sicher hat jedeR das recht,

sich so gut zu blamieren, wie er oder sie kann

denn genau das scheint mir das ergebnis der femen-aktionen zu sein - und im konkreten fall wohl auch kontraproduktiv für diejenige, der hier "solidarität erwiesen" wird

bedient doch die art und weise des femen-protests genau die antiwestlichen/antimodernen vorurteile derjenigen, die den frauen auch in tunesien ihre selbstverständlichen rechte als gleichberechtigte bürgerinnen vorenthalten wollen

Sie erwarten wirklich Solidarität der Frauen.

Die hat es nie gegeben. Nicht bei den Menschen- und Bürgerrechten, nicht beim Wahlrecht, nicht in der Arbeitswelt, nicht als Vergewaltigung in der Ehe noch nicht strafbar war - was noch nicht so lange her ist, nicht wenn mehr Kassenärztinnen für die Gynäkologie gefordert werden,... .
Wenn Frauen solidarisch handeln würden, gäbe es keine Ungerechtigkeiten und keine Unterdrückung von Frauen.
Man sollte die Frauen, die sich in diesen Ländern dagegen wehren, unterstützen. Aber so unauffällig, dass nie der Verdacht aufkommt, diese Frauen würden durch den Westen beeinflusst werden.

Es gibt sie doch, die Solidarität unter Frauen. Sie wird in unserer Gesellschaft immer geringer, lässt sich jedoch im Alltag leicht beobachten. Sie ist wie viele Leistungen von Frauen unbezahlt und im öffentlichen Leben unsichtbar. Marginal ist sie im politischen Geschehen vorhanden. Eben nur marginal. So wie bei Männern. Nicht jede/r kann mit Jeder und Jeden jederzeit.
Was uns gut tun würde ist, Solidarität zu kultivieren. Sie als Kulturgut anzuerkennen. Dazu gehört auch das Einfordern von Solidarität.

Dem schliesse ich mich an!

Wenn man das "Big Picture" betrachtet, dann leiden die meisten Frauen, global betrachtet, unter bestimmten "Mechanismen", die alle die gleiche Quelle haben. Ich finde, darauf wird viel zu wenig der Focus gelenkt und es wird viel zu sehr relativiert. Das wiederum führt zu einem "Schrecken ohne Ende" statt zu einem "Ende des Schreckens".

klärens uns auf, was die quelle ist?

Männer, alle! So denken die scheinbar...

Da sinds gegen "Sexismus" und dass Frauen nur nach ihrem Körper beurteilt werden, und zeigen selbst ihre Tittis.

Die Männer, und auch Frauen, die gerne schlanke, sexy Körper sehen, freuts.

Trotzdem gefallen mir Palmers Plakate besser ;-)

Die Körpersprache auf dem Bild zeigt Femenfrauen in einer kämpferischen selbstbewussten Pose. Wären sie in Anbietpose dargestellt, dann sind sie unglaubwürdig und diskriminierend wie Palmers Plakate.
Sexismus bezeichnet Zuschreibungen (z. B. Rollen, Eigenschaften) und Diskriminierungen (Ausschlüsse, Unterdrückung) von Menschen nur aufgrund ihrer Geschlechtszugehörigkeit.

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