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Die Volkshilfe Wien und Staatssekretär Kurz suchen "interkulturelle GesundheitslotsInnen".
Wien - MigrantInnen einen besseren Zugang zum Wiener Gesundheitssystem ermöglichen: Das ist das Ziel des neuen Projekts "MiMi-Gesundheitslotsen in Wien", das von der Volkshilfe Wien und dem Staatssekretär für Integration, Sebastian Kurz, am Montag präsentiert wurde. Ab 21. November werden mehrsprachige interkulturelle GesundheitslotsInnen ausgebildet. Diese sollen dann im kommenden Jahr in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit Informationsveranstaltungen zu Gesundheitsthemen in MigrantInnen-Communities weitergeben.
Vorsorgeuntersuchungen mangelhaft
Laut Staatssekretär Kurz gibt es vor allem in Hinblick auf Vorsorgeuntersuchungen Aufholbedarf in bestimmten migrantischen Schichten. So hätten rund 76 Prozent der Österreicherinnen pro Jahr eine Mammografie durchführen lassen, aber nur 55 Prozent der betroffenen Migrantinnen. Ein ähnliches Bild zeichne sich auch beim Krebsabstrich ab: Circa 56 Prozent der Österreicherinnen würden diesen jährlich machen, bei den Frauen aus der Türkei und Ex-Jugoslawien liege der Anteil bei 32 Prozent.
Mit dem Projekt will Kurz vor allem jene Menschen ansprechen, die über Schule oder Berufswelt von der Verwaltung nicht zu erreichen sind, wie etwa nicht-berufstätige Frauen aus dem urbanen Raum. Deshalb habe man sich mit der Volkshilfe Wien zusammengesetzt und nach Beispiel des deutschen Ethnomedizinischen Zentrums in Hannover ein Projekt entwickelt, so Kurz.
Kein Ersatz für Sozialarbeiterin
Die Grundidee: Erfolgreich integrierte Migranten sollen nicht so gut integrierten Menschen bei Gesundheitsfragen ehrenamtlich helfen. Dabei gehe es nicht darum, den oder die Sozialarbeiter/in zu ersetzen, betonte Ramazan Salman, Geschäftsführer des Ethnomedizinischen Zentrums. Vielmehr sei der sogenannte Gesundheitslotse ein Bindeglied zwischen MigrantInnen und dem Gesundheitssystem. Dieser mache im Zuge von Informationsveranstaltungen auf das bestehende Gesundheitsangebot in der jeweiligen Muttersprache gezielt aufmerksam.
Gleiche Sprache schafft Vertrauen
Esma Köse ist bereits seit Jahren in Hannover als Gesundheitslotsin in Moscheen, Schulen oder Kulturzentren unterwegs. "Viele Frauen kommen aus der Türkei. Sie sprechen oft nur türkisch und daher gehen sie nicht zu Veranstaltungen in deutscher Sprache. Wenn aber jemand in der eigenen Muttersprache mit ihnen spricht, dann schafft das Vertrauen und auch heikle Themen, die oft im Gesundheitsbereich vorkommen, können angesprochen werden", berichtete die türkischstämmige Deutsche über ihre Erfahrungen.
MigrantInnen mit Interesse an Gesundheitsfragen gesucht
In Wien erhalten Interessierte im Rahmen des Projekts in 50 Lehreinheiten eine Ausbildung in Gesundheitsfragen und Prävention. Der Lehrgang schließt mit einem
Zertifikat als interkulturelle/r GesundheitslotsIn ab. Gesucht werden ab sofort mehrsprachige MigrantInnen, die Interesse an Gesundheitsthemen haben und über gute Deutschkenntnisse verfügen. Zudem müssen sie über einen guten Kontakt zu ihren Landsleuten verfügen, damit sie die Informationen weitergeben können.
Das Gesundheitsprojekt läuft vorerst nur in der Bundeshauptstadt bis Ende 2013, hieß es. Pläne über eine Verlängerung und Ausdehnung in die Bundesländer seien aber bereits angedacht. Dafür bräuchte es aber weitere Unterstützer, betonte Stephan Amann von der Volkshilfe Wien. Diese finanziert das Projekt in Wien derzeit gemeinsam mit dem Innenministerium. Große Partner wie die Arbeiterkammer Wien, die Ärztekammer Wien, das Institut für Frauen- und Männergesundheit, die Wiener Gebietskrankenkasse und die Wirtschaftskammer Wien konnten laut Projektinitiatoren aber ebenfalls gewonnen werden. (APA, 8.10.2012)
Weiterlesen:
In Kirchdorf in Oberösterreich wurden 2009 bereits Gesundheitslotsinnen ausgebildet. Zum Artikel "Am Land zählt die Mundpropaganda"
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