Die Katastrophen und die Frauen

12. Oktober 2012, 13:30

Organisationen und NGOs weisen am Internationalen Tag der Katastrophenvorbeugung auf die Rolle(n) der Frauen hin

Anlässlich des Internationalen Tag der Katastrophenvorbeugung am 13. Oktober weisen mehrere Organisationen und NGOs darauf hin, dass Frauen und Kinder von Umwelt- und Hungerkatastrophen am häufigsten betroffen sind. Die UNICEF schreibt in einer Aussendung, dass Frauen und Kinder ein 14-mal höheres Risiko haben während und in Folge von Katastrophen zu sterben als Männer. Care berichtet via Aussendung davon, dass geschätzte 70 Prozent der ärmsten Menschen der Welt Frauen sind. Sie seien von Naturkatastrophen, Hunger und Krankheit überproportional betroffen. Auch die SPÖ-Bereichssprecherin für globale Entwicklung, Petra Bayr, betont die zentrale Rolle der Frauen im Falle von Katastrophen.

Oft fehle es den Frauen an Kraft, im Falle einer Katastrophe weite Strecken zurückzulegen bzw. werden sie durch das Tragen ihrer Kinder behindert. Zudem haben Frauen selten die finanzielle und soziale Absicherung, um ihr Leben und das ihrer Familien ausreichend zu schützen. Andererseits zeige die Erfahrungen von Care deutlich, dass Frauen nicht nur Opfer von Katastrophen sind, sondern auch wichtige Helferinnen im Krisenfall. Katastrophenvorsorge ist um vieles erfolgreicher, wenn die Bedürfnisse und das Wissen von Frauen systematisch berücksichtigt werden.

Grenn Belt Movement

Petra Bayr rückt ebenso die Frauen am Land ins Zentrum. Ein leuchtendes Beispiel an Katastrophenbewältigung und Prävention sei die Kenianerin Wangari Maathai. Sie erkannte, dass Umweltschutz, Frauenförderung und die Prävention von Naturkatastrophen zusammenhängen und gründete das "Grenn Belt Movement". "In ihrer Heimat waren negative Entwicklungen wie Erosion, fortschreitende Wüstenbildung und daraus resultierende Unterernährung direkt auf Rodungen der Waldbestände zurückzuführen. Maathai, eine Frau der Tat, beschloss etwas dagegen zu tun und pflanzte Bäume ", erläutert Bayr. Das Konzept verfolgt eine Stärkung der Frauen in den lokalen Gemeinschaften.

So wurden das Pflanzen von Bäumen und somit auch der Überlebensschutz zur Frauensache. Frauen wurden für jeden erfolgreich gezogenen und eingepflanzten Baum mit kleinen Geldsummen entlohnt. "Darüber hinaus setzte sich Maathai für die Förderung der Demokratie in Kenia ein. Sie knüpfte das Green Belt Movement an ein Bildungsprogramm, das den Menschen die Bedeutung von demokratischer Mitbestimmung und Umweltschutz näherbrachte", erläutert Bayr die Errungenschaften der Kenianerin. (red, dieStandard.at, 12.10.2012)

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und übrigens .... haben dafür männer ein 9 mal so höhes risiko bei arbeitsumfällen ums leben zu kommen.

... und dafür braucht man nicht einmal die kinder missbrauchen um die statistiken zu frisieren.

http://manndat.de/maennerge... enner.html

wow

das hat ja jetzt auch wirklich wahnsinnig viel mit dem thema des artikels zu tun...

Eigentlich schon. Beides hat in relativ ähnlicher Art eines Ursache Wirkungszusammenhanges mit gelebten Rollenverteilungen zu tun.

hat mindestens so viel damit zu tun wie einen vollkommen ...

sinnlosen zusammenhang zwischen katastrophen und frauen zu generieren, den es ganz einfach nicht gibt.

jede katastrophe hat ihre eigenen umstände, die dazu führen können, dass das pendel in die ein oder andere richtung ausschlägt.

da gehts ja nur um eine eigentlich leicht zu durchschauende stimmungsmache, die frauen selbst bei katastrophen als die armen hinzustellen. und das noch dazu mit verfältschen daten, indem man die kinder zu den frauen dazurechnet. das ist nun aus jeder hinsicht wirklich sinnlos.

der zusammenhang mit arbeitsunfällen ist sehrwohl gegeben, da zB wenn naturkatastrophen arbeitsplätze treffen, die praktisch nur von männern besetzt sind. z.B. bergwerke und minen, ...

14:1 ist aber extrem viel! Auch wenn Frauen und Kinder gemeinsam gezählt werden. BTW wäre hier eine Differenzierung sehr angesagt!

Angesichts der normalerweise gleichverteilten Opferzahlen erinnert es ein wenig an den Hillary Clinton-Sager, dass es v.a. Frauen wären, die Opfer von Krieg seien, da es ja ihre Männer und Brüder wären, die da fielen.
Das Verhältnis ist keineswegs nachvollziehbar, auch müsste es bei einem so starken Bias eine augenfällige Erklärung geben.

Eine Erklärung wäre z.B. in destabilisierten Gebieten in Afrika: Männer werden gleich exekutiert oder zwangsrekrutiert und tauchen so in der Statistik nicht auf, diese berücksichtigt dagegen nur das Schicksal der zurückgebliebenen Frauen und Kinder in der darauffolgenden Hungersnot.

gut möglich

Beispiel Erdbeben in Chile ....

gesamt 525 todesopfer, habe die ersten 100 der namensstatistik geprüft: 56 % männer, 44 % frauen, kinder werden nicht eigens ausgewiesen, sind daher ebenfalls nach geschlecht in der statistik erfasst.

wie auch immer 14:1 macht überhaupt keinen sinn. das soll vielleicht wirklich 4:1 heissen und ist auf basis der tsunamistatistik gemacht. 14:1 macht auch mit inkludierung der kinder keinen sinn. 4:1 mit kindern .... na gut das könnte stimmen, aber das kann man dann auch umdrehen ... männer und kinder haben ein 4 x grösseres risiko als frauen .... sinnlose statistik.

Die Frage nach dem Sinn solcher Statistik stellt sich allerdings - im Sinne der daraus zu ziehenden Konsequenzen. Sterben die meisten bei Erdbeben in Häusern, dann ist die Konsequenz eben Häuser sicherer zu machen, usw.. Wie auch umgekehrt bei den von Ihnen oben angesprochenen Arbeitsunfällen. Geschehen die meisten durch Absturz, dann ist Verbessereung der Absturzsicherungen die Konsequenz.

Sterben mehr Männer bei der Arbeit, mehr Frauen bei Katastrophen - So weit so schlecht, und was dann? Wäre es von Vorteil, wenn auch mehr Frauen beim Arbeiten und mehr Männer bei Erdbeben z.B. sterben würden, die Opferzahl aber insgesamt gleich bleibt???
Eben nicht! Also was kann man mit der Information, daß es so ist, eigentlich erreichen?

V.a. bezüglich der Kinder interessant: Bub => Kind => arm dran (gut), Mann => ??? (böse). Ab welchem Alter wandert ein Opfer in dieser Statistik von der Gut-Kategorie in den Böse-Topf?

Wieso sollte der Mann der bei einer Katastrophe stirbt, nicht auch schlicht arm dran sein - egal ob das seltener geschieht als bei einer Frau oder einem Kind?
Wer stellt ihn deshalb in die Kategorie "böse"? ...verstehe nicht, was Sie hier meinen...

Der Subtext der Aussage ist ja, dass es zwei Gruppen von Opfern gibt, von denen die eine besondere Aufmerksamkeit verlangen würde. Von da – besonders, wenn dies eine handlungsrelevante Beobachtung sein soll – ist es nicht weit zu einer moralischen Wertung.
(Das deckt sich auch mit der Definition von "praktischer Philosophie" und der darin beinhalteten Klammer von handlungsleitender Orientierung [Politik] und Wertung [Moral].)

Den Subtext kann man so, muß man aber nicht so interpretieren. Meine Hauptkritik an der Sichtweise wäre, daß diese Beobachtung eben wenig handlungsrelevant ist. Zumindest nicht ohne genauere Ursachenforschung.
Soll heissen: sterben mehr Frauen in Tsunamis oder Hochwasser, weil es in den Gesellschaften, in denen das passiert, unüblich ist, daß Frauen schwimmen lernen - dann wäre das Handlungsanweisend für die Veränderung geschlechtsspez. Verhaltens.
Sterben mehr Frauen bei Erdbeben in Häusern, wäre es handlungsanweisend für die Art Häuser zu bauen. Würde es da zu Maßnahmen führen, daß weniger Frauen aber mehr Männer in Häusern anwesend sind, und erschlagen werden, und dies als Verbesserung gesehen, dann würde Ihre Kritik voll zutreffen.

geschätzte 70 Prozent der ärmsten Menschen der Welt Frauen sind.

geschätzt! genau. schätzen kann man jeden blödsinn!

eigenartige statistik!

liegt vielleicht daran, dass die frau mit 13 kindern zuhause sitzt während der mann arbeitet.

Genau an solchen Dingen liegt es; da viele Opfer von Naturkatastrophen in ärmeren Ländern zu beklagen sind, wo viel (männliche) Arbeit im Freien (unter Tags allerdings nur!) stattfindet, und der Aufenthalt in Häusern (bei z.B. Erdbeben) besonders unsicher ist.

mit sicherheit gibt es auch solche fälle ....

die wahrheit ist aber, dass diese statistik mit allergrösster sicherheit vollkommen schwachsinnig ist.

ich neige fast dazu zu glauben, dass es sich überhaupt um einen tippfehler handelt. vielleicht soll es heissen 4 mal so hoch anstelle von 14 mal. das wäre eventuell nachvollziehbar, wenn man die daten der tsunami-opfer heranzieht, wo viele spezielle faktoren tatsächlich zu einem ungleichgewicht zwischen männlichen und weiblichen opfern geführt haben. die meisten kamen natürlich im küstenstreifen ums leben, wo zum zeitpunkt der katastrophe vor allem frauen und kindern anwesend waren, während die männer auf see oder im hinterland arbeiteten. wäre das gleiche in der nacht passiert, wäre die statistik vermutlich viel ausgeglichener gewesen.

wäre die statistik vermutlich viel ausgeglichener gewesen. ... Und die Gesamtopferzahl noch wesentlich höher! Anders gesprochen, es hätte keiner Frau und keinem Kind das Leben gerettet. Es wären viel mehr Männer, aber auch noch mehr Frauen und Kinder betroffen gewesen.

Ich möchte mich nicht über Katastrophen lustig machen,

aber die Statistik hier ist schon heftig. Es werden "Frauen+Kinder" in einen Topf geworfen und den Männern gegenübergestellt. Und daraus der unsinnige Schluss gezogen, Frauen wären mehr betroffen. Hätte man "Männer+Kinder" den Frauen gegenübergestellt, wäre genau das Gegenteil herausgekommen. Die einfache Wahrheit hinter diesem Unfug: Kinder sind mehr betroffen.

die übliche mediale vorgangsweise. Sterben menschen unterschiedlichen geschlechts, werden frauen und kinder gezählt, männer totgeschwiegen. die kommen medial nur als täter in betracht.

Schon teilweise richtig! Kinder sind bei Naturkatastrophen am meisten gefährdet, und da die Anzahl der Kinder gegenüber Erwachsenen geringer ist, bedeutet ein 14 faches Risiko keine 14 fachen Opferzahlen. Frauen und Kinder zusammenzuzählen ist nicht sinnvoll, richtig! Dennoch ist das Risiko von Frauen höher als von Männern. Beim 2004-Tsunami bei 3:1 ca. (Frauen konnten oft schlecht schwimmen usw.), bei Erdbeben ähnlich. Erdbeben unter tags in "3._Weltländern": Männer im Freien, Frauen in Häusern die schlecht gegen Erdbeben geschützt sind - so und ähnlich kommen diese Unterschiede zustande. Interessant wäre der Tsunami in Japan, oder Beben nachts, Beben in Industrieländern (Arbeit auch großteils in Gebäuden), fand allerdings nichts dazu.

Darum nimmt die ja keiner mehr ernst.

Schon. Aber leider gibt es fuer solchen unsinn immer noch diese plattform in einer der bekanntesten zeitungen oesterreichs.

Ich bin dafuer, dass man ungerechtigkeit aufzeigt und anprangert, so wie es huer aif diestandard oft geschieht. Aber man muss sich IMMER darum bemuehen, verschiedene sichtweisen ausgewogen zu beleuchten.

Das passiert hier nicht. Es wird die weibliche perspektive fast immer als machtlos, schwach und maennlicher willkuer ausgeliefert beschrieben waehrend die maennliche seite zumeist als stark, macht ausuebend und als taeter und sowieso als homogene gruppe von patriachatsgewinnlern dargestellt wird.

Kinder zu den Frauen zu zählen, heisst ja auch umgekehrt, Frauen zu den Kindern zu zählen, ... gleich machtlos und schwach zu sehen/ zu bezeichnen, und sie damit nicht für voll zu nehmen und nicht als selbstverantwortlich und erwachsen anzuerkennen. Das hat jetzt zwar nicht direkt mit dem Thema Naturkatastrophen zu tun, ist aber grundsätzlich auch nicht gerade "frauenfreundlich", und es wundert m ich auch etwas, daß dies in diesem Medium hier zumindest unkritisch hinterfragt und unkommentiert reproduziert wird. Auch wenn, oder gerade weil dann auch von der aktiven Rolle von Frauen bei Prävention von Katastrophen ausführlicher die Rede ist.

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