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vergrößern 450x637Das Frauengesundheitszentrum Graz warnt vor Werbebroschüren wie dieser.
Das klingt ganz schön dramatisch: "Manchmal steht nur eine Impfung zwischen Leben und Tod". Zu lesen ist das in einer Werbebroschüre für die HPV-Impfung, die derzeit in vielen gynäkologischen Praxen aufliegt, mit dem Ziel Patientinnen zu einer Impfentscheidung zu ermuntern. Die Kosten für das Präparat tragen Frauen in Österreich derzeit allerdings - noch - selbst.
Mit etwa 630 Euro ist die dreiteilige Impfung kein Schnäppchen. Seit Jahren schon wird in Österreich über eine Aufnahme in den Nationalen Impfplan und damit über eine Kosten-Übernahme durch die Krankenkasse debattiert. Jüngst waren es die ÖVP-Frauen, die erneut die Kostenübernahme der HPV-Impfung forderten.
Tatsächlich ist das Risiko an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken aber relativ gering: Die Wahrscheinlichkeit, dass eine Österreicherin bis zu ihrem 75. Lebensjahr an Gebärmutterhalskrebs erkrankt, liegt seit 1996 bei unter einem Prozent. Vorbeugende Maßnahmen wie regelmäßige PAP-Abstriche oder Konisationen könnten ein Grund für die niedrige Inzidenz sein, wissenschaftlich erwiesen sei dies aber nicht, erklärt Sylvia Groth vom Frauengesundheitszentrum in Graz gegenüber dieStandard.at. Außerdem konnten ForscherInnen bisher nicht nachweisen, dass der Impfstoff den versprochenen Schutz bringt.
Das viel umworbene Arzneimittel, so das Ludwig-Boltzmann-Institut, wirke in der Praxis nur gegen HP-Viren der Stämme 16 und 18, sowie gegen einige HPV-Varianten, die Genitalwarzen verursachen können - eine lästige, aber keine lebensbedrohliche Krankheit. Gebärmutterhalskrebs werde aber auch durch andere HPV-Typen verursacht, die der Impfstoff nicht beeinflusst. Laut einer Berechnung des Ludwig-Boltzmann-Instituts würden trotz einer Durchimpfung im Jahr 2060 etwa 320 Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken und etwa 85 daran sterben - und im besten Fall reduziere die Impfung 27 Prozent der Krebsfälle und 32 Prozent der Todesfälle.
Insgesamt spreche die Kosten-Nutzenrechnung nicht für den Impfstoff, meint auch das Frauengesundheitszentrum. "Die Dauer des wirklichen Nutzens und somit auch der Schutz der von den Impfstoff-Herstellern versprochen wird, steht noch nicht fest, ist also wissenschaftlich derzeit nicht belegt", warnt Sylvia Groth. Etwaige Langzeitstudien würden sich außerdem erst über einen Zeitraum von achteinhalb Jahren (seit der Impfstoff in den USA auf den Markt kam) erstrecken.
Trotz dieser Beanstandungen haben die ÖVP-Frauen vergangene Woche erneut eine Kostenübernahme der Impfung durch die öffentliche Hand gefordert. Sie wissen damit den Obersten Sanitätsrat (OSR) hinter sich, der die Impfung bereits 2007 in seine Empfehlungen aufgenommen hat.
Befragt nach der Motivation des neuerlichen Vorstoßes meint ÖVP-Frauenvorsitzende Dorothea Schittenhelm, für die ÖVP sei Vorsorge zentral. Die derzeit laufenden Budgetverhandlungen sollen zudem für die Frauen genutzt werden. Dass die Wahrscheinlichkeit an Gebärmutterhalskrebs zu erkranken gering sei, beeindruckt Schittenhelm nicht. Auch andere Argumente von KritikerInnen, die Impfung bringe nicht den gewünschten Schutz oder sei eine reine Geschäftemacherei lässt Schittenhelm nicht gelten. "Jede einzelne Frau, die an Gebärmutterhalskrebs erkrankt, ist eine zu viel", lautet das Credo der ÖVP-Frauen. Der Ball liegt inzwischen im Finanzministerium.
Denn auch im Gesundheitsministerium stellt man sich nicht mehr kategorisch gegen die Impfung. Alois Stöger (SPÖ) - bisher Kritiker der Impfung - scheint seine Meinung geändert zu haben: "Wenn die ÖVP die HPV-Impfung will und die Finanzministerin die dafür notwendigen finanziellen Mittel zur Verfügung stellt, bin ich selbstverständlich bereit eine Ausweitung des kostenlosen Impfprogramms vorzunehmen", so Stöger. Auf Stögers Prioritätenliste befinde sich die HPV-Impfung jedoch nicht, so Sigrid Rosenberger, Sprecherin des Gesundheitsministers, zu dieStandard.at. Das Gesundheitsministerium beanstandet weiterhin die Gewinnspanne der Hersteller - laut seinen Informationen belaufen sich die Herstellungskosten der Impfung derzeit bei 20 Euro.
Sollte aus dem Finanzministerium eine Zusage kommen und auch Alois Stöger sein Zugeständnis beibehalten, können sich die Impfstoff-Hersteller tatsächlich die Hände reiben, denn die zu erwartenden Absätze sind enorm. Die Impfung wird inzwischen nicht nur mehr für junge Mädchen vor dem ersten sexuellen Kontakt empfohlen, sondern alle junge Mädchen und Buben sollen nach den jüngsten Plänen geimpft werden. Für die Pharmaindustrie ein sogenannter Blockbuster, der in Deutschland bereits kräftig ins Rollen gekommen ist.
Schon Ende 2006, als der erste HPV-Impfstoff auf den Markt kam, klingelten bei den Pharmakonzernen die Kassen. Nur wenige Monate später, im März 2007, empfahl die "Ständige Kommission" (Stiko) die HPV-Impfung für Mädchen zwischen zwölf und 17 Jahren. Die gesetzlichen Krankenkassen mussten die Kosten von 450 Euro für die drei nötigen Spritzen übernehmen. Gardasil, einer der beiden in Deutschland zur Verfügung stehenden Impfstoffe am Markt, war 2007 auch prompt mit 267 Millionen Euro das Medikament mit dem höchsten Umsatz in Deutschland.
Diese Geschäftemacherei aber auch Marketingkampagnen der Pharmakonzerne, wie die aktuelle Werbebroschüre, sind dem Frauengesundheitszentrum Graz seit langem ein Dorn im Auge. Auch bei der aktuellen Werbekampagne lassen die kleingedruckten Lettern erraten, welche Interessen hinter der Vermarktung des Impfstoffs gegen HP-Viren stehen.
"Mit freundlicher Unterstützung" haben zwei Pharma-Konzerne die Kosten für den Druck zur Verfügung gestellt. Einer davon nennt sich GlaxoSmithKline (GSK) und ist der sechstgrößte der Welt. GSK hat nicht nur einen Sitz in Österreich, sondern investiert seit 2010 kräftig in das österreichische Pharma-Unternehmen Apeiron, in dem Nationalratsabgeordneter Martin Bartenstein (ÖVP) stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender ist. Für die ÖVP-Frauenvorsitzende ist dieser Umstand unerheblich: "Ob den Impfstoff ein Herr Bartenstein oder ein Herr Maier aus Kagran herstellt, ist mir völlig egal".
Einen durchwegs anderen Blick auf diese Sache hat Sylvia Groth. Sie will nicht, dass die Geschäftsinteressen von GSK "auf Kosten der Frauen geschehen". Sie warnt: "Die Kampagnen von Herstellern mit tendenziösen Aussagen und angstmachender Sprache können zu Entscheidungen führen, die auf Furcht und Schuldgefühlen von Frauen und Müttern basieren". Darüber hinaus unterlaufe die aktuelle Kampagne nicht nur das Werbeverbot für rezeptpflichtige Arzneimittel, zu denen auch Impfstoffe zählen, sondern stelle den Nutzen der Impfung in den Vordergrund. "Der tatsächliche Nutzen und die Dauer des Schutzes durch die HPV-Impfung werden darin aber nicht angemessen dargestellt", beanstandet das Frauengesundheitszentrum abschließend. (Sandra Ernst Kaiser, dieStandard.at, 14.10.2012)
Info
Geschätzte 70 Prozent der Frauen stecken sich im Laufe ihres Lebens mit dem humanen Papillomaviren (HPV) an. Die Viren werden beim Geschlechtsverkehr übertragen. Das Frauengesundheitszentrum Graz rät daher zur ständigen Verwendung von Kondomen, die in 70 von 100 Fällen nachweislich vor einer Übertragung schützen. In den meisten Fällen klingt die Infektion problemlos wieder ab. Schafft es die Körperabwehr nicht, die Viren auszuschalten, können sich Gewebe-Veränderungen bilden. Aus dieser Krebsvorstufe kann Gebärmutterhalskrebs entstehen.
Es gibt etwa hundert HPV-Typen, mindestens 13 davon sollen Krebs auslösen können. Wenn eine Frau an Gebärmutterhalskrebs erkrankt, ist das praktisch eine Spätfolge einer HPV-Infektion.
Links
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"Laut einer Berechnung des Ludwig-Boltzmann-Instituts würden trotz einer Durchimpfung im Jahr 2060 etwa 320 Frauen an Gebärmutterhalskrebs erkranken und etwa 85 daran sterben - und im besten Fall reduziere die Impfung 27 Prozent der Krebsfälle und 32 Prozent der Todesfälle."
Sofern diese Aussage überhaupt stimmt (wo sind die Referenzen?), war so zur Zeit der Aussage längst überholt. Seit 2011 liegen Daten aus Australien vor. Impfrate 80-90 % und Rückgang behandlungsbedingter Krebsvorstufen bei unter 18 Jährigen um 59 % (http://goo.gl/0K6KR). Das ist keine prospektive Berechnung, sondern belegte Tatsache. Da die Krebsfälle nicht nur auf HPV zurück zu führen sind, spricht das für eine sagenhafte Effizienz der HPV Impfung!
Die HPV-Broschüre wurde von anerkannten Gesellschaften zur Aufklärung von sog. Laien (Werbeverbot lt AMG) herausgegeben. In Ö erkranken jährlich 472 Frauen an Gebärmutterhalskrebs, 195 sterben daran (WHO Report 2010). Leichte Zellveränderungen bilden sich bei 60 % spontan zurück (Daten 2004).
Die Schutzwirkung gegen HPV 16 + 18 (70 % der Fälle) beträgt beim GSK-Impfstoff knapp 100 %, die Gesamtwirksamkeit bei Frauen, die noch keine Infektion hatten, gegen CIN3+ Läsionen bei 93 %. Konisationen (in Ö 5.000/Jahr lt OEGGG 03.2012) können zu 70 % verhindert werden.
Der Impfstoff von GSK kostet für Endverbraucher € 439,- und ist in Ö seit September 2007 ausschließlich für Mädchen zugelassen.
Dr. Hardo Fischer
Medical Director GSK AT
Der Impfstoff ist ausschließlich für Mädchen zugelassen?
Männer/Buben sind genauso Überträger, sie kriegen nur SELTEN (aber doch) Krankheiten dadurch und sie geben es vor allem weiter, wenn sie silent carriers sind. Impfungen haben aber normalerweise auch den Zweck, eine Verbreitung zu verhindern. UND DAS PASSIERT AUCH, WENN MAN ÜBERTRÄGER IMPFT! ARGH WARGH DIESE LOGIK!!11ELF
WTF?! Wie ging DAS denn durch? Warum machen wir das nicht gleich so bei Röteln, ist ja auch nur für junge Schwangere ein Problem!
Medizin kann zu wenig wirken oder Nebenwirkungen haben, aber die paar Euro sind doch egal.
Und wie solls noch Kinder in Österreich geben wenn man immer Kondome verwenden soll?
99% umsonst geimpft, das ist der ÖVP egal.
Bei einer Gewinnspanne von 97% für die Pharmaindustriellen (Bartenstein?) rührt man schon die Werbetrommel.
Die 580.- Reingewinn aus Steuermitteln sind gut angelegt in den Taschen der Pharmariesen.
Was ist die Alternative?
Die "1%" dürfen halt sterben, solang nur ja nicht die ÖVP, die Pharmabranche oder sonstige Bösewichte Geld bekommen?
Es ist schon irre, wie das nun zu einer Parteipolitik-Sache gesponnen wird. International ist man weiter, nur bei uns muss man heldenhaft gegen die Verschwörung kämpfen.
Aber gut, wie Sie wollen - so können sich eben nur die reichen Frauen (Achtung: "ÖVP-Klientel!!!") die schröckliche Impfung leisten. Konisationen für die ärmeren zahlt eh die Krankenkassa.
Da gibt es wahrscheinlich zig andere Krankheiten gegen die man auch alle geimpft werden könnte, wo 1 % oder mehr Leute im Laufe des Lebens irgendwannmal erkranken!
Sinnvoller ist, wenn man stattdessen Geld lieber gegen Krankheiten ausgibt, die 10 %, 20 % oder 30 % der Bevölkerung mal bekommen können und die VIEL mehr Tote verursachen als der Gebärmutterhalskrebs!
Dann stellen wir aber auch sofort die Kostenübernahme für PAP-Abstriche ein. Dieses komische Cervixcarcinom ist offenbar völlig unbedeutend; die paar Einzelschicksale können wir locker verkraften.
Und überhaupt sämtliche Vorsorgemaßnahmen für Krankheiten, die nicht mindestens 10% aller Österreicher betreffen _und_ definitiv lebensgefährlich sind. Da fällt gleich sehr, sehr vieles weg.
Das Geld könnte man doch so viel besser investieren, und woanders sparen ist ausgeschlossen.
sie werden überrascht sein was EXPERTINNEN darüber denken...
warum gibts nicht VUs auf Kassenkosten für JEDE/N wenn diese so präventiv wirken?
schonmal überlegt warum das so ist?
mit dem abstrich stellen sie fest, ob ein ca vorliegt. mit der impfung könnens möglicherweise einen teil der ca verhindern. selbst wenn alle durchgeimpft wären (und hier spielt es sehr wohl eine rolle, ob man 100% der bevölkerung den impfnebenwirkungen aussetzen will, um weniger als 1% - hoffentlich - vor erkrankung zu schützen), wäre der abstrich immer noch sinnvoll und notwendig, weil ja auch geimpfte ca entwickeln können
Hauptargument gegen die Impfung scheint zu sein, dass damit jemand Geld verdient. Grässliche Vorstellung! (An den Konisationen etwa nicht? Und die sind lustiger als 3 Spritzen in den Arm? Ernsthaft? Die Krebsbehandlung im Ernstfall ist auch non-profit, hoffe ich.) Und dass man nicht schon seit ein paar Jahrzehnten Erfahrung damit hat (genau, warten wir einfach ab ob's eh genug wirkt - die paar Tausend Krebstoten inzwischen kratzen uns nicht.)
Was soll der Artikel? Ich weiß schon, Pharmabashing ist immer in Mode, aber was ist die Alternative? Ganz natürlich und bio Krebs kriegen? Keinen Sex haben? Brav monogam sein? Immer nur mit Gummi? Klingt nicht gerade nach den typischen Anliegen von diestandard...
"...70% der Frauen im Lauf ihres Lebens" werden HPV positiv getestet - ja, das war vielleicht einmal. Mittlerweile sind bereits jetzt über 25% der jungen Frauen infiziert, Tendenz stark steigend. Deswegen hält ein guter Gynäkologe, dem die Gesundheit seiner Patientinnen am Herzen liegt, es für wünschenswert, wenn alle Jugendlichen geimpft werden, bevor sie den 1. GV haben!
Ein Kämpfer auf der impfkritischen Seite:
Johann Loibner
http://www.youtube.com/watch?v=_voQ8YmPEOU
Zwei Drittel der Gebärmutterhalskrebsfälle werden durch die Virentypen 16 und 18 ausgelöst, also von jenen beiden Typen, gegen die der Impfstoff wirkt. Ca. 170 Frauen sterben in Österreich jährlich an Gebärmutterhalskrebs.
Also mir hat das als Grund für eine Impfung gereicht, auch wenn ein pöhses Pharmaunternehmen damit Gewinn macht.
Gynäkologe Dr. Hirte:
"...es steht fest, dass es auch nach der Impfung zu Gebährmutterhalsklrebs kommen kann"
"Wenig andere Krebsarten können so gut erkannt und behandelt werden wie Gebährmutterhalskrebs"
Ich kann mir nicht vorstellen, dass du dich vor deiner Impfung ausreichend informiert hast.
Ui, da haben Sie jetzt die Falsche erwischt (per Du sind wir übrigens nicht). Ich habe mich sehr gut vor der Impfung informiert und beschäftige mich immer noch mit dem Thema, auch in meinem Studium.
Wenn ich das Risiko einer Entstehung von Krebs durch eine Impfung verringern kann, warum nicht? Warum soll ich drauf warten bis ich vielleicht doch Krebs oder dessen Vorstufen bekomme? Denn auch wenns gut behandelbar ist, super ist eine Konisation sicher nicht, da senke ich gerne das Risiko.
Und zu ihrem Dr. Hirte:
http://psiram.com/ge/index.... rtin_Hirte
wenn sie wikipedia als objektiv sehen tun sie mir leid. es ist leider so, dass so ziemlich jeder etwas eingeben kann, sowohl pseudo - wissenschaftlich als auch politisch. wo sich politik in medizin eingemischt hat wissen wir spätestens seit tamiflu.......
du versteckst dich online hinter einem aminosäure-pseudonym und erwartest ein "per sie"? lächerlich und darum wirst du hier so oft geduzt wie es einem passt. willkommen im internet!
es geht mir darum, dass du aufgrund eines risikos ein anderes risiko eingehst und der meinung bist, dass du dadurch geschützt bist. das bist du eben nicht.
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