Ein Ehepaar räumt auf

15. Oktober 2012, 18:06
  • Das Ehepaar Kachelmann: ein kurioser Fall von "marriage-washing" bei 
einem Mann, der sich jahrzehntelang ganz offensichtlich nichts aus 
bürgerlicher Moral machte.
    foto: apa/epa/tim brakemeier

    Das Ehepaar Kachelmann: ein kurioser Fall von "marriage-washing" bei einem Mann, der sich jahrzehntelang ganz offensichtlich nichts aus bürgerlicher Moral machte.

Die narzisstische Traumwelt der Kachelmänner wurde Sonntagabend bei Günther Jauch präsentiert

Kachelmann gegen den deutschen Rechtsstaat: Im Blätterwald unseres nördlichen Nachbarlandes raschelt es gewaltig, seit der ehemalige Wettermoderator seine Wut über den – wohlgemerkt gewonnenen Gerichtsprozess wegen vorgeworfener Vergewaltigung in Form eines Buches veröffentlicht hat.

Talkrunde bei Jauch

Am Sonntagabend hatte das Ehepaar Kachelmann dann auch Gelegenheit, bei Günther Jauch über sein (Jörgs, Anm.) erfahrenes Leid als Opfer einer "Falschbeschuldigung“ zu berichten – umrahmt von drei weiteren Männern, die wechselweise die Rolle der Medien (via Ex-"Bild"-Chefredakteur Hans-Hermann Tiedje) und des Justizsystems (Ex-Bundesinnenminister Gerhart Baum sowie Winfried Hassemer, ehemaliger Vizepräsident des Bundesverfassungsgerichtes) kommentieren sollten.

Geteilte Interpretationen

Die Wahrnehmungen dieser Talkshow gingen in den Medien anschließend weit auseinander – die Analyse reichte von "der PR-Versuch ging nach hinten los“ bis zu "Kachelmann musste sich trotz Freispruch beschimpfen lassen" – und zeigen einmal mehr den ideologischen Graben, der sich in der medialen Debatte um den Fall Kachelmann verfestigt hat.

Wo war der/die ExpertIn in Sachen Sexualstrafrecht?

Das Problem bei Jauchs Sendung war deutlich: es fehlte an Stimmen, die Kachelmanns haarsträubende Thesen vom "Opferabo der Frauen“ in Sachen Vergewaltigung mit ihrer eigenen Fachkenntnis entkräften konnten. Die anwesenden Männer versuchten dies mit mehr oder weniger vorhandenem Geschick, doch man merkte ihnen an, dass sie auf dem Gebiet des Sexualstrafrechts keine Experten sind.

Wenigstens einmal durfte eine Vertreterin einer Opferschutzeinrichtung in einem kurzen Einspieler darauf hinweisen, dass Kachelmanns Schilderungen jeglicher empirischer Grundlage entbehren. Dass Frauen in deutschen Gerichten "immer geglaubt" werde, könne keine Beratungseinrichtung bestätigen. Auf die wenigen Klägerinnen, die es bis vor Gericht schaffen, würden vor allem enorme psychische Belastungen warten.

Die Vertreter des Justizsystem erläuterten, dass die Verurteilungsquoten bei Vergewaltigungsverfahren deshalb so tief liegen (in Deutschland derzeit bei 12 Prozent), weil hier meist Aussage gegen Aussage stehe und das Gericht, wenn keine eindeutigen Beweise vorliegen, gar nicht anders könne, als "in dubio pro reo" zu entscheiden. Wie plausibel ist also Kachelmanns These, eine zunehmende Zahl von Frauen würde mit erfundenen Vergewaltigungsvorwürfen Männer drangsalieren, wenn die Erfolgsaussichten einer solchen Strategie so erbärmlich gering und die Unannehmlichkeiten für die Klägerinnen so hoch sind?

Schaden für die Opfer

Allein schon diese krude Idee zum Thema einer Talkshow zu machen, ist unseriös. Doch kaum eine/n wird es wundern, dass sich Herr Jauch mit seiner zweifelhaft besetzten Talkshow über eine hohe Quote mit durchschnittlich 5,29 Millionen ZuschauerInnen freuen konnte. Der Schaden aber, den Sendungen wie diese bei den vielen Opfern von sexueller Gewalt (das Ausmaß an nicht angezeigter Gewalt in diesem Bereich vermittelte jüngst erst wieder die Aktion #ichhabnichtangezeigt) verursachen, ist durchwegs zu beklagen.

Frau Kachelmann beteuerte inbrünstig, sie wolle jeden tatsächlichen Vergewaltiger hinter Gitter sehen. Um hier die Spreu vom Weizen zu trennen, müssen die selbsternannten ExpertInnen - Herr und Frau Kachelmann - wohl in Zukunft selber ran. Sie planen eine Stiftung, die den vielen "Opfern von Falschaussagen" finanziell beisteht und gleichzeitig auch den "wirklichen Vergewaltigungsopfern". Unter dem geschulten Auge von Herr und Frau Kachelmann wird es mit der deutschen Justiz also aufwärts gehen ... in der narzisstischen Traumwelt der Kachelmänner. (freu, dieStandard.at, 15.10.2012)

Die Talkrunde "Kachelmanns Fall - was ist ein Freispruch wert?" auf dasErste.de nachsehen.

 

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letztklassig

eine frau, die einem mann (auch wenns ihr ehemann ist), hilft, öffentlich auf "'die frauen mit dem opferabo" hinzuhauen, ist im besten fall bedauernswert, aber eigentlich genauso letztklassig wie ihr mann.
ich hab dem herrn kachelmann nichts getan, kenn ihn nicht einmal, und er stellt mich - und alle anderen frauen (mit ausnahme seiner eigenen ehefrau natürlich) - unter Generalverdacht.

warum männer kachelmann widersprechen müssen

" Die allermeisten Sexualstraftaten werden nicht angezeigt. Die Anzeigebereitschaft von Vergewaltigungsopfern beträgt schätzungsweise fünf Prozent. Nach dem Kachelmannprozess ist es kaum wahrscheinlicher, dass sich Frauen die Tortur antun, ihr Intimleben in aller Öffentlichkeit auszubreiten. Der ehemalige Innenminister Gerhart Baum wies bei Jauch dankenswerterweise darauf hin, dass das große Problem aber nicht Frauen sind, die Männer fiktiver Verbrechen bezichtigen, sondern Männer, die Frauen Gewalt antun. Es ist wichtig, dass gerade Männer dem Ehepaar Kachelmann hier laut und deutlich widersprechen.
http://www.freitag.de/autoren/d... en-muessen

Kachelmann wurde freigesprochen, weil der Vorwurf der Vergewaltigung nicht mit der für eine Verurteilung erforderlichen,

"an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit" nachgewiesen werden konnte.

Indizien für ein offensichtliches und gravierendes Fehlurteil liegen nicht vor. Dann ist es eigentlich nur mehr eine Frage der journalistischen Redlichkeit, nicht im Nachhinein zwischen den Zeilen die Schuld des Freigesprochenen zu suggerieren.

Es gibt auch so etwas wie eine "mediale Nachverurteilung", an der sich solche Beiträge weidlich beteiligen.

Das zeigt dann unfreiwillig, obwohl als Talkshow-Thema denkbar ungeeignet (von einer "Falschaussage" lässt sich angesichts der dürftigen Beweislage ja ebenso wenig sprechen), die Aktualität der Frage, wieviel ein Freispruch (parteiischen Feministinnen) eigentlich wert ist.

Kachelmann wurde IM ZWEIFEL freigesprochen. Er wurde NICHT verurteilt.

Das ist zur Kenntnis zu nehmen- macht ihn aber sicher noch lange nicht zum "Opfer" und rechtfertigt nicht sein präpotentes Gehabe.

Wenn er sich jetzt erdreistet einen medialen Krieg gegen die möglicherweise doch durch ihn vergewaltigte Frau anzuzetteln, dann muss er zur Kenntnis nehmen, dass er eben nur im Zweifel freigesprochen wurde und ihm das auch gesagt wird.

Im übrigen ist es "business as usual" dass ein Angeklagter verurteilt, freigesprochen oder im Zweifel freigesprochen wird. Daran ist nichts besonders, und somit ist auch sein Fall nicht besonderes.
Dass er berufsbedingt im Rampenlicht steht, ist nunmal so und nicht dem möglichen Opfer anzulasten.
Oder dürfen B-Promis nicht vor Gericht stehen?

Als Feministin muss man scheinbar immer auf der Seite der Frau stehen, auch wenn die Frau die Täterin ist und wegen ihr ein Mann unschuldig im Gefängnis saß. Kachelmann wurde freigesprochen. Dass hier "Falschbeschuldigung" unter Anführungszeichen gesetzt wird ist eine absolute Frechheit. Was würde wohl die Verfasserin dieses Artikels sagen, wenn sie eines abscheulichen Verbrechens angeklagt wird das sie nicht begangen hat, unschuldig im Gefängnis sitzt, den Job verliert und dann auch nach dem Freispruch noch öffentlich beschimpft wird.

da das gericht ja nicht die erwiesene unschuld von hrn. k festgestellt hat,

ist es natürlich gerechtfertigt und korrekt, "Falschbeschuldigung" unter anführungszeichen zu setzen

Na ja, wars wirklich bloss nicht beweisbar?

Ich hab da was (im Standard!) gelesen von selbstzugefügten Blutergüssen des Vergewaltigungs-'Opfers', von Widersprüchen in den Aussagen des vergewaltigungs-'Opfers'. Das sieht nicht nach fehlenden Beweisen, sondern nach erfundenen Beweisen aus.
Was wiederum ein anderes Delikt wäre.

Weswegen ich mir erlaube, Opfer ebenfalls unter Hochkomma zu setzen.

"Das Problem bei Jauchs Sendung war deutlich: es fehlte an Stimmen, die Kachelmanns haarsträubende Thesen vom "Opferabo der Frauen“ in Sachen Vergewaltigung mit ihrer eigenen Fachkenntnis entkräften konnten."

Dass das haarsträubende Thesen wären ist einfach nicht richtig und absurd. Fr.Kachelmann hat doch klar gesagt, dass es nicht darum ginge, generell der Frau einen Bonus zuzuschreiben.
Hier wird das Wort im Mund umgedreht. Hr. Baum hat das auch mit Polemik versucht.
Einzig der Eindruck des Verallgemeinerns, wie Hr. Hassemer richtig konstatierte, lässt sich nicht ausräumen; aber damit muss Kachelmann leben.
Die Gästeliste war ok.
Ein Experte für Sexual-Strafrecht würde was bezwecken? Dass die Aussagen im Buch widerlegt werden sollen? Die sind nicht so blöd und schreiben Märchen hinein.
Schlußendlich zielte es nur darauf ab, Kachelmann nachträglich eine reinzuwürgen. Das war der Tenor.
Hassemer ausgenommen.

"...über sein (Jörgs, Anm.) erfahrenes Leid als Opfer einer "Falschbeschuldigung“ zu berichten"

das klingt für mein Gefühl ein bisserl sehr zynisch, (wenn man bedenkt, dass er immerhin eingesessen ist); vor allem die "Falschbeschuldigung" unter Anführungszeichen.

"Frauen würde mit erfundenen Vergewaltigungsvorwürfen Männer drangsalieren, wenn die Erfolgsaussichten einer solchen Strategie so erbärmlich gering und die Unannehmlichkeiten für die Klägerinnen so hoch sind?"

Würd doch mal meinen daß mehrmonatiges Einsitzen im Knast plus Jobverlust,finanzieller Ruin plus Ruin öffentl. Ansehens d. bloßes Beschuldigt-Werden für den angeklagten Mann doch die Unannehmlichkeiten für die Klägerin weit in den Schatten stellen!
Selbst ein Freispruch kann diese Beschädigungen des Angeklagten nicht wieder gutmachen-
gesetzt den Fall eine Frau möchte einem Mann böswillig aus Eifersucht uäm. was "heimzahlen" lohnen sich die Unannehmlichkeiten für sie noch allemal...

Und nachdem immer was hängen bleibt

ist natürlich im Obsorgestreitfall dann jedes Gericht für die Frau.

Jauchs show

Man kann sich fragen, was da eigentlich diskutierbar war. Die ewigen, "ich hab ja ein Buch geschrieben" bessesenen Besserwisser sind zwar ein mediales aber entbehrliches Spektakel.
Der Kachelmann ist so was von mediengeil und daneben, samt Begleitung,dass man sich wundert was der jauch eigentlich mit seiner "Bild" Sendung vorhatte, -außer Quoten natürlich.

Wart nur.....

....Herr Kachelmann wird sich noch sehr in das Gefängnis zurücksehnen, wenn er tagtäglich mit dieser selbstverliebten, überheblichen Studentin Tisch und Bett teilen muss. Lediglich die differenzierten Beiträge von Gerhardt R. Baum und Professor Hassemer machten die Sendung sehenswert. Der ansonsten souveräne Günther Jauch war bei diesem Talk ein völliger Reinfall.

Jauch saß zwischen zwei Stühlen.
Einerseits musste der berufsbedingt die Fahne der Medien hochhalten, andererseits saß in der Runde genau jener Vertreter eines Machwerks, welches ihm gröbere Scherereien bescherte(Hochzeitsfotos, Jauchs Gehalt in Bild), also genau die Schiene, die auch gegen Kachelmann gefahren wurde.
Tiedje meinte tatsächlich, er könne aufgrund der Urteilsbegründung weiterhin davon ausgehen, dass Kachelmann schuldig sei. Er wisse es ja nicht.
Auch Kolumnen-Chef Wagner hat das explizit in seinen Schmierereien dargestellt.

Alles unnötig...
Man weiß es tatsächlich nicht.

Dieses "man wisse es nicht" transportiert doch unterschwellig eine Schuld.
Das hat Schwarzer, Bild usw. konsequent verfolgt.

Schwarzer hatte übrigens ein Buch über Kachelmann fertig, bevor das Urteil verkündet wurde.
Titel: Der Fall Kachelmann.
http://www.amazon.de/Der-Fall-... 834&sr=8-1

Niemanden interessiert Schwarzer oder sonst jemand.
Mir ist ja auch Kachelmann völlig egal.

Wer nicht dabei war weiß nicht was passiert ist.
Weißt du es? Eben.

Sie widersprechen sich.
Niemand weiß, was war, aber alle wissen, was sein könnte? Bleibt Kachelmann jetzt rechtlich in der Schwebe?
Ein Zwitter-Urteil? 50:50?

Wo widerspreche ich mir?
Juristisch ist die Sache doch schon entschieden.
Wo siehst du da ein Zwitter-Urteil?

Ob das Gericht die Wahrheit herausgefunden hat können wir nicht wissen.
Wie denn?

Ja sicher ist entschieden worden.
Trotzdem sagt man: niemand weiß was genaues.
Zitat Tiedje: Weil wir nicht wissen was passiert ist, können Sie ja auch schuldig sein.
Das hat Bild/Schwarzer schon vor dem Urteil so gesehen; aber das interessiert ja niemanden, wie Sie sagen.

Man muss akzeptieren, dass Kachelmann aufgrund des Freispruchs nicht schuldig ist.

Man muss gar nicht. Die Gedankenpolizei ist noch nicht erfunden. Bzw. hat es überhaupt keine Relevanz was wir uns denken. Aber sicher eine blöde Situation für alle Beteiligten ganz unabhängig von der Wahrheitsfindung.
Justiz und Meinungen müssen eben nicht korrelieren. Wie die Situation für Schwarzer juristisch aussieht steht wieder auf einem anderen Blatt.

Ich dachte, wir reden über die Rolle der Medien?
Sie widersprechen sich schon wieder.
Oben schreiben Sie, man wisse es ja nicht.
Diese Einstellung ist ganz klar Mediensprech (Tiedje, Schwarzer) gewesen und wurde zu deren Interessen systematisch genutzt(schuldig?)
Jetzt schreiben Sie:" das hätte keine Relevanz auf unser Denken."
Auf Ihr Denken offensichtlich schon, wie man sieht.
Die Medien, wie Hassemer schon sagte, beeinflussten die Urteilsfähigkeit des Gerichtes und der Beobachter, sprich der Leser best. Postillen.
Man muss den Freispruch akzeptieren, wenn man nicht parteiisch denken will, bzw. wie das "Gedankenministerium" Bild es vorgekaut hat.

Was wir uns denken hat keine Relevanz. Das bedeutet komplett etwas anderes.
Ich muss nicht glauben dass er unschuldig ist. Ich muss auch nicht glauben dass die Frauen gelogen haben weil das auch nicht bewiesen werden konnte.
Warum stört dich das so? Betrifft dich doch nicht.

Man muss die Diskussion nicht herunterspielen als "narzistische Traumwelt der Kachelmänner" um sich als Teil der Medienmaschine abputzen zu wollen.

Hr. Hassemer hat den entscheidenden Satz gesagt:
Die Rechte des Beschuldigten sind in Gefahr, wenn die Presse als Berichterstatter UND Gericht vorab agiert.
Das war der Fall; und wie man auch in diesem Artikel erkennen kann ist die Distanz in keiner Weise gegeben(wie Tiedje ja selbst -welch Chuzpe- Friedrichs zitierte!)
Jauch fragt: hat der Prozess nur Verlierer gebracht und zählt die möglichen Beteiligten auf.
Die Gewinner bleiben die Medien, obwohl diese erst den Schaden angerichtet haben und Jauch weiß das.
Kachelmann, als gleichwertige Instanz wie Tiedje (stv Bild)*, ist jetzt bemüht, die Schieflage, verursacht durch Tiedje*, geradezurücken. Warum soll Kachelmann das Recht nicht haben?

Aber möge jeder selbst seine Meinung bilden

über die Kachelmannns. Sofern erwünscht.

http://www.ardmediathek.de/das-erste... d=12105358

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