Afghanistan: Karzai ignoriert Gewalt gegen Frauen

22. Oktober 2012, 18:00

Politikerinnen werfen der Regierung in Kabul vor, den Fall Yousafzai zu instrumentalisieren - Derweil nehmen die Gewalttaten an Frauen und Mädchen landesweit zu

Kabul - Derzeit ist die internationale Aufmerksamkeit auf Malala Yousafzai gerichtet. Die 14-jährige Friedensaktivistin aus Pakistan wurde wegen ihres Engagements, Mädchen einen freien Bildungszugang zu ermöglichen, von Taliban-Kämpfern niedergeschossen und schwer verletzt. Yousafzai wurde zur weiteren Behandlung nach Großbritannien verlegt, wo sie sich in einer Klinik in Birmingham langsam erholt.

Frauenrechte - (k)ein Thema für Karzai

Dem Anschlag folgten weltweite Unterstützungserklärungen für Yousafzai, die pakistanische Regierung setzte ein Kopfgeld auf den Sprecher der heimischen Taliban aus. Mittlerweile gilt die junge Aktivistin aufgrund ihrer Kritik an den radikalen Islamisten als Symbol des Widerstands. Feministinnen in Afghanistan jedoch werten das Interesse kritisch: Indem die Attacke auf Yousafzai in den Vordergrund rückt, würde die Notsituation von Frauen und Mädchen in Afghanistan aus dem Blick geraten.

"Jeden Tag wird ein afghanisches Mädchen misshandelt, vergewaltigt, ihr Gesicht mit Säure verätzt und verstümmelt. Doch niemand erinnert sich an diese Mädchen oder schenkt ihnen Aufmerksamkeit", sagte die Parlamentsabgeordnete Elay Ershad gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters. Sie und andere Frauenrechtlerinnen kritisieren die Regierung, sich generell zu wenig für die Rechte von Frauen einzusetzen und aus dem Fall Yousafzai politisches Kapital zu schlagen.

Kalkuliertes Interesse

Präsident Hamid Karzai hatte den Anschlag auf Malala Yousafzai wiederholt verurteilt und an ihrem Beispiel das Thema Frauenrechte aufgegriffen: "Für die Menschen in Afghanistan ist das nicht nur ein Anschlag auf Yousafzai, sondern auf alle afghanischen Mädchen."

Zuletzt bezog Karzai erst unter dem Druck der internationalen Öffentlichkeit Stellung, als eine junge Frau wegen angeblichen Ehebruchs in einem Dorf nördlich von Kabul öffentlich hingerichtet wurde. "Der Präsident kümmert sich nicht um die Allgemeinheit der afghanischen Frauen, warum jetzt das Interesse für Malala?", fragte Elay Ershad. "Sobald die Fernsehkameras ausgeschaltet sind, steht niemand für Gerechtigkeit ein."

Steigende Gewalt gegen Frauen

Seit der Entmachtung der Taliban 2001 hat die weibliche Bevölkerung in Afghanistan wieder Zugang zu Bildung und Wahlen. Dennoch gilt das Land noch immer als eines der unsichersten für Frauen und Mädchen. Während Karzais Regierung Friedensgespräche mit den Taliban-Kämpfern sucht, befürchten BeobachterInnen, dass Frauenrechte ungeschützt bleiben oder aber sogar "wegverhandelt" werden könnten. 

Tatsächlich werden gewalttätige Verbrechen - inbesondere an Frauen - kaum geahndet. "Wir verstehen Malalas Situation besser als sonst jemand in der Welt. Unsere Regierung verteidigt jedoch Frauenrechte bloß mit Worten und setzt kaum Handlungen", sagte Suraya Parlika, Mitglied des Oberhauses im afghanischen Parlament. "Wie kann die afghanische Regierung den Angriff auf ein pakistanisches Mädchen verurteilen, aber ein anderes Ereignis vollkommen ignorieren?" Parlika bezog sich dabei auf einen Doppelmord, den mutmaßliche Taliban-Mitglieder nur wenige Tage vor dem Attentat auf Yousafzai in der Provinz Ghazni verübten: Sie erschossen den Sohn und die Tochter eines Polizisten unmittelbar vor seinen Augen. Untersuchungen durch die Behörden sind ausgeblieben.

Laut der afghanischen Menschenrechtskommission nimmt die Gewalt gegen Frauen landesweit zu. Zuletzt wurde der Mord an Mah Gul bekannt, die wegen ihrer Weigerung, sich zu prostituieren, enthauptet wurde. "Leute werden zur Rechenschaft gezogen, wenn sie die Kuh eines Anderen schlachten. Wir mussten den Mord erst in der Moschee verlautbaren, bevor etwas unternommen wurde", erzählte Guls Bruder Mohammad Nasir Akbari. Im Fall von Mah Gul wurden bislang vier Personen festgenommen, darunter ihr Ehemann und dessen Eltern. (Reuters/red, dieStandard.at, 22.10.2012)

Das ist leider

kein rein afghanischer Problem.

http://www.welt.de/politik/a... Platz.html

ich bin mir sicher, dass das nichts mi einer lebensphilosophie in der gesellschaft zu tun hat, auch nicht mit kultur, und religion prägt mit sicherheit nicht das kulturelle leben in einer gesellschaft. so etwas wie fremdenhass steht sicherlich auch nicht in zusammenhang mit religiösen lehren!

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