"Familialisierung der Pflege" ein Ende bereiten

25. Oktober 2012, 17:10

Kind und Haushalt waren gestern - Pflegearbeit ist die neue Dimension der Frauenarbeit - Lösungen nicht in Sicht: Forba warnt vor dieser Entwicklung

Das Dauer-Piepsen der Supermarktkasse hat Kassierin Brigitte K. noch in ihren Ohren, wenn sie ihren Sohn vom Kindergarten abholt - Nachmittagsbetreuung gibt es keine, zumindest keine, die sie sich trotz Erwerbsarbeit leisten könnte. Und damit nicht genug: Neben dem Kochen, Wäschewaschen, Putzen und Bügeln wartet auch ihre zu pflegende Mutter zuhause auf sie.

Die Supermarktkassierin stellt allerdings keinen Einzelfall dar. In Österreich werden 80 Prozent der Betreuung und Pflege behinderter oder älterer Personen im informellen, familiären Bereich geleistet, so Forscherinnen des Instituts Forba. Wiederum 80 Prozent davon werden von Frauen ausgeübt. Nicht wesentlich anders gestaltet sich die Situation in den Einrichtungen, die mobile und/oder stationäre Pflege anbieten: Auch hier sind über 90 Prozent der MitarbeiterInnen Frauen.

Auch die bevorstehende Gesundheitsreform wird die Frauen vermehrt in die Pflege von Angehörigen drängen. Elf Milliarden Euro sollen Bund und Länder bis 2020 bei MedizinerInnen und Spitälern einsparen. "Der öffentliche Versorgungsbereich wird ausgehungert", kritisiert etwa die Ärztekammer im Ö1-Abendjournal am Mittwoch. Damit einher geht auch, dass PatientInnen aus den Krankenhäusern früher entlassen werden sollen. Da das aber nichts mit schnelleren Heilungsprozessen zu tun hat, wird die Versorgung der Entlassenen in den Privatbereich ausgelagert.

"Aushungern öffentlicher Versorgungsbereiche"

Diese Problematik wurde lange Zeit als Vereinbarkeitsfrage von Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung behandelt, der "neue und an Bedeutung gewinnende Aspekt ist der der familiären Pflege", so Ingrid Mairhuber, Arbeitsforscherin bei Forba, per Aussendung. Neben dem "Aushungern öffentlicher Versorgungsbereiche" seien es komplexe gesellschaftliche Entwicklungen, die die Versorgungsarbeit insbesondere von Frauen in den Mittelpunkt rücken lassen: Die höhere Erwerbsbeteiligung von Frauen und die Erosion des männlichen Familienerhalter-Modells, der demografische Wandel und der Anstieg des Pflegebedarfs, aber auch die zunehmende Entgrenzung und Flexibilisierung von Arbeit.

"Informelle, familiäre Pflege führt, selbst bei hoher Pflegeintensität - etwa in nordeuropäischen Ländern - nicht unbedingt zur Aufgabe der Erwerbsarbeit, während in den süd- und mitteleuropäischen Ländern (einschließlich Österreich) die Übernahme der Pflegearbeit mit einem deutlichen Rückgang der Erwerbstätigkeit einhergeht", so Mairhuber. Zurückzuführen sei dies auf eine höhere Arbeitsmarktbindung in den nordeuropäischen Ländern und auf unterschiedliche Vereinbarkeitspolitiken.

Weg von der "Familialisierung der Pflege"

Österreich müsse, Mairhuber zufolge, weg von der "Familialisierung der Langzeitpflege". Sie plädiert für einen Ausbau der Sach- und Dienstleistungen gegenüber individuellen finanziellen Transfers in der Pflegepolitik bei gleichzeitiger Aufwertung der Betreuungs- und Pflegearbeit. Immerhin beziehen derzeit rund 420.000 Personen Pflegegeld, 350.000 von ihnen werden zuhause überwiegend von Angehörigen gepflegt. Die Arbeitsmarktforscherin empfiehlt zudem Überlegungen zu Pflegekarenz und betriebliche Maßnahmen anzustellen.

Dass der Pflegebedarf - abgesehen von den zu erwartenden Folgen der Gesundheitsreform - steigen wird, zeigen auch die Zahlen der Statistik Austria: 2030 wird jedeR Neunte in Österreich über 75 Jahre alt sein. Die Debatte wie mit dem demografischen Wandel und dem damit verbundenen Pflegenotstand umzugehen sei, wird in Österreich seit Jahren nicht sehr fruchtbar diskutiert. Es herrsche inzwischen zwar ein Bewusstsein für die Problematik, Lösungen sind jedoch nicht in Sicht, so Mairhuber. Ob Brigitte K. von möglichen strukturellen Verbesserungen in ihrer täglichen Vereinbarkeitsfrage profitieren wird, darf also bezweifelt werden. (eks, dieStandard.at, 25.10.2012)

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Aha. Es ist also verwerflich, wenn ein Familienmitglied die Pflege übernimmt.

Problematik nicht verstanden?

ich hab nicht kapiert, worauf die Autorin hinauswill!

Schon das Beispiel (pflegebedürftige Mutter und Kindergartenkind gleichzeitig) ist alles andere als typisch.

Doppelnick?

;-))

Schon lange nicht mehr (der war "al pinski"), und auch nie im gleichen Thread verwendet.

Fragen haben Sie ja,
aber haben Sie auch eine Antwort?

Haben Sie denn eine Frage gestellt?

nicht im Sinne der Grammatik, aber sinngemäß doch: worauf will der Autor / die Autorin hinaus?

Nachdem Sie behaupten die aufgezeigte Problematik verstanden zu haben, müssten Sie diese Frage beanworten können.

Und auch auf die Wahrscheinlichkeit, daß..

ich mir jetzt wieder viele rote Stricherln hole.

Die Lösung KANN nur sein, daß wir hier - nach der Abstimmmung über die Wehrpflicht - diesen Themenbereich neu ordnen.

Ein Modell wäre:

Würde ein Berufsheer kommen, hätten wir dann viele junge Menschen (männlich UND weiblich), welche dann auch beschäftigt werden müssen.

Hier könnte man dann den jungen Menschen vermehrt das Arbeiten in diesem Bereich ÜBER das AMS schmackhaft machen.

Was spräche dagegen, würde man diese Menschen hier einmal gefühlvoll in diesen Themenbereich einführen und wäre ehrliches Interesse am Arbeiten MIT und AN den Menschen vorhanden, hier eine Berufsausbildung zu machen?

Über einen Zwangsdienst bekommen Sie auch jene, die für Pflege denkbar ungeeignet oder überfordert sind.

Pflegedienst darf nicht über eine Zwangsverpflichtung unterstützt werden. Das wäre beiden Gruppen gegenüber nicht fair. Der professionelle Pfleger erlebt dadurch keine Aufwertung seiner Tätigkeit und der Zwangsverpflichtete ist eine unterbezahlte Hilfskraft, bei der niemand auf Eignung achtet.

Es wäre allerdings sinnvoll, die Zivildienerdebatte

von der Wehrmachtdebatte zu trennen. Ich wäre daher aber auch der Meinung, dass der Zivildienst so wie er jetzt ist, nicht mehr bestehen sollte. Selbst wenn der Zivildienst 1 Jahr dauert - eine hohe ArbeiterInnenfluktation ist im Pflegebereich nicht wirklich optimal. Stattdessen müssen diese Arbeiten endlich
- entsprechend gut bezahlt werden
- die Arbeitsbedingungen müssen sich drastisch bessern

Der demographische Wandel wird in ~20 Jahren vermutlich "einschlagen", Investitionen wären aber schon weit früher fällig. Da bei uns jede Regierung aber nur bis zur nächsten Wahl denkt...

Ich würde die Debatte lieber zusammenführen, und nicht trennen.

Der Staatsdienst dauert 1800 Stunden. Er kann verlängert werden und hier eine weiterführende, vertiefende Ausbildung beinhalten. Er kann bei Hilfsorganisationen oder beim Bundesheer, oder sonstwo abgeleistet werden. Im Regelfall ist die Bezahlung über der Armutsgrenze, aber nicht unbedingt der Mindestlohn für vergleichbare Arbeit, aber auf jeden Fall besser bezahlt als jetzt. Also in einer Welt mit 900 Euro Armutsgrenze und 1200 Euro Mindestlohn, wäre der Lohn etwa 1050 Euro netto. (oder so) Der Staatsdienst muss von Männern und Frauen abgeleistet werden. Nach der Schulzeit wäre optimal, aber man kann hier auch andere Termine vereinbaren. Der Zwang ergibt sich aus der Notwendigkeit gewisser Dienstleistungen in der Gesellschaft.

Der Untergang unserer Gesellschaft Teil 2

In ein paar Jahrzehnten haben wir zuviele Rentner für die es zuwenig Personal gibt um sie alle zu versorgen. Da werden viele Rentner auf die hilfe ihrer Kinder, Enkelkinder und andere Verwandte angewiesen sein. Nämlich die Leute die zumeist in unser Land kommen haben nicht die nötige Qualifikation um unsere Rentner zu versorgen geschweige die Renten zu sichern. Die anderen europäischen Länder werden genau das selbe problem haben. Auf Pflegekräfte von dort brauchen wir auch nicht zu hoffen.

Aber die Emanzen haben nichts besseres zu tun als alle Frauen in die Arbeitswelt zu zwingen. Der Staat macht sogar dabei mit indem er den Frauen die Chance auf ein Leben als Mutter und Hausfrau nimmt in denen er den Familien immer mehr Kosten aufzwingt.

Ich habe als Frau die Wahl....

... und wer immer dafür verantwortlich ist, dass ich sie habe, dem bin ich dankbar.
Noch nie gab es soviel Familien- und Pflegeunterstützung als heute ... von wegen: Frauen wären gezwungen zu arbeiten. Jede Frau, die Hausfrau, Mutter und Pflegerin von Alten sein will, darf das. Denn zusätzlich zum Geld des "Ernährers" kommt jenes des Staates. Dazu Pflegekarenz etc. Es steht jedem frei ... auch jedem Mann (!!!). Ja, auch Ihnen, wenn sie dieses Leben so toll finden.

Frauenwelt Männerwelt

Es ist ein Dilemma.
Die von den Frauen geleistete Arbeit hat eine Qualität, welche von den Männnern niemals in dieser Art erbracht werden kann.
Es muss uns klar sein, dass ein von Männern organiserter Haushalt oder Pflege anders aus sieht.
Wenn wir dies akzeptieren ,dann sind wir auf dem richtigen Weg.
Aus Männern die besseren Frauen und umgekehrt zu machen ist unmöglich. In einer solchen Welt müssten Frauen sich auch der spezifischen Haushaltsführung eines Mannes unterwerfen.
Dies meine ich jetzt nicht polemisch.

Ich finde das sowas von verlogen....

Ihre perfekte Welt besteht aus Konstrukten, hat aber mit der Wirklichkeit nichts zu tun.
Frauen wurden nie gefragt, wie es Ihnen mit dem Haushalt, den Kindern, der Pflege von Alten und der Abhängigkeit vom Mann geht. Fragen Sie mal ältere Frauen, die das - als ganz selbstverständlich wahrgenommen - erlebt haben. Es ist kein Zufall, dass viele, viele Frauen lieber einer Erwerbstätigkeit nachgehen .... so wie Männer ja auch.
Die "spezifische Haushaltsfürhung" von Frauen war nie natürlich gegeben, sondern genormt. Was man da mit Frauen gemacht hat/macht, kann man auch mit Männern machen.

Wo konkret ist denn der Unterschied, ob den Haushalt ein Mann oder eine Frau "führt"?

hmmm.... zugeschaut?

Es mag Unterschiede geben, dass ist, da die Sozialisation bei Männern und Frauen

in unserer Gesellschaft auch Unterschiede aufweist, nachvollziehbar.

Wir haben bei uns aber auch Mitarbeiter, die sehr gut mit Klientinnen umgehen können. Das Problem in der Altenbetreuung aber z.B. liegt aber auch an der zu betreuenden Generation, die sich grundsätzlich nicht von männlichen Pflegern betreuen lassen will (- gibt natürlich auch viele Aussnahmen, keine Frage).

“Die von den Frauen geleistete Arbeit hat eine Qualität, welche von den Männnern niemals in dieser Art erbracht werden kann.“

Vor kurzem gabs einen artikel über gewalt in der häuslichen pflege. Vor diesem hintergrund frag ich mich, ob es nicht vielleicht doch besser wäre, wenn pflege mehr von männern geleistet wird.

weil Männer ja gleich Feuer und Flamme für diese Aufgabe sind,

siehe auch:
http://derstandard.at/1220460013622

Gewalt habe ich in der Pflege deutlich häufiger und intensiver von Männern erlebt, sowohl von Pflegern, als auch von Angehörigen.
(Wobei der Männeranteil bei den Top-Pflegekräften ebenfalls überproportional war)

Fremdhilfe ist sowieso zum Vergessen

Da kommt im schlechtesten Fall eine Polin, aber auch eine Österreicherin ist nicht besser.
Setzt sich hin und schreibt eine halbe Stunde auf, was sie alles nicht gemacht hat. Dann trinkt sie noch einen Kaffee und plaudert noch ein paar Minuten und ist wieder weg.

So schaut im Normalfall die Fremdhilfe aus.

kommt immer sehr auf den konkreten Fall an,

aber ich habe ganz ausgezeichnete polnische Kolleginnen (die zumeist Danuta heißen), und im Normalfall ist Pflege ein recht anstrengender Job, bei dem Schreiben und Plaudern nur eine untergeordnete Rolle spielen (Kaffee trinke ich nur bei einem Klienten, wo ich massiv dazu aufgefordert werde).

Wobei Inkontinenzversorgung und Intimpflege wesentlich einfacher und weniger anstrengend ist als ein Gespräch, bei dem man wirklich zuhört.

Sachleistung = Entmündigung

Sachleistungen sind Planwirtschaft und die ist zu Recht untergegangen. Sie nehmen den Betroffenen die Selbstbestimmung und Menschenwürde. Erhöht das Pflegegeld auf ein Niveau, das den Zukauf außerfamiliärer Pflege erlaubt. SO entlastet man die Familien, nicht durch mehr Bürokratie und Beamtenwillkür.

Stimmt, aber das Geld nützt auch nichts, wenn ich mir darum nichts kaufen kann.

Wenn die Kaufkraft da ist, entsteht ein Markt und es kommen Anbieter. Bei Planwirtschaft haben wir Günstlingswirtschaft, Ineffizienz, hohe Preise, schlechtes Service. Am Markt siebt der Wettbewerb aus.

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