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Clara Luzia ist eine der vier Musikerinnen, die von Miriam Unger porträtiert wurden.

Regisseurin Miriam Unger ging für ihre Doku dem Phänomen der um die Jahrtausendwende vermehrt auftretenden selbstbestimmten Musikerinnen in Wien nach.
Clara Luzia ist verärgert. "Jedes Mal, wenn gefragt wird, wer bei uns Schlagzeug spielt, schauen's den Max an", erzählt die Wiener Singer-Songwriterin. Dabei sitzt Max Hauer, der 2010 als neuestes Mitglied zur Band Clara Luzia dazugestoßen ist, vornehmlich am Klavier. Und noch immer sorgt die Tatsache, dass mit Ines Perschy eine Frau die Drums für das erfolgreiche Folk-Pop-Quintett schlägt, für erstaunte Ausrufe und überschwängliches Lob - und wird vor allem von Männern wohlwollend abgenickt.
Freilich: Künstlerinnen, die ihre eigene Musik komponieren, produzieren und vortragen, sind alles andere als neu - und doch gelten sie nach wie vor als "Ausnahme und das 'Extra', das benannt werden muss", wie die (mittlerweile leider verstorbene) feministische Popjournalistin Tine Plesch treffend beschrieb: "Die eigentlich überflüssigen und ärgerlichen Markierungen von Musikerinnen mit Slogans wie 'Frauen in der Rockmusik' mögen dann sogar notwendig sein, um zu demonstrieren, dass es diese Frauen gibt. Unvermeidlich erscheinen solche Festschreibungen ohnehin."
Clara Luzia ist eine der vier Protagonistinnen der Dokumentation "Oh Yeah, She Performs!", dem neusten Film von Mirjam Unger, der in Kürze in den österreichischen Kinos startet und auch zur diesjährigen Viennale eingeladen wurde. Neben Clara Luzia kommen in der rund 100-minütigen Kino-Doku weitere lokale Musik-Heroinen zu Wort: Pop-Chanson-Musikerin Gustav, Vera Kropf von der Indie-Pop-Band "Luise Pop" und Teresa Rotschopf, die seit der Auflösung der Elektronik-Formation "Bunny Lake" unter dem Namen "O" solo unterwegs ist. "Um die Jahrtausendwende erschienen nach und nach hierzulande vermehrt junge Frauen auf der musikalischen Bildfläche, die mit Self-Empowerment in Eigenregie Texte, Songs, Komposition und Produktion übernahmen und live auftraten", sagt Mirjam Unger zu ihrer Motivation, einen "Musikerinnenfilm" zu drehen. "Ich fand dennoch, sie seien immer noch viel zu unbekannt und begann mit Co-Autorin Veronika Weidinger, die weibliche Musikszene zu erforschen."
Zwei Jahre lang traf sich die Regisseurin mit den einzelnen Künstlerinnen in unregelmäßigen Abständen zu den Dreharbeiten. Dabei nähert sich Unger den Musikerinnen auf jene Weise an, über die sie auch selbst definiert werden möchten - nämlich über ihre Arbeit: on Tour, auf und hinter der Bühne, im Heimstudio und Probekeller. Privates (sowohl Gustav als auch Teresa Rotschopf waren während der Dreharbeiten schwanger und bekamen ihr erstes Kind) wird nur beiläufig thematisiert. Dennoch kommt Unger den porträtieren Musikerinnen, die jeweils ganz unterschiedliche Weiblichkeiten auf der Bühne performen - von "alternativ" bis glamourös -, so nah wie denkbar möglich.
In seinen stimmungsvollen, farbensatten Bildern funktioniert "Oh Yeah, She Performs!" hervorragend als Konzertfilm, zugleich lassen das runtergeschraubte Tempo und die zahlreichen Close-Ups viel Intimität zu. Zum alten Dilemma, mit der Geschlechterfrage die gesellschaftlichen Bedingungen für Musikerinnen zu thematisieren und zugleich das Individuelle in den unterschiedlichen künstlerischen Zugänge darzustellen, erklärt die Regisseurin in einem Interview: "Ich verfolge grundsätzlich einen aufklärerischen Ansatz, denn es gibt viele Leute, die die Musikerinnen gar nicht kennen. Es ist wichtig, dass diese Frauen auch gesehen und nicht nur gehört werden können."
Die feministisch inspirierte Aufklärung betreibt Unger in ihrer Dokumentation allerdings auf ausgesprochen sanfte Weise: "Mir war wichtig, niemanden zu verjagen", wie die Filmemacherin und ehemalige FM4-Moderatorin sagt. Obgleich die gefeatureten Musikerinnen für ihre feministische Überzeugung bekannt sind, werden strukturelle Benachteiligungen und Schieflagen in der Wahrnehmung für Musik schaffende Frauen als Thema nur gestreift. Es ist vor allem Eva Jantschitsch alias Gustav, die die Arbeit von Musikerinnen explizit zum Politikum erhebt und dafür - nicht nur im Film - eine dezidiert feministische Sprache wählt: "Du bist in einem Raum, der männlich besetzt worden ist, und wo auch alle Regeln von Männer definiert worden sind. Diesen Raum musst du dir sukzessive erobern."
Dass es möglicherweise doch über ein bloßes Sichtbarmachen hinausgeht, legt ein Blick auf die Credits nahe: Mit Mobilefilm als Produktionsfirma, die von Nina Kusturica und Eva Testor geleitet wird, und einem weiblichen Team bei Buch, Kamera und Schnitt hat die emanzipatorische Haltung auch in der Filmherstellung ihren Niederschlag gefunden. (Vina Yun, dieStandard.at, 30.10.2012)
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