Obama: Präsident per Frauenhand

7. November 2012, 11:40

Restriktive Pläne von Romney wirkten auf Frauen abschreckend - Obama punktet durch Sozial- und Gesellschaftspolitik - Historisches im Senat

Washington - Der Demokrat Barack Obama wird auch die nächsten vier Jahre im Weißen Haus leben. Der Amtsinhaber gewann Schlüsselstaaten wie Ohio, Wisconsin, Iowa, Michigan, Nevada und Pennsylvania, die ihm die notwendige Mehrheit der insgesamt 538 sogenannter Wahlmänner (darunter sind auch Frauen) bringen. Der US-Präsident verdankt seine Wiederwahl nicht zuletzt den amerikanischen Wählerinnen.

Nach einer Reuters/Ipsos-Umfrage vom Wahltag entschieden sich 55 Prozent der Wählerinnen für den Amtsinhaber, für seinen Herausforderer Mitt Romney entschieden sich dagegen nur 43 Prozent. Damit konnte Obama im Vergleich zur PräsidentInnenwahl 2008 seinen Vorsprung fast halten. Damals lag er bei den Stimmen der Frauen 13 Prozentpunkte vor seinem damaligen Kontrahenten John McCain, jetzt liegt er zwölf Punkte vor Romney.

Abschreckend: Restriktive Pläne Romneys

Ein Schlüssel für den Erfolg bei den Wählerinnen waren Obamas Vorstellungen in der Sozial- und Gesellschaftspolitik. Die restriktiven Pläne Romneys etwa zur Abtreibung oder zur Ehe für Lesben und Schwule schreckten viele Frauen ab, wie die Umfrage ergab. Offenbar hat es sich auch gelohnt, dass Obama gleiche Bezahlung am Arbeitsplatz und die Gesundheitsversorgung zu Schwerpunkten seines Wahlkampfes gemacht hatte.

Historisches

War vor vier Jahren die Wahl Obamas noch als historisch zu bezeichnen - immerhin ist er der erste nicht weiße Präsident der USA - so ist nach dieser Wahl der Einzug der ersten bekennenden Lesbe in den US-Senat historisch. Die Demokratin Tammy Baldwin, die bereits seit mehr als zehn Jahren dem Repräsentantenhaus in Washington angehört, eroberte bei den Kongresswahlen in der Nacht auf Mittwoch im Bundesstaat Wisconsin einen Senatssitz.

Baldwin stand auch als Abgeordnete im Repräsentantenhaus offen zu ihrer lesbischen Identität. Zum Thema machte sie dies jedoch nicht: Stattdessen setzte sie auf Gesundheitsschutz für die Bevölkerung und den Frieden im Nahen Osten. (APA, red, 7.11.2012)

Weiterlesen: Umfangreiche Berichterstattung zur US-PräsidentInnenwahl 2012 auf derStandard.at/International

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12 Postings

ich bin zunächst mal doch recht froh, dass das geringere übel obama und nicht romney die wahl gewonnen hat (auch wenn die repräsentative demokratie mit herrscher- und oligarchenspitzen ja durchwegs problematisch ist), aber romney wäre sicher problematischer als obama.

symbolisch fand ich es auch wichtig, dass diese weiße männer schiene durchbrochen wurde...

bezeichnend war aber auch, dass die wahl zwischen clinton (hillary) und obama vor 4 jahren so ausfiel, wie sie ausfiel, sprich: erster ausreisser aus der weißen männerreihe: mann, nicht frau (trotz bekanntheitsgrad über mann clinton).

nicht dass mir eine/r von den zweien besser zugesagt hätte (die republikaner sind ohnehin unwählbar), aber hier kam dennoch mann vor frau, kein zufall.

trotz bekanntheitsgrad über mann clinton

Ein hoher Bekanntheitsgrad alleine gewinnt einem eben (glücklicherweise) keine Wahl.

doch, gerade über den bekanntheitsgrad werden wahlen gewonnen. warum, glauben sie, gibt es parteienförderung? oder warum, glauben sie, regen sich in den US die leute vor wahlen regelmäßig auf, dass es keine gibt. in den USA müssen sie horrende summen sammeln, um überhaupt kandidieren zu können, um also die werbetrommel zu finanzieren, ohne diesen bekanntheitsgrad, der hier erzeugt werden will, brauchen's erst gar nicht anfangen...

Deswegen schrieb ich: Durch einen hohen Bekanntheitsgrad _alleine_.
Sicher mag dieser ein sehr, sehr (!) wichtiger Faktor sein, aber gerade am Beispiel Clinton sah man ja, dass er noch lange keine Garantie dafür darstellt, gewählt zu werden.

Ich halte es für recht paranoid zu behaupten, dass sie aufgrund ihres Geschlechts nicht gewählt wurde...die "Hürde", erster schwarzer Präsident(schaftskandidat) zu werden dürfte um einiges höher/schwerer zu nehmen gewesen sein.

geschlecht war sicher nicht die einzige hürde, im wahlkampf war aber ersichtlich, wenn sie vor allem diesen jetzt und den vorwahlkampf um die nominierung der demokraten vergleichen, dass es viel um die staatsmännischkeit ging, die gegenderd wurde (ähnlich wie schröder-merkel damals). clinton zb als zu hart, dann war sie wieder zu weich. diese genderung hatten sie im jetzigen wahlkampf quasi als rassifizierung, obama wurde ja das fehlen des harten mannes seitens der rep unterstellt, also fehlende drohpolitik.
"aufgrund ihres geschlechts" würde zu kurz greifen, eine unerhebliche rolle spielte aber geschlecht im wahlkampf (unterschwellig um geschlecht organisiert) sicher nicht, dazu war auch dessen diskreditierender einsatz zu offensichtlich.

Dir wäre also eine schwarze Frau, die miese Politik macht, lieber als ein weißer Mann, der gute Politik macht? Einfach nur, weil sie eine Frau ist?

das stand wohl nirgendwo...

ob ein schlechter weißer mann (bush) oder
eine schlechte schwarze frau (noch lange nicht)
wäre wohl tatsächlich wurscht gewesen, dann wäre wohl eher ins spiel getreten: je reicher, desto a-sozialer, das wär dann wohl eher wieder bush gewesen, also wäre in dem fall wohl der weiße bush-mann in den meisten fällen die schlechtere perspektive gewesen...

Die Hand weißer Frauen war es nicht, die haben nämlich auch überwiegend Romney gewählt.

Lüge oder schlecht informiert?
Zutrauen kann man euch leicht beides.

ein glücklicher mann, der obama! aufgerichtet von frauenhand!

Lüge oder schlecht informiert?

Eine dahingehende Überschrift/Aussage wäre wohl (mal wieder) schlicht nicht reißerisch genug gewesen.

Das mag schon sein.

Trotzdem ist es erschreckend, dass bei weissen Frauen Romney nach allen Exit-Polls nachwievor eine satte Mehrheit hat.
Und ein Rückgang des Vorsprungs lässt auch nicht gerade hoffen.

ja, das finde ich auch schockierend, aber nicht überraschend, gängiges muster: mit dem mann oder gewohnten abbildern zu gehen, anstatt zu hinterfragen und tatsächlich gesellschaftspolitisch veränderungen anzustossen.

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