Spätes Symbol: Bankenaufsicht soll weiblich sein

  • Kleine Welt, großer Ort: Die Bankenmetropole Frankfurt im Main. Möglich, dass hier die neue europäische Bankenaufsicht einquartiert wird. Sollte dies der Fall sein, hätte das auch Auswirkungen auf die Personalpolitik. Eine französische Chefin würde für das nötige "diplomatische Gleichgewicht" sorgen.
    foto: apa/boris roessler

    Kleine Welt, großer Ort: Die Bankenmetropole Frankfurt im Main. Möglich, dass hier die neue europäische Bankenaufsicht einquartiert wird. Sollte dies der Fall sein, hätte das auch Auswirkungen auf die Personalpolitik. Eine französische Chefin würde für das nötige "diplomatische Gleichgewicht" sorgen.

Ausschließlich männliche Besetzung im EZB-Direktorium setzt Mitgliedsländer unter Druck - Deutschland und Frankreich suchen nach einer "eleganten" Lösung

Nach dem Streit über die Besetzung des EZB-Direktoriums soll nun offenbar eine Frau die Spitze der europäischen Bankenaufsicht übernehmen. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet in ihrer Mittwochausgabe, dass vor allem Deutschland und Frankreich nun dringend darauf pochen, den ChefInnenposten weiblich zu besetzen. Ein spätes Symbol, in Anbetracht des Konflikts rund um die EZB, die ausschließlich mit Männern besetzt ist.

Die beiden mächtigen EU-Länder wollen sich diese Personalfrage offenbar unter sich ausmachen und haben schon einmal Kandidatinnen genannt: Elke König führt die deutsche Aufsichtsbehörde BaFin, und Daniele Nouy steht der französischen Bankenaufsicht ACP als Generalsekretärin vor. Weil die europäische Bankenaufsicht in der Europäischen Zentralbank eingegliedert werden soll, würde - sollten sich Deutschland und Frankreich durchsetzen - auch eine Frau in die ChefInnen-Etage der Notenbank aufrücken. Somit wäre die seit Wochen andauernde Kritik an der männlichen Besetzung der EZB dadurch umschifft.

Laut dem Bericht der Süddeutschen Zeitung sehen EU-DiplomatInnen die Französin in leichtem Vorteil. Wenn die neue Aufsicht in Frankfurt angesiedelt werde, sorge eine französische Chefin für das nötige "diplomatische Gleichgewicht".

Unter Druck

"Die Mitgliedsstaaten wissen, dass sie sich dem Druck, europäische Spitzenjobs an Frauen zu vergeben, nicht länger widersetzen können", zitierte die Zeitung einen Unterhändler. Das EU-Parlament pocht darauf, dass eine Frau in der EZB-Spitze vertreten ist. Die Abgeordneten verzögerten daher den Einzug des Luxemburgers Yves Mersch in das EZB-Direktorium. Kürzlich durch ein Veto der Spanier.

Vehemente Kritik des Männerbundes in der EZB kommt auch von der grünen EU-Abgeordneten Ulrike Lunacek. Über das Veto der Spanier erfreut fordert sie weiterhin eine Frau an der Spitze des einflussreichen Instituts EZB. Evelyne Regner (SPÖ) forderte schon Ende Oktober eine "weitere Runde" mit weiblicher Beteiligung. Der ÖVP-Delegationsleiter Othmar Karas hingegen meinte, im EZB-Direktorium solle "natürlich eine Frau vertreten sein, doch sollte man die Fragen nicht miteinander vermischen".

EZB-Vertreter "loben"

Der Zeitung zufolge setzten die Regierungen in Berlin und Paris bereits durch, dass der sogenannte Chefaufseher aus einem Kontrollrat gewählt wird, dem neben EZB-Mitgliedern auch nationale Aufseher angehören. Damit sei der Weg für eine Frau frei, wird Binnenmarktkommissar Michel Barnier zitiert.

Als eine Favoritin für den ChefInnenposten des neuen Gremiums galt bislang auch Bundesbank-Vizepräsidentin Sabine Lautenschläger. Immerhin: Mehrere führende EZB-Vertreter hatten sie "gelobt". Schon im Voraus stellte wiederum Kommissionssprecher Oliver Bailly klar, dass er diese Debatte nicht als Signal für eine EU-weite Frauenquote verstanden wissen will. Justizkommissarin Viviane Reding hingegen will noch im November einen neuen Vorschlag für eine verpflichtende Frauenquote präsentieren. (Reuters, APA, eks, dieStandard.at, 7.11.2012)

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