"Ralph war krank - Ralph war heterosexuell"

"Nicht hetero" zeigt eine verdrehte Welt und macht dadurch Absurditäten von Ausgrenzung und Diskriminierung greifbar

Er hatte eine Krankheit, eine, die man nicht sehen konnte, erklärt die Stimme aus dem Off. Diese Krankheit sei nicht weniger bedrohlich als Polio oder Pocken, heißt es weiter. Schließlich: "Ralph war ein Heterosexueller. Jemand, der intimen Verkehr mit einer Person des anderen Geschlechts suchte." So haben Berichte über dieses Thema früher ausgesehen, erklärt der Lehrer den SchülerInnen.

Heute sieht die Welt jedoch anders aus. Die Bewegung der Heteros kämpfte für ihre Rechte, schließlich gilt nun ein Anti-Diskriminierungsgesetz für Heterosexuelle, erklärt der Lehrer beschwingt und ermahnt die SchülerInnen, die Beurteilung eines Menschen nicht aufgrund seiner sexuellen Identität vorzunehmen.

All die ungewollten Kinder

Doch wie würde eine Welt bloß aussehen, in der alle hetero sind? Man stelle sich nur all die ungewollten Kinder, die humane Variante der künstlichen Befruchtung vor. Die MacherInnen des Films "Nicht hetero" lassen schnell erkennen: Auch der Lehrer hat sich von den vielen Vorurteilen gegenüber heterosexuellen Menschen nicht ganz lösen können.

Verdrehte Welt

Es ist eine verdrehte Welt: In "Nicht hetero" ist die Mehrheit der Bevölkerung lesbisch oder schwul. Heterosexuelle sind in der Minderheit und wurden auch als solche inszeniert. Denn auch in dieser Welt gibt es Stigmata - aber eben gegenüber Heteros. Distanzierte Blicke und verächtliche Gesten gehören da schon mal zum Alltag.

Das zeigt sich in "Nicht hetero" etwa, als sich William in Ellinor verliebt. In seiner vertrauten Umgebung stellt sich das Gefühl der Fremdheit zu sich selbst und seiner Umgebung ein. Wird er sein Coming-out als Hetero wagen? Werden ihn seine homosexuellen FreundInnen hassen? Wie geht er damit um, allein unter anderen zu sein?

Vorgeführte Absurdität

Der Kurzfilm, produziert von FilmstudentInnen der schwedischen Universität Dalarna, schafft in etwa 15 Minuten einen Einblick, wie es sich anfühlen kann oder welche Hürden sich einer/einem in den Weg stellen können, wenn man Teil einer Minderheit ist. Durch den einfachen Trick, das Verhältnis von Homo- und Heterosexualität zu verdrehen, wird die Absurdität von Ausgrenzung, Ab- und Minderbewertung von (sexuellen) Minderheiten vorgeführt und Diskriminierung greifbar. (eks, dieStandard.at, 8.11.2012)

Info

Die deutsche Fassung haben Ehrenamtliche des Medienprojekts queerblick e.V. aus Dortmund realisiert. Der Verein unterstützt Jugendliche beim Coming-out.

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