Übergriffe auf unverschleierte Christinnen

Eine Lehrerin wurde in Luxor verurteilt, weil sie zwei Schülerinnen die Haare abschnitt - Attacken in Kairoer U-Bahn

Luxor/Kairo - In der ägyptischen Stadt Luxor wurde vergangene Woche eine Lehrerin zu einer sechsmonatigen bedingten Gefängnisstrafe verurteilt, weil sie zwei zwölfjährigen Schülerinnen die Haare abgeschnitten hatte. Die beiden Mädchen trugen im Klassenzimmer kein Kopftuch, wie es von Seiten des Gerichts hieß.

Lehrerin wollte Kopfbedeckung erzwingen

Iman Abu Bakr Kilany, die selbst eine Ganzkörperverschleierung trägt, forderte im vergangenen Monat alle Mädchen der Klasse auf, künftig ein Kopftuch zu tragen, weil dies bei Mädchen über zehn Jahren erforderlich sei. Die zwei Mädchen trugen als einzige der Klasse weiterhin keines und wurden deshalb von der Lehrerin attackiert.

Die Verurteilte teilte mit, dass sie inzwischen nicht mehr als Lehrerin arbeite, sondern auf einen Posten in der Verwaltung versetzt worden sei. Darüber hinaus wurde  ihr ein Monatsgehalt nicht ausbezahlt.

Ägyptische Menschenrechtsgruppen und Frauenorganisationen verurteilten den Vorfall. Es sei ein Hinweis darauf, dass muslimische HardlinerInnen ihre Werte anderen aufzuzwingen versuchen, so die AktivistInnen.

Freiwilliges Schleiertragen propagiert

In Ägypten tragen viele Musliminnen ein Kopftuch. Die islamischen Gelehrten des Landes stehen auf dem Standpunkt, dass Frauen den Schleier jedoch aus freien Stücken wählen sollten. Auch die Muslimbruderschaft betont diese Ansicht in der Öffentlichkeit.

Während Präsident Mohammed Mursi und seine Verwaltung mehrmals betonten, dass es nicht in ihrem Sinn sei, strikte islamische Verhaltensregeln in Ägypten einzuführen, befürchten säkular-eingestellte ÄgypterInnen und die beträchtliche christliche Minderheit genau dies.

In Kairo kam es jüngst zu weiteren Übergriffen gegen Christinnen, wie die Zeitung "Egypt Independent" berichtete. Am Sonntag wurde eine nicht verschleierte Frau in der U-Bahn von zwei niqabtragenden Frauen attackiert, die ihr gewaltvoll die Haare abschnitten. Vergangene Woche wurde ebenfalls in der U-Bahn ein 13-jähriges christliches Mädchen von einer niqabtragenden Frau angegriffen. (Reuters/red, dieStandard.at, 13.11.2012)

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