Verhütung als Schlüssel zu Wachstum

15. November 2012, 07:00
  • Der UNFPA-Weltbevölkerungsbericht in einer Kurzfassung

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  • Im Jahr 2011 erreichte die Weltbevölkerung erstmals die Sieben-Milliarden-Grenze. Die derzeitige weltweite Fertilitätsrate beträgt 2,45 Kinder pro Frau. Damit die Weltbevölkerung konstant bleibt, wäre eine Rate von 2,04 nötig.
    foto: ap/rajanisch kagade

    Im Jahr 2011 erreichte die Weltbevölkerung erstmals die Sieben-Milliarden-Grenze. Die derzeitige weltweite Fertilitätsrate beträgt 2,45 Kinder pro Frau. Damit die Weltbevölkerung konstant bleibt, wäre eine Rate von 2,04 nötig.

An der Fertilität von Frauen hängt die Entwicklung von ganzen Ländern - Noch immer haben 222 Millionen Frauen keinen Zugang zu Verhütungsmitteln

Für uns ist es eine Selbstverständlichkeit, dass eine Frau selbst entscheiden kann, wie viele Kinder sie in ihrem Leben bekommen will. Doch in vielen ökonomisch schlechter gestellten Regionen der Erde ist genau das Gegenteil der Fall.

222 Millionen Frauen ohne Verhütung

In weiten Teilen Afrikas und Zentralasiens kämpfen vorrangig Frauen immer noch um einen adäquaten Zugang zu Verhütungsmitteln und um medizinische Versorgung, wenn sie ein Kind erwarten. Der aktuelle UN-Weltbevölkerungsbericht geht davon aus, dass weltweit nach wie vor 222 Millionen Frauen keinen Zugang zu Verhütungsmitteln haben.

Dabei sind die Anzahl der Kinder und die körperlichen Verfassung der Mütter ein zentraler Punkt bei der Entwicklung eines Landes. Bekommen Frauen später und weniger Kinder, sind diese in der Regel besser versorgt und auch die Mütter sind gesünder. Weniger Kinder in einer Familie heißt auch mehr Ressourcen für Bildung, Erwerbstätigkeit und damit ökonomische Unabhängigkeit von Frauen und Mädchen.

Familienplanung als Menschenrecht

1994 einigten sich über 170 Staaten der Erde darauf, Familienplanung als Menschenrecht zu definieren. Dieses Recht soll nicht nur Frauen dabei helfen, über ihre Familiengröße selbst zu bestimmen, sondern auch ungewollte Schwangerschaften und damit geschätzte 40 Millionen Abtreibungen sowie die nach wie vor hohe Müttersterblichkeit in den betroffenen Ländern zu verringern. Zum Vergleich: Während in Österreich vier von 100.000 Lebendgeburten tödlich für die Mutter enden, sind es im afrikanischen Tschad 1.100.

Der UN-Bericht beleuchtet zudem das große Problem der unsicheren Abtreibungen, die aufgrund von restriktiven Abtreibungsgesetzen und mangelnder medizinischer Versorgung durchgeführt werden. Fast 22 Millionen Abbrüche werden jährlich unsicher durchgeführt. Besonders oft geschieht dies bei jungen Frauen, die 40 Prozent der unsicheren Abtreibungen erleiden müssen.

Bei der Präsentation des Weltbevölkerungsberichtes verwies SP-Abgeordnete Petra Bayr darauf, dass Familienplanung die wirksamste und kosteneffektivste Maßnahme zur Armutslinderung sei. Laut aktuellen Berechnungen wären pro Jahr 8,1 Milliarden US-Dollar (6,38 Milliarden Euro)
nötig, um weltweit allen Frauen Verhütung und die dazu nötige Gesundheitsbetreuung zur Verfügung zu stellen. Derzeit werde rund die Hälfte dessen investiert.

Schrumpfende Geldmittel

Hierbei ist interessant, dass Österreich die Mittel für den Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) im Jahr 2012 nahezu gestrichen hat. Flossen bisher rund 1,1 Millionen Euro in die Projekte und Förderungen des Fonds zur Durchsetzung reproduktiver Rechte, sind es 2012 nur mehr 1.000 Euro, die das Außenministerium überweist. Dort argumentiert man mit einer Umschichtung der finanziellen Mittel zu einer weiteren UN-Einrichtung, der UN-Women. Ein genauer Blick auf die Finanzierung dieser Stelle zeigt jedoch, dass sie 2012 mit 600.000 Euro gefördert wurde, was lediglich einer Mittelerhöhung von 150.000 Euro im Vergleich zu 2011 entspricht.

Gespart wird in Österreich auch ganz allgemein bei der Entwicklungszusammenarbeit. Die parlamentarische Gruppe für reproduktive Gesundheit und Entwicklung, der auch Bayr angehört, kritisiert, dass Österreich weit weniger Entwicklungshilfe zahlt, als im Rahmen der UN-Milleniumsziele vereinbart wurde. Eigentlich sollten 0,51 Prozent des Bruttonationalproduktes für die Erreichung dieser Ziele aufgewendet werden, tatsächlich sind es 0,27 Prozent. Die Gruppe appelliert an die Industrieländer, ihr Bekenntnis zum Menschenrecht Familienplanung nun endlich auch mit Taten zu unterstützen. (freu, dieStandard.at, 15.11.2012)

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Ursache<-->Wirkung

Es ist eine ganz normale, weltweit zu beobachtende Entwicklung, dass mit steigendem Wohlstand die Geburtenrate abnimmt.

Der Zugang zu Verhütungsmittel ist dabei mMn eher eine Wirkung und keine Ursache.

Ursache hierfür ist vielmehr, dass sich die Wert ändern (Kinderreichtum ist kein Statussymbol mehr), die Sterberate abnimmt und man dadurch nicht mehr zig Kinder braucht, die einem im Alter versorgen, die Bildungsanforderung zunimmt und man seine Kinder länger erhalten muss und Ihnen "mehr" bieten will, die Erwerbstätigkeit von Frauen zunimmt, da Hausharbeit kein Fulltimejob mehr ist (ohne das negativ zu werten), etc....

Es liegt nicht am Wohlstand,

sondern an der Bildung der Frau.

Na wenn Du das sagst ;-)

Und Gewissen haben die Leute sowieso keines mehr!

Der freie Zugang zu Verhütungsmitteln ist offenbar nicht alles.

Anders ließen sich ~40.000 Abtreibungen jährlich in Ö (ich warte immer noch auf eine Widerlegung dieser Zahl) nicht erklären.

Ich warte auf eine seriöse Quelle für diese Zahl.

Zahl aus einem "pro" Abtreibung/pro gratis Verhütungsmittelartikel aus dem Profil (also sicher kein "konservatives Blatt")

"Österreich gehört mit seriös geschätzten 30.000 bis 40.000 Schwangerschaftsabbrüchen im Jahr zu den Top-Abtreibungsländern in Europa – nach Russland und Rumänien,.."

http://www.profil.at/articles/... raevention

"Da Abtreibungen in Österreich nicht meldepflichtig sind und auch nicht von der Kasse bezahlt werden, existieren keine amtlichen Zahlen. Die Experten sind daher auf Schätzungen angewiesen, die mal seriöser, mal weniger seriös sein können. Genannt wurden Zahlen zwischen 16.000 und 100.000."

Was nicht genannt wird: eine Quelle, woher die (geschätzten) Zahlen stammen.

"Österreich führt keine offizielle Statistik über Schwangerschaftsabbrüche. Die Schätzungen gehen extrem auseinander und scheinen oft weltanschaulich motiviert. Der Leiter des Gynmed Ambulatoriums für Schwangerschaftsabbruch und Familienplanung (einer auf Schwangerschaftsabbrüche spezialisierten Klinik), geht davon aus, dass Österreich mit 30.000 bis 40.000 Schwangerschaftsabbrüchen jährlich zu den Spitzenreitern Europas zählt.

http://de.wikipedia.org/wiki/Schw... ftsabbruch

Und wenn man eine geschätzte Zahl wieder und wieder wiederholt wird sie dann irgendwann konkret nachweisbar? Oder bleibt sie nichts weiter als eine Schätzung?

Sie sehen: da keine Meldepflicht besteht, sind nur Schätzungen möglich. Mit Schätzungen lässt sich aber schlecht argumentieren, da sie nicht belegbar sind.

Jetzt erkannt, wo da der Haken ist?

Und eine seriöse Quelle ist die Schätzung eines einzelnen irgendwie...nicht.

Richtig. Daher waere eine offizielle Statistik hilfreich. Wollten aber glaub ich die Fristenlösungsbefürworter nicht.

Die haben sich damals mit Zähnen und Klauen dagegen gewehrt dass die Abtreibungen statistisch erfaßt werden, auch nicht anonymisiert! Die Gründe dafür kann man nicht als seriös bezeichnen!

Vielleicht weil es niemanden etwas anzugehen hat?
Es gibt ja auch keine offizielle Statistik zu Ihren Silikonimplantaten.

Selten dämlicher Vergleich. Was spricht gegen eine anonyme Statistik?
Außerdem wollte nicht ich eine Statistik sondern Tethys.

Es ist ein sehr passender Vergleich.
Es wird nämlich beides nicht von der Kasse bezahlt, legal und in keiner Weise meldepflichtig, daher Privatsache.

Straffrei unter gewissen Bedingungen, nicht legal.

Im 6.Monat wird ja keiner abtreiben, also ist es so gut wie legal.

Es gibt auch ein paar wahnsinnige die Abtreibung völlig aus dem Strafgesetz nehmen wollen-also keinerlei Fristen, dann koennte man auch straffrei im 6. Monat ohne gruenden (zb gefahr fuer das leben der mutter)abtreiben.

Sie hat in dieser Form auch längst nichts mehr im Strafgesetz verloren, ginge es nach den Konservativen, gäbe es nicht einmal die jetzige Version.

Wenn Sie das so sehen ist das Ihr gutes recht. Klingt zwar stark nach "Verharmlosung" der Abtreibung (bin ja auch fuer die Fristenlösung, aber ethisch ist halt schon ein Unterschied zu einer Schönheitsop) aber bitte.

Es liegt beides in der freien Entscheidung der Frau über ihren Körper.
Und es geht beides niemanden etwas an.

Ja ueber ihren koerper. Das ungeborene Kind hat aber einen eigenen koerper. Lt Ihrer Logik duerfte sich eine Frau ja auch zur Abtreibung im 6. Monat entscheiden-ist ja ihr koerper. Also warum eine "Fristenlösung"?
Ich bin ja auch fuer die Fristenlösung, aber es ist halt eine willkürliche Grenze und schuetzenswert ist eben auch ein 3 mon. alter mensch-wo ist der Unterschied zu einem 5 Monate altem ungeborenem Menschen?

Irrtum!

der askept der altersversorgung wird hier ausser acht gelassen.

in den angesprochenen teilen der erde (vorwiegend afrika und zentralasien) ist kinderreichtum gleich reichtum. das wird vor allem im alter schlagend, wenn man sich dan von den nachkommen pflegen lassen kann. so gesehen ist es ja auch im interesse der frauen, viele kinder zu kommen.

an diesem umstand wird eine bessere verfuegbarkeit von verhuetungsmitteln allein auch nichts aendern. massnahmen zur senkung der geburtenrate sollten nicht nur bei verhuetung, sonder auch wie untern agesprochen bei bildung und wirtschaftlicher sicherheit ansetzen.

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