"Wegweisendes Urteil" für gehandelte Frauen

Lefö: Erstmals zivilrechtlicher Schadenersatz für Opfer von Frauenhandel erstritten - Entscheidung des Landesgerichts noch nicht rechtskräftig

Wien/Graz - Eine 30 Jahre alte Frau aus Bulgarien, die in Österreich jahrelang als Prostituierte ausgebeutet worden war, hat in einem vergangene Woche ergangenen Urteil des Landesgerichts für Zilvilrechtssachen in Graz 54.000 Euro Schadenersatz und Schmerzensgeld zugesprochen bekommen. Nach Angaben der NGO Lefö-IBF, die die Frau bei ihren gerichtlichen Verfahren begleitet, handelt es sich um die erste derartige Entscheidung in Österreich. Das Urteil ist allerdings nicht rechtskräftig.

Die TäterInnen sind nach Angaben von Lefö-IBF (Interventionsstelle für Betroffene des Frauenhandels) im Jahr 2009 im Rahmen eines Strafprozesses rechtskräftig wegen Menschenhandels verurteilt und zur Zahlung von 10.000 Euro Schmerzensgeld verpflichtet worden. Zur Durchsetzung weiterer Ansprüche wurde die heute 30-jährige Bulgarin aus den Zivilrechtsweg verwiesen. Nach Angaben von Evelyn Probst von Lefö sind die 10.000 Euro in den 54.000 Euro inkludiert. Die TäterInnengruppe hat gegen die Entscheidung des Zivilgerichts berufen.

Wegweisend

Die Interventionsstelle bezeichnet das Urteil wegweisend. "Es ist ein wesentlicher Schritt bei der Erlangung der Opferrechte", erklärt Probst am Donnerstag in einer Aussendung. "Denn für das Wiedererlangen der Würde und den Weg in die Selbstständigkeit der Betroffenen hat die Entschädigung große Bedeutung." Die Folgen von Ausbeutung - nicht nur durch Prostitution, sondern auch in anderen Bereichen wie etwa Hausarbeit - seien verheerend.

"Die Frauen tragen meist schwere psychische Folgeerscheinungen davon, viele leiden unter Angstzuständen und Depressionen." Finanzielle Schäden, verbunden mit der Unsicherheit bezüglich der Zukunft, stellten für die Betroffenen ebenfalls eine immense Belastung dar. (APA, 15.11.2012)

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17 Postings
Super Sache! Wann tut die Polizei endlich mehr gegen Menschenhandel!!!

immer wenn ich die Kronen Zeitung durchschaue und hinten die Annoncen der Sexarbeiterinnen sehe denke ich mir, dass die Familie Dichand auch nicht schlecht am Geschäft mit Prostitution bzw.Frauenhandel verdient!

also um mindestens ein faktor 10 gehört das erhöht, aber für unsere bananenrepublik ist das urteil an sich ja schon ein erfolg. ich hoffe sie wartet nicht ewig, bis das urteil auch rechtskräftig ist.

und den gewinn dürfen sich die menschenhändler behalten

pro frau haben die ja im jahr das zigfache verdient

und wie viele jahre sind das gewesen? die frau sollte das geld bekommen das sie hereingebracht hat, mindestens das österreichische durchschnittsgehalt mal x jahre

sollte die frau aufgrund ihrer psychischen leiden keinen beruf mehr bekommen, oder auch weil sie ihrer letzten jahre beraubt wurde und keiner ausbildung nachgehen konnte, sollte sie außerdem 40 jahregeshälter (bis zur pension) und pensionsansprüche überwiesen bekommen

Wieviel ist das pro Vergewaltigung?

Ja, die Summe ist lächerlich gering, zumal die 10.000 inkludiert sind. DAS wäre ein Anlass für Gesetzesänderungen

Bei Verurteilung eines Täters pauschal 20.000 pro Monat sofort per rechtskräftigem Strafurteil für jede Betroffene. Das könnte analog auch in Erwägung gezogen werden für zum Beispiel Missbrauchsopfer. Darüber hinausgehendes Zivilrechtsweg.

mit den typen ist ja nicht zu spaßen

also ich würd mich das nicht trauen solche leute zu verklagen aus angst die kommen vorbei und schlagen mich tot, zünden mich an oder schütten mir säure ins gesicht oder was denen sonst noch einfällt.

mein respekt dieser frau, daß sie den mut hatte dies durchzuziehen.
obwohl ich 54.000 für jahrelange andauernde tausenfache vergewaltigung doch etwas gering finde

überhaupt wenn man sich ausrechnet was die leute eingenommen haben.

nehmen wir zb. mal an die frau hat 100 € verlangt pro kunde und hatte 5 kunden pro nacht.

das macht dann:
100€ * 5 * 350 Tage = 175.000 €

und das in einem jahr.

wenn sie jetzt mehrere jahre in den job arbeiten mußte nahm man mit ihr zwischen 800.000 bis 1.000.000 € ein. das macht 54.000€ entschädung wirklich mehr als lächerlich.

€100,-- pro Kunde werden das nicht gewesen sein.

Nachdem diese Frau ja anscheinend nicht legal "angeschafft" hat, wird sie wohl eine der prostituierten gewesen sein, diezum "Spartarif" gearbeitet hat.
Es wird Zeit, dass man Prostitution aus der Schmuddelecke rausholt und den "Sexarbeiterinnen" geordnete und faire" Arbeitsbedingungen schafft.
Solange die Frauen das freiwillig tun (und ich kenne selbst eine Frau (eine Freundin aus meiner Schulzeit) die sagt: "warum nicht damit verdienen, es macht mir ja sowieso oft selbst Spaß!") finde ich nix dabei.

"sowieso oft selbst Spaß" <-- und das gibt ihnen nicht zu denken?

das ist so zu verstehen, dass sie es einfach wie einen 9 to 5 job sieht

der einem auch nicht immer gleich viel spaß macht.
Sie ist übrigens "selbstständig" weshalb sie ihr Geld nicht mit irgendwem teilen muss.
Sie erscheint mir auch vom wesen nicht anders als früher!

"Die Frauen tragen meist schwere psychische Folgeerscheinungen davon, viele leiden unter Angstzuständen und Depressionen."

so siehts aber beim großteil der prostituierten aus, also von "spaß" weit entfernt. sehr weit. wie man in deutschland sieht würde eine komplette legalisierung für die prostituierten alles nur noch schlimmer machen, das würde nur den bordellbesitzern und den freiern was bringen und außerdem den menschenhandel lukrativer machen. die zustände dort find ich echt schlimm, lieber in richtung schwedisches modell gehen.

Ein wegweisendes Urteil für eine patriarchale Gesellschaft!

Allerdings ist der Betrag lächerlich gering.

gute entscheidung. aber 54.000€ sind viel zu wenig angesichts eines martyriums.

"rechtskräftig wegen Menschenhandels verurteilt und zur Zahlung von 10.000 Euro Schmerzensgeld verpflichtet worden."

und warum keine haftstrafe?

Wahrscheinlich eh -

aber darum geht es hier nicht.

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