Barrierefreiheit als unüberwindbare Hürde

16. November 2012, 15:39
  • Eine Rampe für Rollstuhlbenutzerinnen kostet. Und Frauen- und Mädcheneinrichtungen können sich derartige Umbauarbeiten nicht leisten.
    foto: robert newald

    Eine Rampe für Rollstuhlbenutzerinnen kostet. Und Frauen- und Mädcheneinrichtungen können sich derartige Umbauarbeiten nicht leisten.

2016 könnte einigen Frauen- und Mädcheneinrichtungen das Aus bevorstehen - Die Kosten für einen Umbau sind für sie nicht zu stemmen

Anfang 2016 könnten einige soziale Einrichtungen - darunter auch Frauen- und Mädcheneinrichtungen - geschlossen werden. Gelingt es bis dahin nicht, die Gebäude baulich barrierefrei zu gestalten, droht ihnen de jure das Aus. 2010 hielt die Bundesregierung in einer Budgeteinigung nämlich daran fest, dass öffentliche Gebäude bis Anfang 2016 barrierefrei zugänglich sein müssen. Das Netzwerk österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen fragt sich nun, wie sie das finanziell stemmen sollen, denn die dringend notwendige Unterstützung von Seite der Länder und Ministerien bleibe - mit Ausnahme des Frauenministeriums - bisher aus. 

Aus eigener Kraft können die Mädchen- und Fraueneinrichtungen derartige Baukosten in der Höhe von 30.000 bis 40.000 Euro nicht aufstellen, zumal diese Einrichtungen nicht gewinnorientiert arbeiten dürfen und deren Mittel ohnehin knapp budgetiert sind. "Für die baulichen Maßnahmen brauchen wir die Unterstützung der öffentlichen Hand. Schließlich kommen wir damit einer gesetzlichen Verpflichtung nach", so Marion Breiter, Vereinsvorsitzende des Netzwerks österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen in einer Aussendung. 

Topf von Bund und Ländern

Sinnvoll sei es, für notwendige Umbauarbeiten einen eigenen Topf von Bund und Ländern zu schaffen, ist Breiter überzeugt. "Wir wünschen uns, dass bei der Barrierefreiheit alle an einem Strang ziehen. Allein schultern können wir die Aufgabe aber nicht", so die Vorsitzende. Mit im Boot hätten sie Frauenministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ), die intensiv nach einer Lösung suche. Sollte sich jedoch keine Lösung finden, wird ein Teil der Frauen- und Mädchenberatungsstellen zusperren müssen.

Gruppen gegeneinander ausspielen

Empörend sei dieser Umstand, weil hier zwei Gruppen gegeneinander ausgespielt würden. Auf der einen Seite Frauen mit Behinderungen, die durch das Gesetz zu ihrem Recht kommen - auf der anderen Seite die Beratungsstellen, für die eine derartige budgetäre Belastung, die die gesetzliche Auflage mit sich bringt, schier unüberwindbar scheint.

Anfang November haben die Vertreterinnen der 57 Mitgliedseinrichtungen des Netzwerks österreichischer Frauen- und Mädchenberatungsstellen ihre Befürchtungen, Anliegen und Forderungen  erneut im Frauenministerium deponiert.

Absolute Deadline 2020

Die gesetzlich vorgeschriebene Barrierefreiheit hat zum Ziel, die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen zu beseitigen, zu verhindern und damit die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderungen am Leben der Gesellschaft zu gewährleisten, um ihnen selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen. Nicht alle öffentlichen Gebäude müssen jedoch bis 2016 vollkommen barrierefrei sein: Profitieren können hier vor allem jene Ressorts, die besonders viele Häuser umzubauen haben wie das Unterrichtsministerium mit 900 Gebäuden. Absolute Deadline für die Umsetzung der Barrierefreiheit ist 2020. (eks, dieStandard.at, 16.11.2012)

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15 Postings

Es hat sogar das "Cafe Rosa" behindertengerechte Installationen zusammengebracht. Und die waren auch nicht selbstzfinanziert.

Förderung von Vereinen (Frauen, Kinder, Familien, Männerthemen) gerade in Wien und BH Städten, da würde Sinn machen, wenn die Verwaltung der Steuergelder ihre Gassenlokale (in nicht top lagen) nicht nur günstig Gewerbetreibenden zu Verfügung stellen würde.

Da braucht nichts umgebaut zu werden, bei den Eingängen.

Als ob´s zu wenig Geld gäb -

dabei ist eigentlich mehr als genug für alle da, es ist nur ungleich verteilt (Direktvergleich gibt´s nur für D., daher zuerst):

http://www.reichtumsuhr.de/

http://www.staatsschulden.at/
http://de.wikipedia.org/wiki/Reic... 6sterreich

So lange für "notleidende Banken", die sich an der Börse verzockt haben, immer noch ein paar Milliarden Steuergelder übrig sind, finde ich jegliche Sparmaßnahmen zu Lasten der Lebensqualität einfach nur gruselig.

seit 1.1.2006 ist bekannt, dass auch beratungsstellen barrierefrei sein müssen

das gilt für ALLE arten von beratungsstellen, insbesondere solche, die öffentliche förderungenn beziehen. warum genau die frauen- und mädcheneinrichtungen so drüber schreien ist mir nicht klar. eng wird es für die einrichtungen, die jahrelang das thema verdrängt haben und nun so tun, als würde diese anforderungen unerwartet auf sie zukommen.

Und wie genau hätten diese Einrichtungen "rechtzeitig" reagieren sollen?

So etwas wie Rücklagenbildung ist ja nicht gestattet. Steht übrigens im Artikel.

Es gibt aber das einmalige zweckgebundene Förderansuchen. Auch nicht gemacht?

zweckgebundene spenden?

Es wird bei neuen Bauten viel zu wenig auf Barrierefreiheit geachtet. Wenn man das von Anfang an plant, ist es eh nicht teurer (zumindest kaum) als ein "barrikadiertes" Gebäude.
Auch sollte man bei jedem Umbau, den man sowieso macht, drauf achten, auch wenn es zu dem Zeitpunkt sinnlos erscheint, weil es nur einen kleinen Teil des Gebäudes betrifft.

Ansonsten ist die Situation, die hier beschrieben wird, natürlich doof. Und lästig. Aber sicher kein Problem, dass ausschließlich Fraueneinrichtungen betrifft.

das is eigentliche ein von österreich ratifiziertes menschenrecht....

mich machts halt wahnsinnig wenn ich im radio hören muss das man bitte spenden soll damit orte wie kitzbühel (!) ihr rathaus barrierefrei machen können.
werden eh an allen ecken und enden die baukonzerne verhätschelt und ihenen kohlen zugeschoben.
sollns wenigstens für die paar rampen und gesteigabschrägungen was springen lassen.

und nur so nebenbei: barrierefreiheit ist vielvielmehr als "rollstuhlgerecht"

Das betrifft aber nicht nur die

"Frauen- und Mädcheneinrichtungen" sondern mW *alle* (nur öffentliche?) Gebäude.

/wir (SW/HW-Firma) sind 2011 übersiedelt (Miete -> Neubau); da gab es die nette Diskussion bzgl. "1. Stock (SW-Entwicklung) benötigt Lift weil sonst nicht behindertengerecht"; das hat uns damals eine ordentliche Delle in die Kalkulation reingehaut da das *sehr* spät aufgekommen ist ...

Der "Kompromiss" (e.g. damit's Ruhe geben) war dann: EG barrierefrei/ebenerdig, keinerlei Stufen; damit kann der Lift entfallen. Blöd nur daß -sollte das schlagend werden- der/die SW-KollegIn mit der linken Hinterbacke im Lager sitzt weil sonst im EG kein Platz; zur nicht vorhandenen Kommunikation mit den "anderen" schweigen wir.

War/ist legal, "korrekt" is was anderes..

C.

ihr Text ist schwer lesbar

daher ein rotes Stricherl

Das ist eine nette Litanei..

aber ALLE Einrichtungen trifft das - warum gerade Fraueneinrichtungen das vom Staat bezahlt bekommen sollen, aber solche die Frauen und Männer unterstützen nicht, muss man erst erklären. Und natürlcih auch Einrichtungen die nur Männern (gibt es sowas noch?) vorbehalten sind.

Wenn dann muss man das für alle wieder streichen (Und das sage ich als Behinderter)

weil die staatlichen und öffentlichen einrichtungen, die diese themen vertreten, das aus jenen töpfen (=steuergelder) nehmen, die sie selbst verwalten.

ÄH der Staat MUSS sozial sein

bei den Privaten ist es eine andere Frage

@ Ungeist1

"Warum gerade Fraueneinrichtungen das vom Staat bezahlt bekommen sollen, aber solche, die Frauen und Männer unterstützen nicht..."

Wie kommen Sie denn darauf?
Wo steht Ihrer Ansicht nach, Einrichtungen für alle oder für Männer sollten nicht gefördert werden?

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