Zulassung des Kopftuchs unter Kritik

29. November 2012, 10:15

Die Regierung Erdogans schafft die Schuluniformen ab - Säkularisierte Opposition befürchtet die Schaffung eines islamischen Staates

Istanbul - Die Türkei schafft die Schuluniformen ab. Ab dem kommenden Schuljahr dürfen die rund 17 Millionen Kinder und Jugendlichen in den Schulen des Landes erstmals Jeans tragen, wie die türkische Presse am Mittwoch meldete. Junge Männer dürfen sich außerdem erstmals die Haare lang wachsen lassen. Eng anliegende und durchsichtige Kleidung, ärmellose Hemden sowie Symbole mit politischen Aussagen bleiben verboten. Auch dürfen Kleider nicht schmutzig oder löchrig sein. Für Streit sorgt die Entscheidung, im Zuge der Reform das islamische Kopftuch für Schülerinnen in Korankursen zu erlauben.

KritikerInnen der Reform wenden ein, dass ohne Schuluniformen die sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede zwischen den SchülerInnen betont würden. Es werde bald eine klare Trennung zwischen jenen geben, die sich in schicken Geschäften mit teuren Markenprodukten einkleideten, und jenen, die sich das nicht leisten könnten, sagte der Chef der Lehrergewerkschaft Türk Egitim-Sen, Ismail Koncuk, der Zeitung "Habertürk". Dagegen meinte Bildungsminister Ömer Dincer, Schuluniformen seien Ausdruck eines autoritären Staatsverständnisses, das nicht zu einer Demokratie passe.

Kopftuchverbot aushebeln?

Der säkularistische Oppositionspolitiker Refik Eryilmaz warf der islamisch-konservativen Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan vor, mit der Reform das bisher geltende Kopftuchverbot in den Schulen aushebeln zu wollen. Bisher durften nur Schülerinnen an den staatlichen Religionsschulen das Kopftuch tragen, mit Inkrafttreten der Reform im kommenden Jahr werden auch Schülerinnen in anderen Schulen während des Unterrichts im Wahlfach Korankunde das Kopftuch tragen dürfen. Außerhalb der Korankurse bleibt das Kopftuch tabu.

Vor zwei Jahren hatte die Erdogan-Regierung das Kopftuchverbot für Studentinnen an Universitäten aufgehoben. Türkische Säkularisten haben Erdogan im Verdacht, aus der Türkei einen islamischen Staat machen zu wollen. (APA, 29.11.2012)

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5 Postings
Wie schaut's eigentlich

mit den Gesichter verschleiernden Fundibärten aus, die für Lehrer und andere Bartriarchen typisch sind?

Da werden die Grünen in Ö jubeln.

Das Kopftuch als Zeichen der selbstbestimmten Frau/des selbstbestimmten Mädchens.

Türkische Säkularisten haben Erdogan im Verdacht, aus der Türkei einen islamischen Staat machen zu wollen.

Wozu einen Verdacht äußern? Es ist seit Jahren das erklärte Parteiziel der AKP und Erdogans, die Trennung von Kirche und Staat abzuschaffen!

Auch in Europa werden die Zustimmungen dazu immer stärker, denn was Gott will, kann nur gut sein für den Menschen ...

.. nur, wieso kommen wir nackt auf die Welt und sollten uns aus religiösen Gründen verhüllen??

Weil es im Winter kalt ist.

Weil Gott das so will. Das müsste für einen Gläubigen Grund genug sein. Für alle anderen rate ich einen Selbsttest. Was meinen sie wie gut das ankommt, wenn sie nackt durch die Stadt laufen?

Oder Ihr Kind sieht den Lehrer beim Unterricht erregt... einfach mal nachdenken hilft. Sie wollen doch nicht wirklich die jungen Leute sehen die grade entdecken, dass sie ein Mann sind, oder Frauen, die grade ihre Periode durchmachen,... etc.

Warum das Haupt bedecken? Weil Gott, so meinen einige, es so will. So lange man es keinen aufzwingt sollte es auch keinen stören.

Die Türkei IST ein islamischer Staat. Zu befürchten ist nur, wie sehr das Erdogan-Regime diesen vorantreibt.

Vom Westen braucht der Erdogan nichts befürchten, denn er ist "strategischer Partner" und hat damit ähnliche Narrenfreiheit im Verletzen der Frauenrechte und Menschenrechte wie das saudisch-arabische Regime.

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