Pflege ist weiblich

Studie: Frauen sind deutlich stärker betroffen von Pflegerisiko und Altersarmut

Berlin - Einer neuen Studie zufolge wird die Zahl der Menschen in Deutschland, die einen Pflegefall in der Familie haben, in den nächsten fünf bis zehn Jahren von derzeit zehn auf 27 Millionen steigen. In Auftrag gegeben wurde die Untersuchung vom Versicherungsunternehmen R+V, einem der größten Versicherer Deutschlands.

Pflegekosten-Falle

Vor allem seien Frauen betroffen - als Pflegende, aber auch als Pflegefälle. Weil die gesetzliche Pflegeversicherung nicht die Kosten für die Pflegeleistungen abdeckt, können Menschen im Alter zu Sozialhilfe-Fällen oder ihre Angehörigen zur Finanzierung der Pflege herangezogen werden, so die R+V-Versicherung.

Nach Angaben des Versicherungsunternehmens bewegt sich die Lücke zischen den Zahlungen der gesetzlichen Pflegeversicherung und den durchschnittlichen Kosten in Deutschland zwischen 450 und 1.950 Euro. So zahlt die Krankenversicherung für einen stationär betreuten Menschen der Pflegestufe II pro Monat 1.279 Euro. Die tatsächlichen Kosten setzt R+V mit 2.800 Euro an. Kann der oder die Betroffene die nicht selbst für die Differenz aufkommen, sind die Kinder unterhaltspflichtig. Erst wenn Eltern und Kinder nicht zahlen können, übernimmt der Staat die gesamten Pflegekosten.

"Pflegerisiko" Frausein

Diese Versorgungslücke in der gesetzlichen Pflegeversicherung hebt nach Worten der R+V-Versicherung auch der kürzlich vorgestellte "Pflege-Bahr" nicht vollständig auf. Die nach dem Gesundheitsminister Daniel Bahr benannte Förderung privater Pflege-Zusatzversicherungen deckt demnach nur einen Teil der Versorgungslücke ab. R+V gibt an, dass bislang nur rund zwei Prozent der BundesbürgerInnen eine private Pflegezusatzversicherung abgeschlossen haben.

Der Studie nach sind Frauen vom Pflegerisiko und der damit zusammenhängenden Altersarmut deutlich stärker betroffen als Männer. Die typische Pflegende sei 61 Jahre alt, verheiratet, habe zwei erwachsene Kinder, pflege länger als drei Jahre und sei nicht berufstätig. Nach einer Auszeit für die Kindererziehung komme eine weitere für die Pflege, während der sie nicht berufstätig sei und deshalb auch keine Rentenansprüche aufbauen könne. Andererseits gebe es unter den Pflegebedürftigen doppelt so viele Frauen wie Männer. Da Frauen im Schnitt fünf Jahre älter werden als Männer, sei bei ihnen das Risiko zum Pflegefall zu werden, auch viel höher. (Reuters/red, dieStandard.at, 4.12.2012)

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