Brustkrebs-Programm in Deutschland dürfte Erfolg haben

6. Dezember 2012, 09:57

Einladung zum Screening seit 2005: 78 Prozent der in zwei Jahren bei Teilnehmerinnen neu aufgetretenen Mammakarzinome entdeckt

Münster/Wien - Deutschland hat Österreich seit einigen Jahren in gesundheitspolitischer Hinsicht etwas voraus: Dort gibt es seit Oktober 2005 bereits ein Brustkrebs-Screening, bei dem Frauen zwischen 50 und 70 alle zwei Jahre zur Mammografie eingeladen werden. Erstmals haben deutsche WissenschaftlerInnen jetzt versucht, den Effekt zu bestimmen. Eine Reduktion der Mortalität kann noch nicht nachgewiesen werden. Aber: Fast 80 Prozent der neu entstehenden Mammakarzinome bei Frauen, die am Screening-Programm teilgenommen haben, wurden im Rahmen des Programms entdeckt .

"Unsere Studie gibt einen deutlichen Hinweis dafür, dass wir auf einem guten Weg sind, mit dem Mammografie-Screening-Programm die angepeilte 25-prozentige Reduktion der Mortalität durch Brustkrebs zu erreichen", sagte der Co-Autor der vor wenigen Tagen im Deutschen Ärzteblatt erschienenen Studie, Wolf Ulrich Batzler vom Krebsregister des deutschen Bundeslandes Nordrhein-Westfalen.

Mit Oktober 2005 ist in Deutschland das Mammografie-Screening-Programm breit etabliert worden. In Nordrhein-Westfalen liegt die Beteiligung der infrage kommenden Frauen bereits bei an die 55 Prozent. International geht man davon aus, dass eine Beteiligung von 70 Prozent die Mortalität durch Brustkrebs unter den Teilnehmerinnen um an die 25 Prozent reduzieren kann.

78 Prozent der neu entstandenen Karzinome

"Für die Bestimmung eines solchen Effektes - die Reduktion der Brustkrebssterblichkeit - ist die Zeit noch zu kurz. Aber wir haben uns sogenannte Surrogat-Parameter angesehen", sagte Batzler. Dazu verglich man die Daten von 878.764 Frauen, die zunächst an der ersten Mammografie-Untersuchung teilgenommen hatten, mit den Erkrankungen, die innerhalb von zwei Jahren entdeckt wurden - also im Intervall, das für die Mammografie im Rahmen des Programms vorgesehen ist.

Das Ergebnis: "Im Rahmen des Screenings (mit Einladung an die infrage kommende Altersgruppe der Frauen; in Deutschland werden die Untersuchungen in 94 Zentren durchgeführt, Anm.) wurden 78 Prozent der innerhalb von zwei Jahren neu aufgetretenen Mammakarzinome bei den Teilnehmerinnen des Programms entdeckt." Die restlichen 22 Prozent wurden erst außerhalb des Programms festgestellt.

Früherkennung als gute Heilungschance

Bei Brustkrebs-Screening-Programmen geht es um die möglichst frühe Erkennung von Tumoren - am besten noch in einem Stadium, in dem eine möglichst schonende Operation das Problem bereinigt. Bei Vorliegen von Tochtergeschwülsten (Metastasen) ist Brustkrebs nach dem derzeitigen Stand der Medizin nicht mehr heilbar. Man will also die Mammakarzinom-Erkrankung in einem möglichst frühen Stadium entdecken. (APA, 6.12.2012)

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2 Postings
falsch-positiv Screnningfälle auch beachtet?

"Eine Reduktion der Mortalität kann noch nicht nachgewiesen werden."

Dann ist da aber faktisch noch nichts handfestes erwiesen.

Damit könnten dann die Zahlen auch durch falsch-positive "Brustkrebsfunde" beim Screening verursacht sein. Diese machen sich im Rest der Statistik ansonsten recht positiv, denn sie erhöhen die Fundrate und auch die Überlebensrate bei Funden. Die fälschlicherweise gefunden Fälle überleben nämlich ohne wirklich vorhandenen Krebs zu 100%!

Ja bei uns in Bagdad

gibt’s das natürlich nicht. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir was für die Menschen täten? Brustkrebsvorsorge? Kein Geld. Das brauchen wir für neue Spitäler, die die Prölls und Häupls dann im Blitzlichtgewitter eröffnen dürfen. Und die Ärzte, wieso sagen die nichts? Keine Zeit, die müssen ja ihre Kampagnen "fahren"

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