Frauen leiden stärker unter Arbeitslosigkeit als Männer

  • Die Finanzkrise habe die Unterschiede zwischen den Geschlechtern punkto Arbeitslosigkeit verschärft, berichtet die ILO.
    foto: dapd/matthias rietschel

    Die Finanzkrise habe die Unterschiede zwischen den Geschlechtern punkto Arbeitslosigkeit verschärft, berichtet die ILO.

Bericht der Internationalen Arbeitsorganisation: Unterschiede durch Krise verschärft

Genf - Frauen leiden stärker unter der zunehmenden Arbeitslosigkeit als Männer. Zudem arbeiten Frauen unter schlechteren Arbeitsbedingungen. Laut Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) hat die internationale Wirtschaftskrise diese Unterschiede weiter verschärft. Während sich weltweit die gravierenden Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei Arbeitslosigkeit und Beschäftigungsgrad bis zum Jahr 2007 verkleinert hätten, habe die weltweite Finanzkrise die Tendenz nun umgekehrt. Dies treffe insbesondere bei den Industrieländern zu, stellt ein am Dienstag veröffentlichter ILO- Bericht fest.

ILO: Keine Besserung bis 2017

Zwischen 2002 und 2007 belief sich die Arbeitslosenquote bei den Frauen auf 5,8 Prozent gegenüber 5,3 Prozent bei den Männern. In der aktuellen Krise hat sich der Unterschied verstärkt: 2012 lag die Arbeitslosenquote bei den Frauen bei 6,4 Prozent gegenüber 5,7 Prozent bei den Männern. In der Krise seien 13 Millionen Arbeitsplätze von Frauen und 16 Millionen von Männern verschwunden. Dem Konjunktureinbruch dürften nach Ansicht der ILO 2013 weitere 2,5 Millionen Stellen zum Opfer fallen. Für die Situation der Frauen rechnet die ILO bis 2017 mit keiner Besserung.

Frauen seien auch durch ihre Teilzeitstellen stärker von der Krise betroffen. Sie würden sich außerdem bei Schwierigkeiten schneller aus dem Arbeitsmarkt verabschieden um sich ihrer Familie widmen, stellte ILO-Direktor José Manuel Salazar-Xirinachs fest.

Vor der Krise sei die Beschäftigung der Frauen jährlich um 1,8 Prozent gewachsen gegenüber 1,6 Prozent bei den Männern. Seit 2008 habe sich diese Tendenz umgekehrt und das Wachstum bei der Frauen- Beschäftigung liege nun 0,1 Prozentpunkte unter demjenigen der Männer.

Bremse für Wirtschaftswachstum

Es gebe keine Geheimrezepte zur Steigerung der Beschäftigung von Frauen, erklärte Botschafter Jean-Jacques Elmiger vom Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) in Genf. Erste Schritte seien gemacht worden und dieser Weg müsse weiter gegangen werden. Die Schweiz beteiligte sich außerdem finanziell am Erstellen des Berichts.

Für die ILO und das Seco gibt es vier Stoßrichtungen zur Verbesserung der Situation der Frauen: die Förderung der Beteiligung der Frauen am Arbeitsmarkt, die Beseitigung der Unterschiede zwischen den Geschlechtern, die Bekämpfung der Wehrlosigkeit der Frauen und Verbesserungen bei der Berufswahl von Frauen.

Frauen, die in der Wirtschaft aktiv seien, stünden immer noch viele Hindernisse im Weg, die sie am Einsetzen ihres ökonomischen Potenzials hinderten, stellte Michelle Bachelet, Leiterin der UN-Frauen-Organisation UN Women, fest. Dies hemme aber nicht nur die betroffenen Frauen, sondern bremse auch das Wirtschaftswachstum. (APA, 11.12.2012)

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