Hervis sexualisiert seine VerkäuferInnen

Sandra Ernst Kaiser
17. Dezember 2012, 17:22
  • "Get serviced" - Das soll ab der letzten Dezember-Woche nicht mehr auf den T-Shirts der Hervis-VerkäuferInnen zu lesen sein. Der Marketing-Abteilung sei ein "Fehler" passiert, heißt es aus dem Unternehmen.
    foto: privat

    "Get serviced" - Das soll ab der letzten Dezember-Woche nicht mehr auf den T-Shirts der Hervis-VerkäuferInnen zu lesen sein. Der Marketing-Abteilung sei ein "Fehler" passiert, heißt es aus dem Unternehmen.

VerkäuferInnen mit T-Shirt-Aufdruck "get serviced" ausgestattet - Das Sportartikel-Geschäft räumt den "Fehler" ein und will den Aufdruck ändern

Wenn es darum geht, Produkte an KonsumentInnen zu bringen, lautet das Motto nicht selten "sex sells". Sexistische Werbung und die damit verbundene sexualisierte Darstellung von Frauen gehört in Österreich quasi zum guten Ton und erregt kaum ein Gemüt. Das Sportartikel-Geschäft Hervis integrierte diesen Sexismus nun auf besondere Art: VerkäuferInnen tragen seit geraumer Zeit T-Shirts mit dem Aufdruck "get serviced" (siehe Bild).

Am Körper getragen ist "get serviced" eine Aufforderung, eine sexuelle Dienstleistung in Anspruch zu nehmen. Denn abgeleitet von "a bull serviced a cow" ist die Phrase "get serviced" in England Teil der Umgangssprache. "He/she serviced me good yesterday" meint am Vortag gut oder ausreichend sexuell befriedigt, bedient worden zu sein.

"Es ist ein Fehler passiert"

Der für diese Aufdrucke verantwortliche Hervis-Mitarbeiter, Günter Hammerer, erklärt gegenüber dieStandard.at, dass der Marketingabteilung hier "ein Fehler passiert" sei. "Wir wollen unsere Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen sichtbarer machen, aber nicht durch eine sexuelle Art und Weise." Man sei seit Montagnachmittag bemüht, die T-Shirts der MitarbeiterInnen aus dem Verkehr zu ziehen, was unter Anbetracht der großen Anzahl - zirka 2.000 VerkäuferInnen - nicht einfach sei. Zudem überlege die Marketingabteilung bereits einen neuen Slogan für die VerkäuferInnen.

Kritik auf Facebook-Seite gelöscht

Auf der Hervis-Facebook-Seite wollte man der Debatte über Sexismus jedoch keinen Raum geben - die T-Shirt-Kritik eines Kunden wurde gelöscht. Auf dessen Nachfrage hieß es von Seiten des Unternehmens, dass das Posting gelöscht wurde, weil Hervis im Posting des Kunden "die Gefahr sieht, dass unsere Mitarbeiter(innen) in den Filialen in Folge dessen belästigt werden können". Es solle verhindert werden, dass sich die Kritik negativ auf die MitarbeiterInnen auswirke, so die Social-Media-Beauftragte von Hervis.

Hammerer sieht das anders und will das so nicht stehen lassen: "Wir sind an einer Diskussion über Sexismus interessiert", sagt er. Zugleich habe er wahrgenommen, dass die KundInnen-Resonanz auf Social-Media-Seiten zu den T-Shirts sehr positiv sei. Nichtsdestotrotz: "Get serviced" soll ab der letzten Dezemberwoche auf den T-Shirts der VerkäuferInnen nicht mehr zu lesen sein. (Sandra Ernst Kaiser, dieStandard.at, 17.12.2012)

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also ich finde etwas spass muss sein undwürde mich darüber freuen und öfters bei hervis einkaufen, wenn sie mehr politisch unkorrekte witze auf den Arbeitsgwand drucken würden. Sowas wie suck my tits. also hierfür thumbs up

wir pudern sie?

Naja, als jemand der zweisprachig aufgewachsen ist, find ich das ist kein richtiger Skandal, aber auch nicht wirklich angebracht. In Anbetracht der eher geringen Englisch-Slang Kenntnisse in Österreich, glaube ich auch eher an ein Versehen, als an volle Absicht. Dennoch, glaube ich nicht, dass es hier um die Kunden sondern um das Personal, beiderlei Geschlechts geht.
Der Begriff wird zwar sehr wohl auch für normale Dienstleistungen verwendet, aber halt auch in einem sexuellen Kontext. Als bestes Beispiel das mir einfiel: Wenn Visagisten ein T-Shirt mit der Aufschrift 'Wir pudern Sie' tragen müssten, also mir wäre das reichlich unangenehm und ich würd liebend gern darauf verzichten. Und das sollten die beim Hervis zu Recht auch können.

Hierzulande ist man ja schon mit der eigentlichen Hauptbedeutung von englischen Wörtern überfordert. Sonst würde man zB einen Müsliriegel wohl kaum mit "corny" vermarkten.

Und anzüglich kann man wohl alles interpretieren, wenn man es will. Auch Marken wie "Wiener Zucker" oder "Foot Locker".

ganz zu schweigen von dickmann's.

na zum Glück passen da welche auf

sonst hätte das ja am Ende kein Kunde bemerkt ;-))

obwohl-bei einem feschen Verkäufer wäre das für frau ja auch nicht uninteressant, auf diese Auslegung zu pochen ;-))

ich versteh auch nicht warum man in österreich wirklich alles anglikanisieren muss???? noch dazu wenn man der sprache nicht so mächtig ist dass dann so ein blödsinn rauskommt. wieso kann man da net was schreiben das deutsch ist??? mich nervt das fürchterlich!!!
I sink I´m spider...

Machen Sie es besser

Wenn es Ihnen gelingt, eine ähnlich kurze und prägnante deutsche Formulierung zu finden (bei der es außerdem auch nicht möglich ist, ihr eine anzügliche andere Bedeutung zu unterstellen), sollten Sie die gleich an Hervis verkaufen.

Lassen Sie sich bedienen!

Persönlich würde ich auch Deutsch bevorzugen

aber vergleichen Sie einmal:
"get serviced" 12 Zeichen inklusive Leerzeichen
"lassen Sie sich bedienen" 24 Zeichen inklusive.

Was glauben Sie,
a) hat besser Platz auf einem T-Shirt bzw. lässt sich in größerer, und damit auch auf Entfernung besser lesbarer Schrift darstellen
b) liest sich schneller bzw. ist mit einem einzigen Blick besser zu erfassen (rudimentäre Englischkenntnisse natürlich vorausgesetzt, aber dafür sollte ja schon unser Schulsystem sorgen)

Außerdem kann ich nur sagen: Honi soit qui mal y pense! Wer irgendwelche Formulierungen daraufhin abklopft, ob er nicht vielleicht irgendwas Unanständiges unterstellen kann, wirft eher ein bezeichnendes Licht auf sich selbst.

Wenn es Ihnen zu lang ist, hätte ich noch "Ich bediene" anzubieten.

Vielen Dank für das Angebot ...

aber "Ich bediene" ist halt schon eine ganz andere Botschaft als "get serviced" (das Sie ja weiter oben durchaus passend mit "lassen sie sich bedienen" übersetzt haben"). Wenn sich im Deutschen "jemand bedienen lässt", so hat das eine negative Konnotation. Als Werbebotschaft und Aufforderung kommt dann beim Leser an: Lassen Sie es sich gut gehen, tun sie das, was sie sonst gerne täten, was aber verpönt ist: lassen Sie sich von uns bedienen.

"Ich bediene" ist hinsichtlich einer Mitarbeiterin im Verkauf eine nahezu lächerliche Aussage: no-na, was sonst macht sie als VerkäuferIn außer die Kundschaft bedienen?

richtig, wir bleiben papsttreue Katholiken, und lassen uns nicht anglikanisieren, Amen!

Der Spruch ist nicht einmal blödsinnig: in Australien und den USA ist der ganz normal. Wer orientiert sich schon an den Briten?

http://getserviced.com.au/
http://www.complex.com/style/201... kiehls-spa

Nicht auf die übliche Bedeutung zu schauen, sondern auf mögliche sexuelle Nebenbedeutungen ist ja so was von pubertär!

die T-Shirts der MitarbeiterInnen aus dem Verkehr zu ziehen

also sind die Mitarbeiterinnen zukünftig entblößt - und verkehr fand statt .
auch das wort " verkehr " könnte als sexuelle belästigung aufgefasst werden, denn es ist bei uns eindeutig ein synonym für den geschlechtsakt

.....

Unsympathische Überheblichkeit, leider typisch

Vorweg: Ich glaube auch, dass das einfach ein EnglischFail war und nichts anders. Der Spruchklopfer wird einfach nicht gewusst haben, was das heißt. Oder haben NUR Frauen das getragen? Dann wärs auffällig.

Aber: Wieso müssen Unternehmen, die Fehler machen, SO VERDAMMT überheblich tun?
Wieso kann nicht ein Mal ein Unternehmensleiter sich hinstellen und rotköpfig sagen "Das ist uns jetzt wirklich peinlich, WIR HABEN DAS NICHT GEWUSST"? Wieso muss man so großkotzige, unmenschliche Haltungen einnehmen, als würde es in Wahrheit am Pöbel liegen, die nicht dankbar genug für die Werbung sind? Das ist nicht Hervis speziell, sondern im Allgemeinen so, wenn Firmen Quatsch machen.

Dadurch wirkts für mich eher wie Ertapptsein bei voller Absicht!

Oder haben NUR Frauen das getragen?

nein, auch männer - aufgrund der tendentiösen verwendung des binnen-Is kann man das aber leicht übersehen.

"get serviced" ist mE im großteil des anglophonen raums keine aufforderung zu einer sexuellen handlung, service(d) steht in diesem zusammehang viel mehr für den service bspsw. eines autos oder motorrads: z.b. "my porsche got serviced" etc. pp.. im allgemeinen ist die sprache etwas sehr wandelbares, man sollte sich also an menschinnen wie der autorin dieses artikels ausdrücklich kein beispiel nehmen. im übrigen wurde ich erst bei durchsicht der kommentare darauf aufmerksam, dass nicht nur hervis-verkäuferinnen diese t-shirts tragen sondern auch hervis-verkäufer - was ich wesentlich schlimmer finde als die tatsache, dass in irgendwelchen englischen kaffs der phraseologismus "get serviced" dem anbieten einer sexuellen handlung gleich kommt.

Bin in England aufgewachsen und diese Deutung ist mir fremd, auch meine Kollegen aus England kennen diese Deutung nicht. Ich frage mich in was für Kreisen sich die Autorin in England bewegt.

Ist halt wieder mal ein typischer Fauxpas der anglizismenverliebten Werbebranche (Stichwort "Body Bag"), aber für mich kein sexistischer Skandal.

man kann nur zutiefst dankbar sein, dass es immer wieder aufmerksame feministen gibt, die die gesellschaft vor einem sexismus retten und bewahren, den ansonsten niemand bemerkt hätte.

SO treibt man den kampf um gleichberechtigung und gesellschaftlichen respekt wirklich voran. wie beiom ändern aller misstände gilt auch hier: das wichtigste zuerst.

Das wichtigste zuerst, gilt niemals.

"Das wichtigste zuerst", oder auch in der Formulierung, "Haben wir keine größeren Probleme?", dient nur dazu, sich um etwas mit Verweis auf größere Probleme (die sich immer finden) um etwas nicht zu kümmern. (Dabei regen sich die Leute selbst ständig über Kleinigkeiten auf. Nur das, über was sich *andere* aufregen, wird als Kleinigkeit abgetan.)

Offenbar war den Marketingmenschen bei Hervis die Doppeldeutigkeit der Formulierung nicht bewusst. Darauf darf man sie schon aufmerksam machen!

die kritik ist viel mehr, dass etwas künstlich zum problem gemacht wird, das keines ist. der artikel ist außerdem äußerst reißerisch und missverständlich formuliert, also eigentlich eine einladung dazu, ihn zu kritisieren. man muss nicht zu allem ja und amen sagen, vielleicht lernen sie das auch irgendwann.

Brauchst a Leiberl gehst zum ebyl

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