Familienministerin kritisiert "sexistische Grimm-Märchen"

Beim Vorlesen für Tochter will Schröder zudem problematische Bezeichnungen "synchron übersetzen"

Berlin - Die deutsche Familienministerin Kristina Schröder (CDU) will beim Vorlesen für ihre eineinhalb Jahre alte Tochter diskriminierende Begriffe sofort entschärfen. Wenn etwa Pippi Langstrumpfs Vater als "Negerkönig" bezeichnet werde oder Jim Knopf als "Negerbaby", dann werde sie dies bei ihrer Tochter "synchron übersetzen, um mein Kind davor zu bewahren, solche Ausdrücke zu übernehmen".

Auch ohne böse Absicht könnten Worte ja Schaden anrichten." Wenn ein Kind älter ist, würde ich dann erklären, was das Wort 'Neger' für eine Geschichte hat und dass es verletzend ist, das Wort zu verwenden", sagte sie der "Zeit".

Andere Geschichten, andere Rollenbilder

Die Ministerin sprach zum ersten Mal über ihre persönlichen Ansichten zur Erziehung und den Umgang mit ihrer 18 Monate alten Tochter Lotte. Schröder sagte, gerade Grimms Märchen etwa seien "oft sexistisch". "Da gibt es selten eine positive Frauenfigur." Sie wolle deshalb neben Grimms Märchen auch andere Geschichten mit anderen Rollenbildern setzen, so die Ministerin. Auch der bestimmte Artikel in "der liebe Gott" habe aus ihrer Sicht nichts zu bedeuten, so Schröder. "Man könnte auch sagen: Das liebe Gott."

Ob Weihnachtsmann oder Christkind kommen, sei im Hause Schröder "noch nicht abschließend geklärt", so die Ministerin. Sie möge das Christkind lieber, in der Familie ihres Mannes komme jedoch traditionell der Weihnachtsmann. Eine Erklärung dafür, dass es beide gibt, hat sich die CDU-Politikerin jedoch schon überlegt: "Naja, zu Weihnachten ist viel zu tun, man könnte daher sagen, dass einer allein das gar nicht bewältigen kann." Sie habe als Kind immer gegrübelt: "Wie schafft das Christkind das bloß alles?"

"Gnadenlos lügen"

Schröder plädierte grundsätzlich für Ehrlichkeit in der Erziehung, so werde sie ihrer Tochter beim Aufkommen erster Zweifel "sofort offen" sagen: "Das mit dem Weihnachtsmann ist eine schöne Geschichte." Auch wolle sie zügig die Evolutionsgeschichte neben die biblische Geschichte setzen.

In einem Fall allerdings rät die Ministerin dringend zur Lüge. Wenn Eltern feststellten, dass sie ihre Kinder nicht in gleichem Maße liebten, dann müsse man "sehr rational sein und das absolut nicht zeigen. Nie. Das ist wirklich eine eherne Regel." Diese gelte, selbst wenn die Kinder fragen würden: "Das ist einer der wenigen Fälle, bei denen ich gnadenlos lügen würde." (APA, 18.12.2012)

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