Studie: Viele Lesben und Schwule erleben Gewalt, Isolation und Angst

Die EU-Grundrechteagentur liefert erschreckende Ergebnisse zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie

Die große Mehrheit der Lesben, Schwulen, bisexuellen und transidenten Personen (LGBT) in Europa hat Erfahrungen mit Diskriminierung, sowohl am als auch außerhalb des Arbeitsplatzes. Mehr als 25 Prozent wurden in den vergangenen fünf Jahren Opfer von Gewalt, und nur weniger als jedes fünfte Gewaltopfer hat Anzeige erstattet. Das sind die zentralen Ergebnissen einer großangelegten europaweiten Studie der EU-Grundrechteagentur (FRA), die zum Internationalen Tag gegen Homo- und Transphobie an diesem Freitag veröffentlicht wurde.

Die Umfrage unter 93.000 LGBT-Personen ergab: Zwei von drei Befragten verbargen oder verheimlichten in der Schule ihre sexuelle Identität. Mindestens 60 Prozent begegneten in der Schule einem homophoben Klima. Aber Ausgrenzung und Diffamierung hören nicht mit dem Ausstieg aus dem Schulsystem auf: 19 Prozent fühlen sich am Arbeitsplatz oder bei der Stellensuche diskriminiert.

Erfahrungen mit Gewalt

26 Prozent der LGBT-Personen wurden in den vergangenen fünf Jahren tätlich angegriffen oder waren Gewaltdrohungen ausgesetzt. 66 Prozent wagten es nicht, in der Öffentlichkeit die Hand ihrer Partnerin oder ihres Partners zu halten - bei Männern lag dieser Anteil sogar bei 75 Prozent. Am stärksten von Diskriminierung betroffen sind der Umfrage zufolge transidente Personen: 30 Prozent von ihnen gaben an, im Jahr vor der Umfrage mehr als dreimal Opfer von Gewalt oder Gewaltandrohung gewesen zu sein. Gleichzeitig stellten die WissenschaftlerInnen der Grundrechteagentur fest, dass Fälle von Hassverbrechen und Diskriminierung im Vergleich zu den genannten tätlichen An- und Übergriffen nur sehr selten gemeldet wurden.

Vivian Reding verurteilt Gewalt und Diskriminierung

EU-Kommissarin Viviane Reding zeigt sich ob der Ergebnisse besorgt und verurteilt Diskriminierung und Gewalt gegenüber LGBT-Personen: "Diskriminierung und Gewalt gegen Homosexuelle sind Verletzungen gegen die Menschenwürde und unvereinbar mit den europäischen Grundwerten", sagte die Justizkommissarin am Freitag auf der Konferenz zur Gleichstellung von Lesben und Schwulen in Den Haag. Aber auch Abgeordnete des Parlaments reagieren auf die erschreckenden Ergebnisse. Ulrike Lunacek, Vorsitzende der Grünen im Europaparlament fordert systematische Initiativen zum Kampf gegen Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung und Geschlechtsidentitäten.

Auch der österreichische Homosexuellen-Aktivist Helmut Graupner meinte in einer ersten Reaktion, dass die österreichische Justiz bei der Sanktionierung homophober Gewalt versage. "Die Ergebnisse der Studie sind erschreckend", so Graupner. In Österreich schütze der Bund - anders als acht der neun Bundesländer in ihren Landesgesetzen - Lesben und Schwule nur am Arbeitsplatz, nicht aber außerhalb davon. Daher ist es in Österreich nach wie vor legal, LGBT-Personen zum Beispiel aus einem Lokal zu werfen oder sie einfach nicht zu bedienen (siehe aktuell "Lücke bei Diskriminierungsverbot bleibt offen").

"Wenigstens Gesetze wirksam vollziehen"

Angesichts der Ergebnisse fordert Graupner, homophobe Gewalt endlich als solche zu bekämpfen - derartige Hate-Crimes müssten als solche benannt und mit strengen Strafen belegt werden. Nicht nur der ungenügende Schutz sei erschreckend, so der Jurist, "noch erschreckender ist die verbreitete Unwilligkeit, wenigstens die vorhandenen Gesetze wirksam zu vollziehen". (eks, dieStandard.at, 17.5.2013)

Link zur Studie

Grundrechteagentur FRA: Zu den Studienergebnissen

Info

Der Internationale Tag gegen Homo- und Transphobie wird seit 2005 jeweils am 17. Mai begangen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) strich am 17. Mai 1990 Homosexualität aus ihrem Diagnoseschlüssel und erkannte Lesben und Schwule damit nicht mehr als "Kranke" an. Transidente Personen werden von der WHO in der International Classification of Diseases (ICD) nach wie vor unter "Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen" angeführt.

Nachlese auf dieStandard.at: Über das Pathologisieren von Transsexuellen

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Erstaunlich, wie viele Menschen hier offenbar ein dringendes Bedürnis haben, homophobe Gewalt zu verharmlosen. Menschenverachtende Idioten.

"Schwul? Schön wärs! Ich habe eine romantische Abnormalität, die so brisant ist, dass sie unter keinen Umständen an die Öffentlichkeit gelangen darf!"

wenn das eine simpsons quote ist (stichwort aquarium) dann find ichs lustig ... :P

Hallo, mein Name ist Troy Mcclure und sie kennen mich bestimmt aus anderen Forumsbeiträgen wie...

Ja, das ist es. Die Sache mit den Fischen. :D

ok - dann bin ich den roten stricherln nach einer der wenigen, die das geschnallt haben ... und das vor meinem zweiten 4. kaffee ... bin stolz auf mich :P

Diskriminierungen und gewalttätige Handlungen gegen....

...heterosexuelle, männliche Österreicher interessieren währenddessen keinen Menschen. Erst wenn eine dieser drei Eigenschaften nicht gegeben ist, besteht Handlungsbedarf.

einen buchstáben ihres nicks ändern- dann passt's

sie dürfen raten....

ist vielleicht nicht thema des artikels?

warum muss man leid immer quatifizieren und vergleichen? Und wann is jemals ein heterosexueller aufgrund seiner sexuellen orientierung diskiminiert worden? dürfte sich um sehr überschaubare fallzahlen handeln.

zumeist sind es dann doch eher heterosexuelle, männliche österreicher die gewalttätige handlungen gegen ebendiese ausüben.

oder willst du über deine schlechten erfahrungen reden?

Blödsinn. Du wirst nicht diskriminiert. Aber keiner hält dich auf, falls doch, dieses Diskriminierung publik zu machen.

"Blödsinn. Du wirst nicht diskriminiert. Aber keiner hält dich auf, falls doch, dieses Diskriminierung publik zu machen."

da der großteil der menschen in unserer gesellschaft genau diese geistige grundhaltung einnehmen (aka blödsinn, du wirst nicht diskriminiert) - wie hoch denkst du ist die wahrscheinlichkeit, dass die beschwerde eines mannes an seinen chef, dass ihm die kollegin ständig zu nahe tritt, einfach abgetan wird (oder mit "sei doch froh, sie schaut ja gut aus" und ähnlichen meldungen behandelt wird, womit wieder das völlig verblödete stereotyp bedient wird, männer würden alles nehmen, was sie kriegen könne und sind daher nicht berechtigt nein zu sagen ...)?

egal, wie schon vorher geschrieben, falsches thema, falsches forum, das problem an sich besteht aber sehr wohl.

Es werden doch die meisten diskriminiert, nur nutzt es nicht jedem, dies publik zu machen.

Wer hat diesen Tag ausgerufen?

Die Probleme der Schwulen und Lesben sind ja wirklich nicht zu leugnen, aber wer hat dieses junge Wort erdacht - Homophobie? Klingt ein bisserl nach Arachnophobie - Spinnenangst.

Das verharmlost eigentlich Diskriminierung. Die lässt sich nämlich nicht einfach wegtherapieren.

Kann sich eigentlich jeder einen Tag wünschen, der ein paar Journalisten kennt, die diesen ein paar Jahre auf ihrer Website herbeischreiben?

Der Norbert

Wir hatten in der Schule einen, das war der Norbert. Ein stiller, ruhiger, etwas dicklicher und unbeholfener Bursche. Wir waren damals zwischen 11 und 14 Jahren. Ich kann nicht mehr sagen, was es eigentlich war, aber auf den Norbert sind alle losgegangen, über den Norbert hat man sich permanent lustig gemacht. Der hat es wirklich arg abgekriegt, Jugendliche können enorm grausam sein. Was ich damit sagen will ist, dass es scheinbar einen dem Menschen tief innewohnende Lust gibt, andere Menschen zu drangsalieren und zu verletzen. Einer kriegt es immer ab. In dem Fall eine Gruppe. Die Anderen. Ich wünsche mir wirklich von ganzem Herzen, dass der Verstand über diese Affekt obsiegen kann, leider kann ich es mir so überhaupt nicht vorstellen.

Ganz richtig! Aber als Österreicher der in 5 westeuropäischen Ländern gelebt hat

habe ich den Eindruck gewonnen, dass diese Lust hier bei uns noch deutlich ausgeprägter ist als überall sonst wo ich war.

ich glaub dieses thema hat sich wirklich schon längst erledigt. ich arbeite in einem bürokomplex mit 600 mitarbeitern. vor 20 jahren war das vielleicht noch ein thema, aber die meisten haben sich irgendwann geoutet. es kommt auf den menschen an - die sexuelle orientierung ist im büro doch egal. und ob der kollege am via-a-vis tisch pflegeurlaub für seienen partner nimmt oder ich für meine kids ist doch wohl egal. mag sein, dass es beim abteilungstreffen mit anhang es für einen augenblick komisch ausschaut, wenn nicht die ehefrau/freundin mitkommt, sondern der freund - aber das ist nach einer sekunde schon erledigt. ich glaub, wenn man von seiner eigenen lebensform überzeugt ist, bringt man das auch so rüber.

bitte über die grenzen wiens (und wenn man großzügig ist - österreichs) hinausdenken.

das ist nicht überal so, nicht in den ländlichen gebieten österreichs, und schon ga nicht außerhalb europas.

Das mag vielleicht für Ihr Umfeld gelten, und das ist auch gut so, aber global gesehen ist Toleranz/Akzeptanz/Für-Egal-Befinden von Nicht-Heteros noch Großbaustelle.

genau.

und wie überflüsig diese thema ist, sieht man am besten am neuen antidiskriminierungsgesetz, das durch die reaktion der schwarzen und die dummheit derv roten diesen namen wieder nicht verdient....
wie wär's mit ein bissi mitdenken??!

Beweislastumkehr ist Unsinn..

man kann nämlich schwer beweisen was man/frau nicht getan hat

das übliche, sinnentleerte post.....

es geht drum, dass man dank der schwarzblaunen zwar gegen jede menge (zb religiös) motivierte diskriminierung vorgehen kann, aber nicht gegen jene.
und ihr argument trifft auf jede klage wegen diskriminierung zu. passt also, wie üblich, nicht.

viele heteros erleben isolation, gewalt und angst. und zwar prozentuell wahrscheinlich haargenau gleich viel. aber hey, wen interessiert schon sowas wie relevanz einer schlagzeile/studie.

"prozentuell wahrscheinlich haargenau gleich viel"

jo eh.

wahrscheinlich schließt du von negativen erfahrungen aus deinem leben gleich auf alle andere, aber lass dir sagen - dem ist sicher nicht so. beispiel: das wort "schwuchtel" bzw. "du bist schwul" wird bei kindern immer noch als schimpfwort verwendet.

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