Genitalbeschneidungen nehmen weltweit ab

  • In Kenia ist die Zahl der beschnittenen Mädchen in den letzten Jahren zurückgegangen. In Familien wie der von Habiba Abdullahi Yunus aus Garissa zeigt sich die gesellschaftliche Veränderung innerhalb einer Familie. Ihre älteren drei Töchter ließ sie noch beschneiden, die beiden Jüngeren nicht mehr.
    foto: unicef/nesbitt

    In Kenia ist die Zahl der beschnittenen Mädchen in den letzten Jahren zurückgegangen. In Familien wie der von Habiba Abdullahi Yunus aus Garissa zeigt sich die gesellschaftliche Veränderung innerhalb einer Familie. Ihre älteren drei Töchter ließ sie noch beschneiden, die beiden Jüngeren nicht mehr.

UNICEF untersuchte die Lage in 29 Ländern: Mädchen werden heute seltener Opfer von Beschneidungen

Köln - Die heutige Generation der Mädchen wird laut einer UNICEF-Studie deutlich seltener Opfer von Genitalverstümmelungen als die Generation ihrer Mütter. In den meisten Ländern, in denen es die Tradition der Mädchenbeschneidung gibt, spricht sich laut einem am Montag veröffentlichten Bericht des UN-Kinderhilfswerks inzwischen eine Mehrheit der Menschen gegen das brutale Ritual aus.

Einstellung hat sich überall gewandelt

UNICEF untersuchte die Situation in den 29 am stärksten von Genitalverstümmelungen betroffenen Ländern. Dem Bericht zufolge geht der Wandel allerdings in vielen Regionen nur langsam voran. So bestehe für weiterhin jährlich drei Millionen Mädchen die Gefahr, an den Genitalien beschnitten zu werden. Weltweit müssen laut UNICEF 125 Millionen Frauen mit den Folgen des Eingriffs leben.

Die aktuelle Untersuchung zeigt, dass in allen 29 Ländern in Afrika und im Mittleren Osten  immer weniger Frauen und Männer die Tradition unterstützen. Deutliche Fortschritte gibt es in Irak, Kenia, Liberia, Nigeria, Tansania und Zentralafrikanische Republik. Doch trotz des Einstellungswandels hat sich in einigen Ländern wie Ägypten, Dschibuti, Guinea und Somalia in den vergangenen Jahren wenig geändert: Hier werden weiter mehr als 90 Prozent der Mädchen beschnitten.

Soziale Verpflichtung als Hauptgrund

Wie UNICEF berichtete, wird als häufigster Grund für die fortgesetzte Mädchenbeschneidung das Gefühl sozialer Verpflichtung angegeben. Die Angst vor Ausgrenzung sei dabei sogar stärker als die Sorge vor Strafverfolgung wegen der in vielen Ländern inzwischen gesetzlich verbotenen Praxis.

Kinderhilfswerk fordert "offene Debatte"

UNICEF fordert als Konsequenz eine offene Debatte in den betroffenen Ländern, die möglichst viele Frauen und Männer inkludiere. Denn häufig würden Eltern ihre Töchter beschneiden lassen, weil sie annehmen, dass das erwartet werde - obwohl in mehreren dieser Länder auch die Mehrheit der Männer gegen Mädchenbeschneidung sei. (APA/red, dieStandard.at, 22.7.2013)

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17 Postings

Endlich mal eine gute Meldung zu dem Thema!

[Menschenrechte n°7] Der Friedensnobelpreisträger setzt sich gegen Genitalverstümm…

äh, sorry, hab mich verlesen … FÜR Genitaldurchsuchungen ein:

« Guantanamo genital searches to continue. Court allows "religiously and culturally abhorrent" practice after Obama administration appeal. »¹

Die Mainstream-Medien berichten ja in den letzten Wochen kaum über Guantanamo, wo laut US-Militär aktuell 46 Menschen¹ zwangsernährt werden.

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¹ www.aljazeera.com/humanrigh... 46602.html

Überschrift: "Genitalverstümmelungen nehmen ab"

Und dann geht es im gesamten Artikel nur um die weibliche Genitalverstümmelung?
Auch wenn es Unterschiede zwischen der Beschneidung bei Mann und Frau gibt was die Schwere der Folgen etc. hat ist die Überschrift irreführend und demzufolge der Artikel sexistisch.

Davon abgesehen freue ich mich über jede unfreiwillige Beschneidung die nicht durchgeführt wird, egal welches Geschlecht es betrifft.

Wenn du Vorhautbeschneidung als Genitalverstümmelung bezeichnest, also mit einem klar auf Frauen bezogenen Begriff, helfen auch keine Erklärungen: Du relativierst FGM.

Genitalverstümmelung, die: (rituelle) Praktik, bei der die Geschlechtsteile (Genitalien) beschädigt, ganz oder teilweise entfernt werden.

Wofür das "F" in FGM steht wissen Sie hoffentlich, das hat einen Grund warum das da steht. Das Wort Genitalverstümmelung allein ist nicht Geschlechterspezifisch, da nicht nur Frauen Geschlechtsteile haben und nicht nur bei Frauen selbige verstümmelt werden können.

Die Tatsache dass viele bei Genitalverstümmelung ausschließlich an Frauen denken zeigt nur dass sich Sexismus nicht nur gegen Frauen richtet. Dass die weibliche Genitalverstümmelung klar die Priorität bei der bekämpfung haben muss ist kein Argument die männliche komplett unter den Tisch zu kehren.

Der Begriff Genitalverstümmelung ist in der Öffentlichkeit klar mit FGM gleichgesetzt. Gerade wegen der auch von dir genannten Unterschiede ist es nicht sinnvoll, diesen Begriff für zwei so unterschiedliche Phänome zu verwenden, weil das immer auch eine Relativierung von FGM bedeutet, selbst wenn du das wahrscheinlich gar nicht beabsichtigst.
Hier in diesem Artikel geht es um FGM. Es ist legitim, dieses Thema zu behandeln, ohne auf männliche Beschneidung einzugehen.
Hingegen kann es schnell Derailing sein, hier über männliche Beschneidung diskutieren zu wollen: http://geekfeminism.wikia.com/wiki/Derailment
Das heißt nicht, dass männliche Beschneidung kein Problem wäre, aber hier ist eher nicht der Ort, darüber zu diskutieren.

"Der Begriff Genitalverstümmelung ist in der Öffentlichkeit klar mit FGM gleichgesetzt."

Wenn jemand eine Anzeige aufgibt in der steht "suche Bäcker" wird das in der Öffentlichkeit auch mit "suche Menschen der den Beruf des Bäckers erlernt hat" gleichgesetzt und nicht als explizit männlich, trotzdem kann diese Version strafrechtliche folgen haben.
Wenn es diskriminierend ist eine männliche Form allgemein zu verwenden ist es auch diskriminierend eine allgemeine Form nur für die weibliche Variante zu verwenden.
Man kann auch keinen Artikel mit der Schlagzeile "Gewaltverbrechen gehen zurück" schreiben und dann nur über Vergewaltigungen schreiben weil die besonders grausam sind und zu sagen es würde hier nicht herpassen auch über Menschen zu reden die "nur" verprügelt worden sind. Diese Argumentation ist einfach nur zynisch.

Grauenvoll, dass Mütter das ihren Töchtern antun, weil Männer sich das erwarten und man die Töchter sonst nicht "los wird". :-(
Dürften Frauen ein selbstbestimmtes Leben führen und vernünftig arbeiten, müsste man sie auch nicht "durchfüttern" und bräuchte sie nicht "loswerden müssen".

Seh´ ich ganz genauso.
Schade, daß dieses gute Posting rot niedergestrichelt wird.

ja klar.

Immer sind es die Männer.
Auch wenn es Frauen betreiben.
Auch wenn Frauen es gegen den Willen des Vaters machen.
Wie in Äthiopien,
wo ein Vater erst nach massiven Druck
der Frau zugestimmt hat.
Aber da war es dann auch wieder der Mann.

Und wenn es um Buben geht, da ist es ohnedies egal.
Da reicht es, wenn es die Mütter "ästhetischer" (!) finden, wenn 70% des sensiblen Gewebes am Penis ohne Schmerzbehandklung entfernt wird.

Aber: Super, dass zumindest bei Mädchen diese Barberei aus der Kupferstinzeit weniger wird. NJun sollten wir das auch für alle Kinder, unabhängig vom Geschlecht, durchsetzen.

mfG

Es geht bei solchen Fragen nie darum, ob Frauen oder Männer schuld sind, denn das Patriarchat, in dem solche Misshandlungen angelegt sind, wird von Männern und Frauen getragen - auch wenn bestimmte Männer natürlich davon profitieren, Frauen aber nicht.

So monokausal ist das in vielen dieser Länder dann doch nicht. Oft kommt etwa noch rituelle Initiierung zur Frau, Gesundheitsmythen und Glaube an "bessere Reinlichkeit" dazu. Manche Mütter handeln also durchaus eigenständig.

Auch kann man anmerken, dass der Verstümmelungsbegriff bei Frauen absolut ist, dazu also bspw. auch zählt, was hierzulande als freiwillige Labioplastik akzeptiert ist. Die etwa im Sudan dominierende Totalbeschneidung (Infibulation) ist mit ~ 15% weltweit eine Minderheit.

Wobei der absolute Großteil freilich auch so zweifellos äußerst destruktiv ist, allein durch die grauenhaften Bedingungen, unter denen sie meist durchgeführt werden (diese führen auch bei rit. Beschneidung am Mann im südl. Afrika regelmäßig zum Tod).

Zitat: Auch kann man anmerken, dass der Verstümmelungsbegriff bei Frauen absolut ist, dazu also bspw. auch zählt, was hierzulande als freiwillige Labioplastik akzeptiert ist.

Bitte um nähere Erklärung:
Ein absoluter Verstümmelungsbegriff ist was?
Was ist hierzulande eine freiwillige Labioplastik? Und wo ist das akzeptiert?

> ist was?

Einer, der jegliche Formen ohne Bezug auf Schädlichkeit umfasst. Bspw. gilt auch der sog. "rituelle Nadelstich" als Verstümmelung, bei denen nicht mehr als ein Tropfen Blut genommen wird. (Für eine Legalisierung dieser in den USA sprach sich die AAP 2010 kurzzeitig aus, um den Beschneidungstourismus nach Afrika einzudämmen, und kassierte mächtig Ärger.)

(Ähnlich argumentieren auch Verfechter der nicht-therapeutischen Knabenbescheidung: Es sei nicht nachgewiesen, dass diese schädlich sei, demnach kein Grund für ein Verbot. Halte man davon was man will, dem Gesetzgeber passt es hier.)

> Was ist hierzulande eine freiwillige Labioplastik?

Na das, was eine Frau am eigenen Unterleib vom Schönheitschirurgen vornehmen lassen kann.

und beschneidungen sind weiter erlaubt

leider

vielleicht gibt es bald mehr Vorbilder wie die Waris Dirie für die betreffenden Länder...

Waris Dirie hat als erste Frau im arabischen Sender Al Jazeera in einer Talkshow über die Genitalverstümmelung geredet und so ein Tabuthema im arabischen Raum gebrochen... - bei uns ist sie auch für ihr autobiographisches Buch die Wüstenblume bekannt (wenn man mehr über dieses Thema erfahren möchte)

auf der anderen Seite gibt es aber zB sogar in Brüssel Familien die extra nach Afrika fahren und ihre Töchter beschneiden... einfach unbegreifbar

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