Homophobie gibt es auch in Europa

18. Februar 2014, 10:25
  • Europaweite Proteste gegen Russlands Gesetzgebung begleiten die diesjährigen Winterspiele in Sotschi.
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    foto: apa/epa/florian schuh

    Europaweite Proteste gegen Russlands Gesetzgebung begleiten die diesjährigen Winterspiele in Sotschi.

Podiumsdiskussion über Situation von Homosexuellen in der EU - Heinisch-Hosek für Aufklärung an Schulen und gegen Entwicklungshilfe für Länder mit Todesstrafe für Schwule

Wien - Im Vorfeld der Olympischen Spiele wurde Russland von der EU und der internationalen Staatengemeinde wegen seiner homophoben Gesetzgebung kritisiert. Doch homophobe Übergriffe sind auch jenseits von Russland keine Seltenheit. Eine Podiumsdiskussion am Wiener Renner Institut am Montagabend kam zur Erkenntnis, dass auch in Österreich und anderen EU-Staaten schwule, lesbische, bisexuelle und transgender Personen (LGBT) oft mit Anfeindungen und Diskriminierungen zu kämpfen haben.

Eine Studie der Agentur der Europäischen Union für Grundrechte (FRA) liefert dazu eindrucksvolle Daten. Demnach würden 60 Prozent der befragten Personen aus Angst vor homophoben Attacken auf der Straße nicht Händchen halten. Besonders hoch sei der Wert, mit einem Drittel der Befragten, bei homosexuellen Männern, erklärte FRA-Direktor, Morten Kjaerum.

Kein Vertrauen in System und Gerichtsbarkeit

Ingrid Nikolay-Leitner, Leiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft, berichtete etwa von einem schwulen Paar, dass einer Therme verwiesen wurde, weil es sich geküsst hatte. Viele Betroffene meldeten solche Diskriminierungen nicht, weiß Angela Schwarz von der Wiener Antidiskriminierungsstelle für gleichgeschlechtliche und transgender Lebensweisen. Sie hätten kein Vertrauen in das System, auch nicht in die Gerichtsbarkeit. Viele hätten sich an die Diskriminierungen schon gewöhnt und seien gewissermaßen schicksalsergeben, oder würden sich vor einem Outing vor diversen Instanzen fürchten.

"Österreich ist eine wertkonservative Gesellschaft", konstatierte Frauen- und Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ). Daran seien Versuche, Antidiskriminierungsgesetze auch außerhalb des Arbeitsrechtes zu etablieren, bisher gescheitert. Sie wolle in Zukunft vermehrt in der Schule über Homosexualität aufklären. So sollen einerseits homosexuellen Jugendlichen eventuelle Ängste vor einem Outing genommen werden und andererseits ein Boden für Toleranz geschaffen werden.

Auswirkungen für Entwicklungszusammenarbeit

Auch ein Gespräch mit Außenminister Sebastian Kurz (ÖVP) kündigte die Ministerin an. "Österreich muss sich sehr genau überlegen, ob es Gelder der Entwicklungszusammenarbeit in Länder schickt, wo auf Homosexualität die Todesstrafe steht", betonte Heinisch-Hosek.

Bastiaan Winkel, Koordinator des LGBT-Projektes des Europarates, lud die Ministerin ein, sich an einem Projekt der Staatenorganisation zu beteiligen. Dieses fußt auf einer Empfehlung des Europarates aus 2010 zur Bekämpfung von Diskriminierung aufgrund sexueller Orientierung oder Geschlechteridentität. Die Teilnahme an dem Projekt, das von Schulungen bis hin zur Einbettung in die nationale Gesetzgebung und der gemeinsamen Entwicklung eines langfristigen "action plan" reicht, ist freiwillig. Laut Winkel steht Österreich in der Umsetzung von Maßnahmen zur Bekämpfung von Diskriminierung von LGBT-Personen derzeit an 15. Stelle von 49 Ländern. Er sei optimistisch, was Europa betrifft, es gebe aber keinen Anlass, sich auf die Schulter zu klopfen, so Winkel. (APA, 18.2.2014)

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5 Postings
"Homophobie gibt es auch in Europa"

Befindet sich die Osteuropäische Ebene als Teil Russlands in Amerika?

coming out habe ich ja wie viele andere auch schon länger als outing abgekürzt, auch wenn es eigentlich etwas anderes heisst.
bekam früher da auch einige rückmeldungen diesbezüglich.
in der alltagsssprache ist es ja auch egal und trotzdem verständlich, was gemeint ist.

aber nachdem hier ja diestandard.at ist:
hat sich der bedeutungsgehalt diesbezüglich im laufe der jahre dermassen verändert, oder sind "wir" heutzutage primär bei der bekämpfung von outing-ängsten von jugendlichen tätig?

Ein weites Feld

Wer wirklicher Homophobie entgegen treten will, kommt an unseren muslimischen Mitbürgern nicht vorbei.Denn trotz aller Beschwichtigungen und Wegschauen staut sich dort der größte Homosexuellenhaß auf. Aber dieses heisse Eisen wird sich in Jahren kein Politiker anzugreifen trauen und daß auch dank der Politik von Grünen und Roten, die jede kritische Bestandsaufnahme gleich als Rassismus bezeichnen.
"...doch sie (Christen) werden durch den Grad der Fremdgruppenfeindlichkeit unter europäischen Muslimen weit in den Schatten gestellt. Fast 60 Prozent lehnen Homosexuelle als Freunde ab"
http://www.wzb.eu/sites/def... opmans.pdf

In Wahrheit sind die meisten hier lebenden Christen doch höchstens am Taufschein welche, oder zumindest sehr säkular geprägt, was bei den zuallermeist zugewanderten Muslimen eher nicht der Fall ist.

Es kommt halt vor allem darauf an, wie sehr man sein Leben von der Religion bestimmen lassen möchte, und da ist es weitgehend egal, welcher Konfession angehört.

Die Akzeptanz ist Zeugen Jehovas zB noch niedriger. Orthodoxe Juden fragt man zu diesem Thema lieber auch nichts. Und Islam geht auch anders: http://actup.org/news/en/f... r-un-imam/

Und was ändert das jetzt an der Tatsache und der Wahrheit das bei Muslimen die Homophobie 5mal stärker ausgeprägt und verbreiteter ist als bei Christen/Westeuropäern?

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