Falscher Weg

von Redaktion  |  22. April 2004, 07:00
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Elisabeth Badinter ficht in ihrem Buch "Die Wiederentdeckung der Gleichheit" die Viktimisierung der Frauen durch den Feminismus an

Als die Gleichheit der Geschlechter zum letzten Kriterium für eine echte Demokratie wurde, waren die Feministinnen noch auf dem richtigen Weg. In den 80ern haben sie eine falsche Abzweigung genommen: Die auf den Holzweg.

Im französichen Original, das 2003 erschienen ist, ist der Titel des neuen Buches von Elisabeth Badinter nicht so sehr Plädoyer wie im Deutschen, in dem aus "Fausse route" "Die Wiederentdeckung der Gleichheit" wurde; es ist eine Zurechtweisung. Die Mitdenkerin und Weggefährtin des französischen Feminismus räumt oft statistik-, zitat- und detailgetreu mit den Irrtümern der Differenzfeministinnen (amerikanischer Facon) auf und fasst sie doch unter einem Nenner zusammen: dem der systematischen Viktimisierung der Frauen.

Gegen Klischees

In den Gesetzen zu sexueller Belästigung sieht Badinter Wegbereiterinnen zur Rückkehr in Stereotypien: die des "weiblichen Opferlamms und des gewalttätigen Mannes". Die auslegbaren Begriffe der "psychischen" Belästigung lassen sie durch Dworkin/MacKinnon vorangetriebene Rechtszustände in der alten Welt naher Zukunft befürchten - die beiden amerikanischen Feministinnen hatten in den frühen 80ern in Minneapolis und Indianapolis mit der Unterstützung der Republikaner Pornografie als Verletzung der Bürgerrechte durchgesetzt. Gegen das um sexuelle Belästigung erweiterte Verständnis des Autoritätsmissbrauchs stellt sich Badinter nicht. Wo Abhängigkeitsverhältnisse bestünden, sollte der Gerichtsweg offen stehen, ansonsten könne frau Affronts aber anders regeln, und sei's durch "saftige Ohrfeigen", wie sie über ein Zitat der französichen Ex-Frauenimisterin Veronique Neiertz wissen lässt.

Revidiert

Generell ist es Badinter ein großes Anliegen, zu vermitteln, dass Frauen Aggressivität und Gewalt nicht nur durch die Opferrolle kennen. Sie untermauert ihre Sichtweise, indem sie neben der Argumentation gegen eine rein reaktive Frauengewalt im Alltag auch die Greueltaten der Nazi-Täterinnen oder die der ruandischen Hutu-Kämpferinnen anführt, die von den Viktimisierungsfeministinnen laut Badinter verschwiegen worden sind, um die vorherrschende Idee der Viktimisierung nicht zu trüben.

Ebenso eine bewusste Auslassung und zugleich einen "Widerspruch", so die Kapitelüberschrift, macht Badinter im Bereich Sexualität fest: Nicht einbezogen würden die sexuellen Realitäten und Bedürfnisse, wenn der Ruf den neuen Feministinnen nach "Einheitssexualität" - zwar nicht laut, noch nicht laut - artikuliert werde. Deren Anti-Haltung gegenüber Sexarbeit jeglicher Form meine aber nichts anderes, so Badinter. Derweil Frauen ebenso pathologische Begierden hätten und die Strukturen mitbestimmten, mehr als zugegeben werde.

Quitt

Das Einfordern besonderer Rechte und Strukturen für Frauen beruht auf dem in Badinters Augen falschen Grundsatz des Geschlechterunterschiedes - wie könnten aus diesem "richtige" Ergebnisse hervorgebracht worden sein? An der feministischen Entwicklung der letzten zwanzig Jahren zumindest sieht die Philosophin nicht viel Positives oder für junge Frauen Erbauenendes, wie sie anmerkt; zudem sie dieser Abweichung vom Konzept der Gleichheit eine in Ressentiment umgeschlagene Enttäuschung ob der Stagnation punkto Gleichstellungsbemühungen zugrundelegt. Und ihrer eigenen Enttäuschung darüber hat sie mit ihrem flüssig zu lesenden Werk - gar nicht so heiße Luft - verschafft. (red)

192 Seiten
Ullstein
2004
ISBN: 3550075928
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Wladimir Estragon
23.05.2004 14:58
Prinzipien für die gerechte Verteilung von materiellen Gütern sind:

- Proportionalitäts- oder Verdienstprinzip: Jedem wie es ihm gehört. Wobei, je nach Auffassung, völlig unterschiedliche Dinge als Verdienst betrachtet werden.
- Leistungsprinzip: Jedem proportional zu seiner Leistung.
- Bedürfnisprinzip: Jedem zumindest so viel an Gütern, dass er seine Grundbedürfnisse befriedigen kann, und zwar nachhaltig mit einem minimalen Wohlbefinden.
- Egalitarismus: Allen gleich viele Güter.
- Prinzip der Neidfreiheit: Güter sind so zu verteilen, dass niemand neidisch auf einen anderen werden kann.
- Kommunistisches Prinzip: Jedem nach seinen Fähigkeiten und Bedürfnissen.
- Maximinprinzip: Produktion und Verteilung von Gütern soll so gehandhabt werden, dass der in dieser ... usw.
> Es ist viel komplexer

Antony Hewish
28.04.2004 13:22
@froilein froilein

Gesetze müssen pauschal gelten: Ja, finde ich auch. Für Männer UND Frauen (Wehrpflicht, PAA 65 Jahre).
Wenn ich sage, die genannten Arbeiten wie Kindererziehung oder Altenpflege sollten für die Pension stärker angerechnet werden, dann meine ich das PAUSCHAL, für Männer und Frauen, ich habe nicht von Sondergesetzen für jeden einzelnen gesprochen. Ich verstehe nicht, wie das falsch verstanden werden könnte, es sei denn mit Absicht. Kein Mensch hätte Verständnis dafür, wenn am Ende des Jahres jeder Frau ein Bündel Geld in die Hand gedrückt würde, für die (großteils) von Frauen unentgeltlich geleistete Sozial-Arbeit. Fändest du das etwa gerecht?

MarioV 
28.04.2004 09:16
Fairness-Experiment

Wie wäre es mit einem Fairness-Experiment?
Frauen verzichten auf Quoten und Positiv-Diskriminierung wenn dafür ein Alternativplan auf den Tisch gelegt der verhindert das Frauen übergangen werden.
Versagt dieser Plan in der Praxis dann gibt es wieder Quoten usw.
Dann könnte die Frage ob Förderung notwendig ist oder nicht statt durch fruchtlose, theoretische Ideologie-Debatten im praktischem Experiment geklärt werden.

Sonstwer
27.04.2004 09:14
ich weiß ich weiß , bei so einem Artikel als Mann zu posten ist mehr als mutig,...

jedoch möchte ich die Frauen daran erinnern , dass nicht nur sie , sondern auch ich gleichberechtigt bin.

Bei allem schlechten , bei vielen Verbrechen , Gewalttaten , Kriegen oder Diskriminierungen muss man trotzdem bedenken , dass es nicht die Männlichkeit ist die unsere Gesellschaft dazu treibt.

Und vergessen darf man auch nicht , dass Männer auch Diskriminiert werden können und dass es keinen Unterschied machen sollte welches Geschlecht ein Mensch hat der schlecht behandelt wird.

Dass alle Frauen in Österreich unschuldig und hilflos sind glaube ich bei weitem nicht mehr , dies allerdings einem Vergewaltigungsopfer zu sagen wäre mehr als nur unpassend.

Langjähriger Feminismus greift , jedoch soll er zu einem Gleichgewicht führen

MarioV 
28.04.2004 09:49

Überleg Dir mal unter welchem Druck Frauen stehen. Ein kurzer Atemzug der Freiheit nach jahrhundertelanger Unterdrückung. Und ständig im Bewußtsein das Männer immer noch die Macht haben das jederzeit rückgängig zu machen.
Stell Dir mal die alten Grundherren hätten noch so eine Machtfülle - der Zorn der Bauern würde gewaltig sein.
Wirklich unumkehrbar wird die Gleichberechtigung niemals sein - aber um die Wahrscheinlichkeit zu minimieren müssen Frauen darauf drängen auf möglichst allen Gebieten ein Machtgleichgewicht herzustellen.

Markus H. 
28.04.2004 16:54

Du schreibst, dass Frauen in moglichst allen Gebiete darauf drängen sollen ein Machtgleichgewicht herzustellen. Das ist soweit richtig. Was soll aber mit denjenigen Gebieten geschehen, bei denen Frauen schon lange (oder schon immer) in der Übermacht bzw. im Vorteil sind?

Wenn es dir wirklich um Gleichberechtigung geht, so muss auch dort ein Machtausgleich stattfinden! Leider hält sich die Bereitschaft bei den Frauen im allgemeinen und bei vielen Feministinnen im besonderen dazu stark in Grenzen! Es werden Privilegien wie ein früheres Pensionsantrittsalter mit allen möglichen Mittel verteidigt.

MarioV 
29.04.2004 08:02

Das unterschiedliche Pensionsalter ist für die nächste Generation bereits gefallen.

Markus H. 
29.04.2004 12:08

Ja es ist gefallen, aber mit welchen Modalitäten ist sehr bezeichnend. Die Angleichung wurde ca. 1999 beschlossen und sie beginnt erst nach 20 später 2019 wirksamzuwerden. Die Angleichung selbst soll dann nochmal 15 Jahre dauern.

Imho stellt dieses Gesetz einen Rekord bei der Übergangszeit auf. Diese Übergangszeit wurde nur dorch den massiven Druck von Feministinnen erreicht, die sich wehement gegen eine Verkürzung dieser 20 Jahre ausgesprochen haben! Dabei wäre es ebenso problemlos möglich gewesen die Anpassung beispielsweise nach 5 Jahren zu beginnen. Allein es fehlte der politische Wille die Gleichberechtigung beim Pensionsalter in angemessenen Fristen zu erreichen!

MarioV 
29.04.2004 14:48

Das unterschiedliche Pensionsalter ist historisch begründet, da Männer durch die Witwenpension eine Zusatzleistung erhalten die irgendwie finanziert werden musste.
Aber das mit dem Raufsetzen des Pensionsalters ist ohnehin eine Farce wenn jetzt bereits Leute über 30 zu alt für den Arbeitsmarkt sind (kein Witz, ich hab da mal die Stellenangebote im Standard studiert und da waren etliche mit Höchstalter 30)

Markus H. 
29.04.2004 22:43

Dass das Pensionsalter historisch begruendet ist steht ausser Frage und es kann auch keiner mehr was dagegen unternehmen. Mein Protest richtet sich gegen den ueberlangen erhalt dieser historisch gewachsenen Ungleichbehandlung!

Aber was soll das mit der Witwenpension zu tun haben? Frueher hats doch die nur fuer Frauen gegeben und nicht wie du schreibst fuer Maenner!

Oder meinst du, damit die Maenner auch noch die Witwenpension finanzieren haben koennen, haben sie zusaetzlich noch um 5 Jahre laenger Arbeiten muessen und die Frauen haben im Gegenzug durch die laengern Lebenserwartung auch noch durch das fruehere Pensionsalter an Auszahlungsjahren gewonnen. Das war somit eine 4fache Benachteiligung der Maenner bei der Pension.

MarioV 
30.04.2004 08:01

Die Männer wollten nicht das die Frau arbeiten geht, und daher mussten sie logischerweise mehr arbeiten um die Versorgung der Frau im Alter zu gewährleisten. (Selbst eingebrockt)

Markus H. 
30.04.2004 11:45

Sehr schön wie die Männerbenachteiligung als selbsteingebrockt bezeichnest. Das soll wohl dazu dienen um zu verbergen, dass Frauen an dieser Misere ebenfalls mitschuld sind.

Lässt du übrigens ein lapidares "selbst einebrockt" auch für Frauen stehen, die durch Kinderpausen Probleme am Arbeitsmarkt bekommen haben? Die haben es sich ja auch "selbst eingebrockt" dass sie diesen Weg gewählt haben. (Wobei noch der unterschied besteht, dass jede Frau sich einzeln für oder gegen diesen Weg entscheiden konnte, im Gegensatz zur Wehrpflicht/Pensionsalter das jeder Mann aufgedrückt bekommt)

Die "selbst eingebrockt" Haltung ist in beiden Fällen nur zynisch und genau so wie du die diese für Frauen verwehren wirst, verwehre ich mich dieser gegen Männer.

MarioV 
30.04.2004 12:29

Der Unterschied ist: Früher durften viele Frauen nicht arbeiten.

Markus H. 
30.04.2004 12:40

Und ist der Unterschied heute noch relevant um ein unterschieldiches Pensionsalter zu rechtfertigen?

NEIN!

MarioV 
30.04.2004 18:36

JA, das ist nämlich diese Generation. In meiner Generation gibt es bereits das gleiche Pensionsalter.

Markus H. 
01.05.2004 01:18

Wirklich?

Frauen durften imho ab ca. 1970 alleine entscheiden ob sie arbeiten gehen wollen. Demnach handelt es sich bei den Betroffenen dieser Regelung um die Jahrgaenge 1950 und fruehere. Wie leicht zu erkennen es gehen die letzten diere Generation in den naechsten Jahren in Pension. Dazwischen gibt es dann eine Generation, die schon selbere ueber die Arbeit entscheiden durfte und dennoch frueher in Pension gehen darf und erst die darauffolgende Generation hat ein gleiches Pensionsalter. Nach deinem Argument waere es hoch an der Zeit mit der Pensionsanpassung zu beginnen. Aber stattdesen ist sie um 20 Jahre verschoben!

la sauvage
03.05.2004 00:33

Es gibt da etwas, das immer übersehen wird, wenn darüber gejammert wird, daß Frauen früher in Pension gehen: Daß nämlich Frauen durchschnittlich ein Drittel weniger verdienen als Männer, und für weniger Geld gleichlang zu arbeiten, klingt nun wirklich nicht fair.

Eigentlich hätte der Aufschrei nicht lauten müssen: "Baaah, wir wollen eine elendslange Übergangsregelung!", sondern: "Verdammt, gleiches Geld für gleiche Arbeit!".

Da ist von Übergangsregelungen noch nicht viel zu sehen.

Markus H. 
03.05.2004 11:31

Du solltest disch mal erkundigen, wodurch die statistische Einkommensdifferenz zustandekommt. Bei gleicher Arbeit und Qualifikation bekommen Frauen gleiches Geld.

Nebenbei ist es ganz schön zynisch mit deinem (Schein-) Argument von einem grossen Teil der Männer die ebenfalls nur ein durchschnittliches bis schlechtes Einkommen haben zu verlangen, dass sie 5 Jahre länger zu arbeiten haben.

Was willst du übrigens für eine Übergangsregelung, für etwas was schon längst durch Gesetze/EU-Richtlinien verwirklicht ist?

Susi Stattnam
03.05.2004 16:02
hahahahaaaa...

Mister Traeumerlein: bei gleicher Qualifikation und gleicher Arbeit bekommen beide gleiches Geld.
Selten so gelacht.

Markus H. 
04.05.2004 01:52

Wenn das irgendwo nicht so ist, dann wende dich an die Gleichbehandlungsanwaeltin oder an das zustaendige Gericht wenn es sein muss.

Oder wo sind die Beispiele, wo dieser Grundsatz nicht eingehalten wird? Imho gibt es diese nur als absoluten Ausnahmefall!

Markus H. 
27.04.2004 11:47

"Langjähriger Feminismus greift , jedoch soll er zu einem Gleichgewicht führen"

Sehr richtig! Leider haben viele Feministinnen dieses Ziel aus den Augen verloren. Ziel vieler in der aktuellen feministischen Bewegung ist es es schlicht und einfach alte Vorteile für Frauen zu erhalten und neue hinzuzugewinnen. Das Ziel der Gleichberechtigung für alle ist damit verloren gegangen.

Susi Stattnam
03.05.2004 16:03
wieso sollten Frauen fuer die Gleichberechtigung

der Maenner kaempfen? Sind diese vielleicht zu faul, selbst einmal ein bisschen fuer sich zu tun?

Sonstwer
27.04.2004 09:14
Part 2

das ist glaub ich die Hauptaussage der Schriftstellerin. Man kann jahrhundertelanges Unrecht nicht einfach wiedergutmachen indem man jahrhundertelang diesmal die Männer diskriminiert.

Man (ein n ) muss den Menschen die Hilfe brauchen beistehen und sie nicht vorher fragen ob sie nun eine Frau ist oder ein Mann und man kann bei z.b.: einer Klasse von Schülern in der etwas angestellt wird nicht automatisch annehmen , dass die Männer Schuld sind , weil ja die Frauen so lieb und unschuldig sind.

Haben wir uns wieder lieb und akzeptieren wir uns so wie wir sind , schließlich wollen wir zusammen auf der Erde Leben und das ganze glücklich und nicht durch Klischees Religion und Politik unterdrückt unfrei und unglücklich.

mfg

Viktoria Roth
26.04.2004 08:55
Es grenzt an Schwachsinn, Feministinnen die Viktimisierung der Frauen anzulasten.

Wo war die Verfasserin die letzten 50 Jahre? Auf dem Mond? Oder ist sie schlicht Antifeministin und bösartig?

Fred Fusel
23.04.2004 08:10
Feminismus ist...Kampf des mißratenen Weibes gegen das wohlgeratene.

- Nietzsche

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