Hintergrund

Feminismus und Prostitution

von Redaktion  |  22. August 2004, 17:00

Abschaffung oder Anerkennung? Eine lange Diskussion

Im wesentlichen lassen sich feministische Zugänge zu Prostitution in zwei Stränge einteilen: Jenem, der Prostitution als pathologischen Auswuchs des Patriarchats betrachtet und deshalb ihre Abschaffung fordert, und dem anderen, der aus einem feministischen Engagement heraus oder als Betroffene die Arbeits- und Lebensbedingungen von SexarbeiterInnen verbessern will.

Klarerweise theoriegeleiteter stellt sich die erste Variante an, da es Prostitution in dieser oder anderer Form in fast allen Gesellschaften der Erde gibt. Wesentlich ist der Fokus auf den gewalttätigen und zwanghaften Aspekt von Sex gegen Geld. Frauen, die in der Prostitution arbeiten, werden als Opfer einer frauenfeindlichen Umgebung gesehen, das der jeweils Betroffenen keine andere Wahl lässt, als sich ihren Lebensunterhalt mit Prostitution zu verdienen. Vorschub leistet dieser Argumentation die zunehmende Ausbreitung und Thematisierung von Frauenhandel in die westlichen Industrienationen, wenngleich diese nicht ausschließlich in die Prostitution führt.

Demgegenüber formierte sich seit den frühen 80er-Jahren das "Sex Workers Rights Movement", das im Gegensatz zu den Gegnerinnen auch aus aktiven "Huren" besteht. Im Zentrum steht hier der Kampf um die Anerkennung von Sexarbeit als normales Gewerbe mit gleichwertigen Rechten und Pflichten. Einhergehend mit dieser Anerkennung würden Arbeitsbedingungen und Status von Sexarbeiterinnen verbessert werden, argumentieren die Befürworterinnen.

Auch in Deutschland gibt es seit 1980 eine autonome Hurenorganisation, genannt "Hydra", die für die Anerkennung von Sexarbeit als Job wie jeder andere kämpft.

Den Prostitutionsgegnerinnen wird von dieser Seite vorgeworfen, Sexarbeiterinnen per se als Opfer darzustellen, wie generell in einer konservativen, bürgerlichen Logik von der Untrennbarkeit von Liebe und Sexualität zu verharren. Das "Unmenschliche" in der Prostitution sei nicht grundsätzlich, wenn sich Frauen bewusst zu dieser Tätigkeit entscheiden. Wesentlich sei aber der gesellschaftliche Rückhalt in Form von Integration und Gesetzen. (red)

weitersagen:
drucken
Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 126
1 2 3 4
Reifeentwicklungspr 
13.10.2006 17:19
Eine Befürwortung der Anerkennung...

...von Sexarbeit als normales, beschränkt zumutbares Gewerbe mit gleichwertigen Rechten und Pflichten ist automatisch ein auf Verständnis basierender Standpunkt eines jeden reifen Menschen. Gerade zumal eine solche Anerkennung die Arbeitsbedingungen und den Status von Sexarbeiterinnen wesentlich verbessern würde. Hierzu sei im Besonderen auf eine bessere Vermeidung von Zwangsprostitution, Betrügereien und Gewalttaten hingewiesen. Prostitution sollte stets auf freier Basis erfolgen, entsprechend dem Grundrecht der freien Entscheidung. Ausnahmen des diesbezüglich freien Entscheidungsrechtes sollte zum Bsp. ein Prostitutionsverbot wegen Gefährdung anderer Menschen durch eine Krankheit, etc. darstellen.
REP von Reifeentwicklungsprozess.

Priscillah
14.07.2006 12:22
also...

...entschuldigt mal.
es gibt zweierlei formen von prostitution;

1. erzwungene (frauenhandel etc.)
2. freiwillige

mit perspektivlosigkeit hat letzteres gar nichts zu tun.
das ist einfach nur eine unterstellung.
prostitution kann ein sehr lukrartives geschäft sein, und das bei flexibler arbeitszeit.

ein job wie jeder andere!

Kosmos 100001
06.06.2006 18:06
"Opfer"

es ist so. der zwang besteht in jedem fall. die "freiwilligikeit" basiert auf perspektivenlosigkeit. man soll die huren weder kriminalisieren, noch darin unterstützen. man muss sie aus ihrer perspektivenlosigkeit rausholen. jede wette: gäbe es keine armut, gäbe es keine prostitution. hier geht´s nicht um "zwangsmoral", sondern um den freien willen der prostituierten. sexuelle freiheit hat nix mit prostitution zu tun.

Peter Pichler  | 
27.05.2007 13:07
Eine Abschaffung von Armut...

... wäre sicherlich wichtiger als klare legistische Regeln für Prostitution...

Diese Projekt ist aber ungleich schwieriger umzusetzen...

Ich glaube aber nicht, dass es in einer Welt, in der das grundsätzliche Überleben z.B. durch einen Basislohn abgesichert wäre, keine Prostitution mehr geben würde....

Wenn es aber Prostitution gibt, dann soll diese in einem legalen Rahmen ablaufen... alles andere führt nur zu zusätzlichen Problemen....

PS: Nicht alles, was erlaubt ist, ist moralisch zulässig oder der Gesundheit zuträglich. Es ist erlaubt sich ungesund zu ernähren, die Kronen-Zeitung zu kaufen, Alkohol zu trinken, die FPÖ zu wählen, Nicht-Fair-Trade-Kaffee zu kaufen...

wadenmesser
06.05.2007 20:48
die wette verlieren sie

ausserdem:mit prostitution können sie auch wohlhabend werden, überhaupt wenn sie ein paar kilometer jenseits der österreichischen grenze wohnnen (Kaufkraft x 3 , bei arbeitsintensiven produkten: zb Eigenheim).Da geht es nicht mehr um Armut

bixente uhudla  
06.05.2007 15:27

...und es hat nichts mit armut zu tun,wenn eine frau freiwillig 3000 euro oder mehr im monat verdient...

drea66
25.01.2010 17:26

die damen haben aber auch in den meisten fällen keinerlei berufsaussichten und nicht viel chance, nach einem bestimmten alter noch was zu verdienen. gleichzeitig gibt es studien, die belegen, dass das verdiente geld selten produktiv angelegt wird, sondern für konsum drauf geht (was auch mit dem erhöhten risiko für psychische krankheiten vereinbar ist)... prostitution ist, so seltsam es klingt, eine armutsfalle, jedenfalls langfristig gesehen.

Lea Mittersiel
13.01.2006 08:47
Strafen anheben

Ich bin für eine strenge Bestrafung von Freiern und Prostituierten. Dann wird sich das Problem von selber lösen.

Karl Turetschek
21.03.2006 08:39
sind sie mit george bush verwandt ????

das grenzt ja an religiösen fundamentalismus

velvet
17.01.2006 20:02
Warum sind sie für strenge Bestrafung ?

Ihre Aussage liegt auf dem Niveau von "Ausländer Raus! Sagern. Diese Ideen gab´s übrigens schon vor tausenden Jahren......Steurerung von Sozialen System müsste aus ganz anderem Geiste kommen......

die-gute-fee 
27.08.2004 14:19
ups

ich meinte die zuhälter würden entmachten, nicht die freier, sorry

die-gute-fee 
27.08.2004 13:00
abschaffung oder anerkennung

man muß akzeptieren, daß eine abschaffung der prostitution leider nicht möglich ist, dazu gibt es auf männlicher seite zu viel nachfrage, nicht zu vergessen: das viele geld daß damit gemacht werden kann!(geld regiert über menschenrechte und menschenwürde).Daher müssen die bedingungen verbessert werden.anerkennung als normales gewerbe mit allen rechten würde eine bessere kontrollierbarkeit und damit einen besseren schutz der frauen mitsichbringen.freier würden entmachtet, frauenhandel etwas entgegengesetzt, prostituierten ein stück Würde zurückgegeben.
mich wunderts daß man/frau das nicht schon längst durchgesetzt hat, aber von unserer konservativen regierung kann man nicht viel erwarten, vom frauenministerium hört man auch nur sehr wenig

no more
09.11.2005 05:26
nachfrage und angebot?

pardon, aber zur nachfrage muss auch ein gewisses anbot vorhanden sein? ohne bäckerei kein brotverkauf. im übrigen bezweifle ich, dass prostitution wirklich freiwillig ausgeübt wird. genauso wie ich bezweifle, dass männer freiwillig ihren chefs in den hintern kriechen und ihnen die schuhe lecken, nur damit sie ihren täglichen erwerb ausüben dürfen, um genügend geld zu ernten um überleben zu können.
ich denke auch frauen entscheiden sich in den wenigsten fällen freiwillig für ihre arbeit, alleine die notwendigkeit, geld zu vedienen, zwingt sie dazu. und manche sehen eben in der sexualarbeit ein "leichteres" und "schnelleres" einkommen als in einer fabrik zu löten.

Peter Pichler  | 
27.05.2007 13:10
Die Nachfrage.... schafft das Angebot...

... fehlendes Angebot... führt zu einem Anstieg der Preise....

MarioV 
26.09.2004 22:18

[...<]anerkennung als normales gewerbe mit allen rechten würde eine bessere kontrollierbarkeit und damit einen besseren schutz der frauen mitsichbringen[>...] Eine Diskussion mit Sachverstand ist leider nicht möglich wenn es leicht ist mit etwas Populismus zu punkten.
Prostitution würde übrigens sofort verschwinden wenn jeder erwischte Freier einer Dame ihr ein Jahr lang Unterhalt zahlen müsste.

Peter Pichler  | 
27.05.2007 13:12
Mal ein spannender Vorschlag...

... befriedigt zumindest devote Unterwerfungsphantasien....

Amstaff26 
26.08.2004 19:48
2.)

... meinem mann kastrieren wenn er mich mit ner nutte betrügen würde!!!
mir würde vor ihm grausen!

aber solange die moral in unserer gesellschaft immer tiefer sinkt, wird sich leider nichts an der situation ändern! es fängt ja schon im teenie alter an, dass mädls mit burschen ins bett hupfen nur damit sie "es" endlich erlebt haben anstatt auf den richtigen zu warten!! true love waits ....
ich möchte ja auch keinen mann haben der schon xx freundinnen vor mit hatte ... da würd ich mich nicht gerade einzigartig fühlen!

lg
Tina

Peter Pichler  | 
27.05.2007 13:13
Keine Angst... Du bist einzigartig...

... egal ob Du verheiratet bist oder nicht... und unabhängig davon, mit wem Du Geschlechtsverkehr hast.....

no more
09.11.2005 05:30
und die erfahrung lehrt...

also ich persönlich habe es lieber, wenn die mädels schon erfahrung haben, und ich bin mir sicher: vice versa.
leutln, schauts doch amol: weil die männer viel zu wenig über die frauen und ihre wahren bedüfnisse wissen und die frauen auch ein bisserl zu wenig darüber was männer gerne hätten passieren viele missverständnisse: wer gibt schon zu, dass er zu wenig weiss? wer sagt es schon dem anderen? "nein, nein, da genier ich mich vor ihm, das kann ich ihm doch nicht sagen ..."
SEXUALITÄT IST EIN GESCHENK, nehmt es doch einfach an

Thomas Felder
31.05.2005 11:53

es gibt keinen "richtigen", solche Ideologien
nähren sich aus dem Katholenbereich, brrrr

Mila Superstar
29.07.2004 12:07
Fortsetzung: Qualifikation

Vermutlich ist es für die Freier einfacher, ihre Probleme in einer Situation zu besprechen, in der sie zahlen und damit die Stärkeren sind. In einer Therapiesituation gibt man ja zu, dass man der Schwache ist.

Mich würden einmal die Erfahrungen mit Menschen interessieren, die Sexarbeiterinnen machen. Diese Frauen müssen doch große soziale Kompetenzen besitzen. Und das, obwohl die überwältigende Mehrheit von ihnen diese aus einer Position der Schwäche heraus erwirbt. Auch wenn ich nicht der Meinung bin, dass Frauen dafür herhalten sollen, Vergewaltigungen zu verhindern oder Männer zu therapieren, die in ihnen ein Objekt sehen, sollten schon auch die Erfahrungen von Sexarbeiterinnen als Kompetenz anerkannt werden.

thomas P 
24.08.2004 13:55
netter zugang !

aber deine argumentation kommt bei mir wie eine entschuldigung für "freier" die rein prinzipiell zwar therapiert werden müssten aber ihre probleme gegen bezahlung einer nicht qualifizierten aber schwächeren frau erzählen !!!
ganz so ist es meiner meinung nicht!ich sehe es eher als vehikel der machtausübung quer durch alle bildungs- u. vermögensschichten resultierend aus den nebulösen machtverteilung in gesellschaften!(allg.) den dort wo macht aus abstrakten gründen ausgeübt wird!entsteht wiederum für die über die macht ausgeübt wird ebenso das bedürfniss selbst macht auszuüben!begonnen hat das mit dem ersten arbeitsteilungssystem und natürlcih den abstrakten wert/moralvorstellungen die mit diesen arbeitsteilungssystemen einhergehen!

velvet
24.08.2004 23:50
viel zeit in der schule verbracht,

denk denk denk qäul qäul quäl
Komplizierte Theorie

Es ist ganz einfach: Menschen (dzt. zum Großteil Männer) bezahlen andere für Sex weil sie den Sex den sie sich wünschen am freien Markt nicht bekommen.können. Das sollte unter der Vorraussetzung"consenting adults" doch leicht zu akzeptieren sein?

Bei Prostituion geht´s genauso wenig/viel um Macht wie im Büro oder Familie oder Partei oder Partnerschaft

thomas P 
25.08.2004 15:14
naja eher zuviel zeit im berufsleben !

schule ist schon zulange her aber war vielleicht wirklich zu lange !!!
im umkehrschluss bedeutet dein "theorie" das frauen ein erfülltes sexualleben haben und es deswegen nicht "nötig" haben männer mit geld zu kaufen !..klingt doch irgendiwe ziemlich haarsträubend odeR?
tatsache ist das in allen von dir angesprochenen sozialen feldern büro,(der chef der schlecht gelaunt ungerechtfertigt auf der sekräterin rumhackt => ausnutzung der machtverhältnisse; familie=> gewalt v. männern gegen ihre frauen ,partei=zuviele beispiele um überhaupt die aufzählung zu beginnen;
der polizist, der beamte,der artzt, der nachbar der sich im recht fühlt, alles instituionell geregelt machtverhältnisse(via gesetzte!) => nur prostitution ist ungeregelt !

Mila Superstar
29.07.2004 12:33
Fortsetzung 2

Auch frage ich mich, ob die Tabuisierung von Sexarbeit und die fehlende Absicherung nicht dazu beiträgt, dass eben größtenteils finanziell und psychisch schwächere Frauen so ihr Geld verdienen. Würde eine Enttabuiisierung und Aufwertung von Sexarbeit, auch andere Frauen dazu bringen, Sexarbeit in Erwägung zu ziehen?

Wird die Erfahrung von Prostituierten z.B. in der Psychotherapie genutzt? Aber wäre das dann nicht doppelte Prostitution?

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 126
1 2 3 4

Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.