VP-Haslauer: Abtreibungsstreit gefährdet Koalition

Redaktion, 9. August 2004, 12:14

Forderung der Salzburger SPÖ nach Schwangerschafts-Abbrüchen in öffentlichen Spitälern sei "nicht mehrheitsfähig" - Burgstaller reagiert gelassen

Salzburg - Gerade 100 Tage wird Salzburgs neue Landesregierung am Donnerstag alt, schon droht der Juniorpartner ÖVP mit der Koalitionsfrage. Sollte die SPÖ an ihrem Plan festhalten, noch heuer Schwangerschaftsabbrüche in Salzburgs Landesspitälern zu ermöglichen, könnte das das Ende der Koalition sein.

"Die ÖVP kann's (die Abtreibung in Landesspitälern, Anm.) nicht wirklich verhindern, aber sie kann es zur Koalitionsfrage machen. Dann ist letztlich die Frage, ob unser Koalitionspartner daran die Koalition scheitern lassen will", sagte der designierte ÖVP-Chef LHStv. Wilfried Haslauer in einem Interview.

"Zeitgeistige Strömung"

Das Thema sei schon bei den Koalitionsverhandlungen ausführlich diskutiert worden, damals habe die SPÖ aber dann von ihrem Wunsch Abstand genommen. Auf die Frage, ob die ÖVP mit ihrem strikten Nein zu Abtreibungen in Landesspitälern nicht die Mehrheit der Frauen vor den Kopf stoße, meinte Haslauer, dass das kein Thema sei, das mehrheitsfähig sei - "überhaupt ist die Entscheidung über menschliches Leben nicht mehrheitsfähig."

Es gehe um ein grundsätzliches gesellschaftspolitisches Zeichen, welche Signale sendet ein Land an die Gesellschaft aus. "Geht es nur darum, sehr schnell einer zeitgeistigen Strömung das Wort zu reden, oder geht es um grundsätzliche Angelegenheiten."

Burgstaller reagiert gelassen

Salzburgs Landeshauptfrau Burgstaller reagierte hingegen gelassen auf die Ankündigung des Koalitionspartners ÖVP, dass es aufgrund dieser Debatte zum Ende der Koalition kommen könne. Sie hält an ihrem Ziel fest, Schwangerschaftsabbrüche zu ermöglichen. Bis Jahresende würden dazu alle möglichen Varianten geprüft, sagte Burgstaller am Mittwoch.

Burgstaller zeigte sich verwundert über den Koalitionspartner, dass "etwas, was seit 30 Jahren in Österreich gesetzlich möglich ist, zu einer Koalitionsfrage gemacht wird". "Ich glaube, der Ideologiestreit kann in der Frage Schwangerschaftsabbruch im öffentlichen Krankenhaus ja oder nein nicht geführt werden." Sollte Haslauer das Thema in die Regierung bringen, "dann werden wir darüber reden." "Ich bemühe mich um eine Lösung, die für die ÖVP akzeptabel ist, aber der Maßstab ist nicht die ÖVP, der Maßstab sind die betroffenen Frauen."

Sorge um die Frauen zentral

Der Grund, für ihre Bemühungen sei, dass es bis vor Kurzem in Salzburg in einer Privatordination die Möglichkeit gegeben habe, zu erträglichen Preisen abtreiben zu lassen. Diese Ordination musste aber aus hygienischen Gründen geschlossen werden. Deshalb müsse man über Alternativen nachdenken. Es gehe nicht darum, was die Regierung für gut befinde oder der Koalitionspartner, im Mittelpunkt stehe die Sorge um Frauen in extrem schwierigen Lebenssituationen, so Burgstaller. (APA)

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