Das älteste Gewerbe der Welt

Redaktion, 22. August 2004, 17:00
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    Kupferstich aus dem 16. Jahrhundert von A. Hubertus: "Die Bauern im Frauenhaus".

Einige historische Spuren zur Geschichte der Prostitution in Europa

Prostitution, allerorts gern als "ältestes Gewerbe der Welt" bezeichnet, hat sich mit größter Wahrscheinlichkeit aus Fruchtbarkeitsriten in frühen prähistorischen Gesellschaften aus der im Patriarchat bislang bekannten Form der Tempel-Prostitution gegen Bezahlung entwickelt (vgl. Renate Wurms im "Weiberlexikon" 1995).

In diesen 2.500 Jahren haben sich zwar die gesellschaftlichen Positionen von Prostituierten je nach Epoche als unterschiedlich erwiesen, die Bedingungen für diese Frauen sind jedoch im wesentlichen gleich geblieben. Renate Wurms sieht den Schlüssel dafür in einem "von Beginn an ökonomisch begründetem Interesse an der sexuellen Unterdrückung der Frau in Klassengesellschaften": als Produkt einer erzwungenen Monogamie, Ausdruck von Doppelmoral und der Ideologie von der Ware Frau sowie als Möglichkeit für Männer, zumindest für kurze Zeit über einen anderen Menschen, eine Frau, total verfügen zu können (ebd.).

Macht über Frauen

In einem griechischen Epigramm aus dem 4./3. Jahrhundert v.u.Z. heißt es: "Nimm dir für sechs Obolen Europa, die attische, wo du niemand zu fürchten brauchst, die dir nie widerspricht, die ein untadeliges Bett dir bietet und Heizung im Winter, unnötig, guter Zeus, verwandelst du dich zum Stier".

In Athen und Rom arbeiteten vor allem Frauen besiegter Völker, also Sklavinnen, kaserniert in Bordellen. Und freie Römerinnen mussten sich ebenso registrieren lassen. Im Zuge der Christianisierung im 6. Jahrhundert und zur Zeit Karl des Großen um 800 bestanden gesetzliche Verbote von "Hurerei und Ehebruch", die jedoch umgangen wurden. Bis ins 11. Jahrhundert wurde Prostitution auf den großen Fronhöfen geduldet, aber gleichzeitig ein Kampf dagegen geführt, der sich als ein brutaler Kampf gegen diese Frauen, nicht jedoch gegen die Männer, die deren Dienste kaufen, erwies. All zu oft mussten dabei Frauen ihr Leben lassen, besonders viele während der Inquisition.

"Ventilsitte" für Männer

Doch davor blühte im 13. Jahrhundert die städtische Prostitution in sogenannten "Frauenhäusern", die später in "Freudenhäuser" umbenannt wurden, noch einmal - besonders aus finanziellen Gründen - auf. Denn diese Häuser waren der Obrigkeit, dem weltlichen und kirchlichen Adel, unterstellt, die vom Geschäft ganz ordentlich profitierten. Als Rechtfertigung wurden ganz andere Gründe angeführt: aufgrund der Einführung des Zölibats um 1050 und des relativ späten Heiratsalters kamen die Herren unter Druck, der mit der gängigen Auffassung dieser Zeit, die "Körpersäfte" des Mannes könnten verderben, wenn sie nicht ausgesondert werden - ja mehr noch könnte er sogar daran sterben - , ein rundes Bild ergab. Prostitution diente also zuallererst als "Ventilsitte" für Männer und als gutes Geschäft für die Herrschenden und zum anderen als "Schutz der ehrbaren Frauen", wodurch sich die Ausgrenzung der "Unehrbaren" quasi ganz von selbst erledigte.

Ächtung und Ermordung

Interessanterweise wurde der Begriff "prostituieren" (lat. prostituere) für "jemanden bloßstellen, entehren" erst mit dem 15./16. Jahrhundert bekannt. Im etymologischen Wörterbuch von Kluge wiederum wird der Terminus mit der "Preisgebung von sexuellen Handlungen" übersetzt. Diese negative Konnotation dürfte im Zusammenhang mit der rapiden Schlechterstellung von sogenannten Dirnen zu dieser Zeit und folgenden Verfolgung und Ermordung von Prostituierten in den Hexenprogromen zu sehen sein.

Denn bis zum 16. Jahrhundert stieg die Zahl der diskriminierenden Verordnungen - Kleidervorschriften, Heiratsverbote, Beleidigung und Vergewaltigung von Prostituierten wurden nicht geahndet, zunehmender Ausschluss aus dem gesellschaftlichen Leben, wirtschaftliche und soziale Ächtung - auffällig an. Andererseits besteht im späten Mittelalter ein ambivalentes Bild: Mitleid, Verachtung, Verfolgung und Ermordung auf der einen Seite sowie eine gewisse gesellschaftliche Anerkennung auf der anderen Seite. In einigen Städten wurden den Prostituierten nämlich "Bürgerrechte" zuerkannt, in Genf und Paris waren sie sogar in Zünften organisiert.

Zuhälterei

Im 18. und 19. Jahrhundert lag wieder eine andere Situation vor. An den Fürstenhöfen Europas gehörte Prostitution zum Alltag, und die Frauen waren im Vergleich zu früher nicht mehr den enormen Zwängen und Gewaltattacken ausgesetzt. Doch im Zuge der Industrialisierung entwickelte sich die Zuhälterei und mit ihr eine extreme Verachtung: Kasernierung, Registrierung, Stigmatisierung gepaart mit Ausbeutung und Schikanen, die bis heute anhält. (dabu)

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Spiegelbild der Triebe
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Hohe Strafen für die Freier!

Tolle Idee! Damit ist den Sexarbeiterinnen ihre wirtschaftliche Grundlage entzogen.

Sir JPS
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26.3.2006, 18:17
dem kann ich mich nur

vollinhaltlich anschliessen.Es will nicht in meinen Kopf hinein, dass das in unserer Gesellschaft nicht einfach selbstverständlich ist.

Güle, güle Hojaç Bey!
 
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20.12.2006, 11:18
am Beispiel der Neujahrsraketen...

sieht man, daß es sehr wohl möglich ist, rechtlich ungleich vorzugehen.
Sie verkaufen ist erlaubt, sie abfeuern verboten.

Radioactivesuperspiderman
00
23.5.2007, 01:35

wollen sie etwa behaupten, das mit den neujahrsraketen ist in ordnung?
ist doch auch recht fragwürdig

Güle, güle Hojaç Bey!
 
00
23.5.2007, 23:37
nein, da bin ich ganz bei Ihnen!

Ich will sie nämlich ABFEUERN ohne bestraft werden zu können... überall ABFEUERN... 5,4,3,2,1...zero...we have a liftoff...! Überall zu jeder Tages und Nachtzeit ZÜNDEN...ich muß in meinem früheren Leben wohl Wernher von Braun gewesen sein... ach ich hätt´so gern ´ne V2/ in Peenemünde wär´ich gern´dabei (gewesen)!
Oder das NASA- Programm: ich finde neben der uneingeschränkten Erlaubnis des Privatbesitzes von gelenkten und ungelenkten Raketen, sollte dieses Programm global wieder auf die Beine gestellt werden. Umweltbudgets gehören radikal gekürzt und der Bau interstellarer Raumschiffe forciert. Wen kümmern Klimawandel und Feinstaub auf Terra wenn wir den Mars terraformen können? Alles nun klar?
Per aspera ad astra, sag ich immer!


;-)))

Spiegelbild der Triebe
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na ja, Opfermythologie, es gab auch andere ...

Kaiserin Messalina übte eine Zeitlang aus Lustorientierung das Unzuchtgewerbe aus. Ist zwar nur der Fall einer besonders privilegierten Frau, aber der hier vertretene Opfermythos ist schon ziemlich einseitig. Frauen/Prostituierte sind und waren nicht immer nur Opfer.

ArmleuchterIn
00
30.8.2005, 15:37
Meint ihr dann also beide zusammen...

Ich meine, dass das eine unrealistische, idealisierte Betrachtungsweise ist, denn so lange es derart "brave Ehemänner" gibt, wird es auch Nachfrage auf dem Markt geben und daher auch Angebot. Wenn man wenigstens den Druck rausnimmt, dann sinkt der Reiz und damit auch die Chance, dass sich Frauen entziehen können und es daher schaffen sich nicht mehr anzubieten. Ist ein Teufelskreislauf!

jumpingjack flash
00
30.8.2005, 19:10
ältestes gewerbe

da haben sie recht - nur kann der überall durchbrochen werden - nur in einer freien (nein in jeder) gesellschaft gibt es ihn - druck von allen seiten. ich denke nicht dass das eine seite schuldiger ist als die andere. jedoch wenn es legal erlaubt ist - dann beste "arbeitsbedingungen" für die frauen. das verdrängen in die unterwelt schadet den frauen in dem gewerbe am meisten.

Grenzen los
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31.8.2005, 11:52
Druck und Reiz - das holde Paar

Druck entsteht durch gelebte Verbote. Es sind alle verantwortlich, dagegen was zu tun.
Der Reiz entsteht durch unbefriedigte Bedürfnisse. Dafür ist man selbst und sind die jeweiligen Partner verantwortlich, aber auch wieder die seltsame Pseudomoral in Beziehungen jeder Art. Kann man auch was dagegen tun, indem man nicht so unehrlich ist. Ich liebe Tabubruch jeder Art und finde man sollte immer genau das ansprechen, was am stärksten tabuisiert wird. Sollten Sie mal versuchen...das legt wirklich auch in einem selbst manches frei...man merkt, wie eng die Grenzen gesteckt sind. Sagen Sie mal wem, zu dem Sie es nicht sagen dürfen, weil viele finden, das geht nicht, dass Sie ihn total anhimmeln. lieben...sexy finden..da wird es ruhig!!

jumpingjack flash
00

nur haben tabus eine wichtige aufgabe fürs menschliche zusammenleben - aber einzelne revulutionäre halten wir aus.

jusopus
00
13.1.2006, 17:53
Zu diesem Thema

gibt es noch eine andere Webseite www.szahler.at welche u.a. auch etwas mit bezahlten Liebesdiensten zu tun hat.

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