Brot, aber keine Rosen

Redaktion, 26. August 2004, 07:00
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    foto: reuters/xavier lhospice
    Demonstration von Prostituierten gegen Diskriminierung in Paris...

Können Prostituierte autonom sein? - Ausschnitte eines feministischen Diskurses

Innerhalb des feministischen Diskurses der Neuen Frauenbewegung seit den 70er-Jahren des vorigen Jahrhunderts wird Prostitution grundsätzlich als Frauenarbeit an Männern definiert. Frauen "vermieten zu festen Zeiten und unterschiedlichen Tarifen ihren Körper, ihren Kopf, ihr Herz, ihre Haut und/oder ihre Geschlechtsteile. Sie stellen sich zur Verfügung als seelische Mülleimer und Krisenmanagerin, als Versuchskaninchen für Handlungen und Wünsche, die Männer ihren 'eigenen' Frauen/Freundinnen nicht zu offenbaren wagen...", schreibt Pieke Biermann im Frauenhandlexikon. Dabei sei die Arbeit der Prostituierten hart, öde, nervenaufreibend, gesundheitsgefährdend und neben ihrer gesellschaftlichen Ächtung wären die Frauen psychisch, physisch und politisch permanenten Bedrohungen ausgesetzt.

Prostitution als ein Stück Hausarbeit

Biermann bezeichnet Prostitution als "ein Stück Hausarbeit", das "da ausgelagert aus Haus/Familie, wo frauen umsonst arbeiten - entlohnt wird, ähnlich anderen ausgelagerten Hausarbeiten wie Kindererziehung, Krankenpflege u.a. Im Unterschied zu diesen gilt Prostitution jedoch vor dem Gesetz und in der Öffentlichkeit ebenso wenig als Arbeit wie die übrige, unentlohnte Hausarbeit". Der Ideologisierung der Hausarbeit als der "Natur der Frau" gemäß, entspreche jene der Prostitution als "Laster und Unwesen von Dirnen". In diesem Sinne würden die Frauen behandelt: der einen werde "wahre Erfüllung eines Frauenlebens" in Ausicht gestellt, die andere werde als "Schande für ihr Geschlecht" oder als "gekauftes, hilfloses Opfer der brutalsten Frauenausbeutung durch Männer" diskriminiert, deklariert Biermann.

"Hauptschlachtfeld des Frauenkampfes"

Alice Schwarzer schreibt unter dem Titel "Prostitution und Menschenwürde" im "Neuen Emma-Buch" aus dem Jahr 1986, dass die Prostituierte eine Schlüsselfigur dessen sei, "was so abwiegelnd Frauenfrage genannt wird; und der Kampf gegen die Prostitution - der nur auf den ersten Blick paradoxerweise gleichzeitig ein Kampf für die Prostituierten ist", sei "Hauptschlachtfeld des Frauenkampfes". Denn die Frauen, so Schwarzer weiter "sind vom Patriarchat mit vielen Spaltungsmanövern auseinander getrieben und aufeinander gehetzt worden: die Schönen gegen die Hässlichen, die Alten gegen die Jungen, die Mütter gegen die Nicht-Mütter, die Berufstätigen gegen die Hausfrauen. Und die Prostituierten gegen die Nicht-Prostituierten".

Die Frau als Ware

Insoferne stellt Kate Millets Buch "Das verkaufte Geschlecht" eine radikale Absage an dieses Spaltungsmanöver dar. Galt zu Beginn der Frauenbewegung noch die theoretische Annahme, dass die Prostitution die Kehrseite der Monogamie sei, schreibt Millet, dann hat sich diese Auffassung verändert, als "Prostitution wie Monogamie Ausdruck der Doppelmoral und der Ideologie von der Frau als Ware" seien, denn "die eine kauft man für eine Nacht, die andere für ein Leben; die eine für ein paar Scheine, die andere für den Unterhalt und die soziale (Schein-)Sicherheit".

Kate Millet sieht in der Prostitution ein Exempel für die soziale Situation der Frau. Jedoch werde hier nicht nur ihre Abhängigkeit offenbar, sondern mehr noch durch den Akt der Prostitution der Wert der Frauen allgemein deklariert. Als Wert einer Sache. Denn die Prostitutierte verkaufe nicht nur Sex, sondern ihre Würde. Und der Kunde kaufe ebenso nicht Sex, sondern Macht. Macht über eine Frau.

Macht über Frauen

Dabei lässt Millet das gerne vorgebrachte Argument, Frauen würden es freiwillig tun, weil sie eben masochistisch veranlagt seien, nicht gelten. Sie sieht darin eine Zwecklüge, weil ja bekannt sei, dass "jede an einer Frau begangene Grausamkeit sich auf diese Weise rechtfertigen lässt ... Wenn uns ein so selbstzerstörerisches Verhalten aufgezwungen worden ist, dann, weil unsere Gesellschaft es darauf angelegt hat, etwas in ihren Frauen zu zerstören...".

Materielle Autonomie ist gut, aber zuwenig

Für Prostituierte, zitiert Alice Schwarzer, Ergebnisse ihrer Interviews, ist das Schlimmste, dass diese Frauen ihre Menschenwürde verkaufen. "Nicht so sehr im Bett, als mehr dadurch, dass man den Handel abschließt, dass man sich kaufen lässt". Und so gehe es bei der Unterdrückung von Menschen neben dem direkten materiellen Nutzen immer um Macht im weitesten Sinn. Denn, wenn auch die Prostituierten im Gegensatz zu den Hausfrauen, um an die These Biermanns anzuschließen, Geld verdienen, so könne der finanzielle Gewinn den Verlust an Frauenwürde nicht kaschieren. Nebenbei bemerkt kassieren die Männer, also Zuhälter, ja den Großteil des Geldes wieder ab; denn lediglich zehn Prozent der Prostituierten bewegen sich sozusagen "frei am Markt".

Worum es der feministischen Bewegung aber prinzipiell geht: sie kämpft nicht nur für Brot, sondern auch für Rosen. Symbole materieller und psychischer Autonomie. Prostituierte bekommen Brot, aber keine Rosen. (dabu)

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Posting 1 bis 25 von 63
1 2
Amy4
02
16.4.2009, 18:18
Die Frau als Ware bedeutet Frauenhass

Die frau als ware - prostitution ist ein handel zwischen der ware `frau` und dem käufer mann. Eine ware braucht keine menschenrechte. Also kann ich m.d. ware das tun, was ich will - benutzen, dirigieren, kontrollieren, wegwerfen, zerstören. Ich kann die ware `frau` auch würgen, wenn ich einen hunderter mehr zahle, weil mann es aus lust braucht. Menschen zur ware degradieren, ist eine verletzung gegen die menschenwürde/-rechte. Kein wunder, daß mann sich die freiheit von sex = macht u. dominanz gegenüber d. ware `frau` nicht nehmen lassen will, ist er hier doch der machtHaber. Männer haben immer schon frauen über die sexualität kontrollieren wollen - auch durch gesetze - (u.a. religionen).
Die frau als ware bedeutet frauenhass!

Baer8
21
14.11.2006, 12:23
Ich hätte mir nie gedacht...

daß es so viele Dinge gibt, an denen ein Mann schuld sein kann. Vielleicht sollten wir alle ins Kloster gehen und uns die Ursachen unserer Triebhaftigkeit entfernen lassen. Den Feministinnen wäre dann sicherlich wohler ums edle und reine Herz.

opelkadett
10
mein aufrichtiges beileid

sie haben schwierigkeiten mit ihrer männlichen täteridentität. das macht nichts. die frauen haben auch ein problem mit ihrer weiblichen opferidentität. wir können alle über uns hinaus wachsen.

walter seidel
00
10.2.2009, 01:11

Brot, aber keine Rosen... ist da heriin geraten, wer weiß wie, aber das intressiert MeineNATUR weniger.
MeinerNATUR IST wichtig von dieser weibsNATUR zu erfahren - sowie alles übrige, wie es zum lernen über die mannNATUR kommt, auf DASS sie das sagt:
Ich hätte mir nie gedacht... daß es so viele Dinge gibt, an denen ein Mann schuld sein kann
WIR schreiben an einem wichtigen buche zur ORDNE der menschNATUR und dadrum.

opelkadett
01
22.12.2007, 18:32
es ist auch nicht leicht

mit der geburt quasi schon zur tätergruppe zu gehören. es braucht aber männer, um die männerbilder zu verändern. also, kopf hoch und festen schritts voraus!
eine andere welt ist möglich.

heiner hecht
 
00
18.4.2007, 10:26
triebhaftigkeit?

dann ist wohl vergewaltigung besonders männlich?

manuel bräuer
 
00
19.12.2006, 20:19

Hat da einer ein schlechtes Gewissen? Anders ließe sich diese unnötige Überreaktion kaum erklären.

Gala Biondi
02
23.11.2006, 19:22
Würde dir gut tun, das Kloster

Schau mal, es geht nicht darum, dass alle Männer in einen Topf geworfen werden sollen. Wenn du wolltest, hättest du auf diesem Forum die Möglichkeit, dich mit den Menschen zu solidarisieren, deren Würde, Integrität, Persönlichkeit verletzt werden. Du hast die Möglichkeit dich für die Frauen einzusetzen, die nie gelernt haben, für sich selbst einzustehen. Niemand verlangt von dir, dass du dich mit Freiern identifizierst. Allle Menschen haben die wunderbare Möglichkeit der Verführung. Sie steht beiden Geschlechtern zur Verfügung.

heiner hecht
 
10
18.4.2007, 10:28
machtspiel?

und die männer, die zu dominas gehen? geht es denen auch um ein machtspiel? wo sie halt der unterlegene sind?
es gibt prostituierte, sehr wenige zwar, aber es gibt sie, die wesentlich weniger kaputt sind als ehefrauen, frauen in der mühle der erwerbsarbeit im kapitalismus..
die mehr würde ausstrahlen als die durchschnittsfrau.

opelkadett
01
22.12.2007, 18:35
oh

das wissen sie so genau? und wieviele dinge strahlen schauspielerinnen auf der bühne aus und wie abseits davon? auch 'kaputte' ehefrauen, sind wahrscheinlich zu viel mehr fähig als ihre vorstellungskraft zulässt.

yotix
 
10
22.2.2006, 11:10

Das wichtigste ist Ihnen offenbar die Chance auf moralische Entrüstung und weltfremdes Geschrei.

... die in Ihrem Fall leider so weit geht, dass Sie rassistische Motive aufgreifen - die Unterstellung, ganze Regionen voller "Ausländer" würden sich nur von AK-47, Kinderporno und Lustmord ernähren; und dies dann auch noch ins Groteske übertreiben.

Ja, Prostitution ist oft ein soziales Problem, aber sie wird sich durch Unterstellungen und Hetze nicht abschaffen lassen. Wichtiger wäre zB Anerkennung als Beruf, mit Kranken- und Sozialversicherung und überprüfbarem Arbeitsrecht. Dann wären Huren selbständiger und nicht mehr von den Mafias abhängig.

yotix
 
00
22.2.2006, 11:16

Auch für mich als Mann ist es ein Riesenunterschied, ob ich in jemanden verliebt bin oder ob es ausschließlich um den Paarungsakt geht. Na klar. Aber auch der - "schale", kalte, gefühlsfreie - käufliche Sex, diese Onanie mit Partner, ist wohl für viele Männer interessant genug, dass sie dafür Kosten und Risiko auf sich zu nehmen gewillt sind.

Mit Geschwafel über die Unterschiede zwischen Liebe und Ficken wird man jedenfalls die Probleme der Prostitution - rechtloser Status der Frauen, fehlende Sozial- und Krankenversicherungen, nicht überprüfbare Arbeitsverhältnisse - kaum lösen.

Spinndoktor
01
17.5.2005, 15:42
Also richtig gedeutet wäre dann

Onanie schal. Stimmt nicht! Oder ich lieb' mich halt so. Eh wurscht.

RS69
 
00
23.3.2007, 21:46

Ohne irgendwas zu Unterstellen - Bei dem Unterton, den ich aus Ihren Postings herauslese, kann ich mir gut vorstellen, dass wenige der Menschen in Ihrem Umfeld gerade mit Ihnen ihre extremeren Sexuellen Vorlieben besprechen.

(Was keinerlei wertendes Statement meinerseits zum Thema Prostitution beinhaltet.)

Spinndoktor
00
17.5.2005, 15:48
Wenn Du

nach einigen Jährchen immer darauf warten willst, bis Ort, Zeit, Stimmung beider Teilnehmer und dergleichen Faktoren mehr, kongruent sind oder sonstwie passen, hast Du unter Umständen lang zu warten. Wenn diese bekannte, erste Phase vorbei ist, geht es manchmal nur mit sanftem Ankurbeln - und das ist nicht von vorne herein "willentlich". Kleine Geschenke? Versprechen? Komplimente? Ups, was haben wir denn hier? Prostitution?

RS69
 
01
23.3.2007, 21:52

Kleine Geschenke?

Ich würd jetzt wegen kleinen Geschenken nicht für einen Freund den Kasten die Stiegen runter tragen. Das mach ich vermutlich nur, wenn ich's für ihn machen möchte.

Ich würde Erwarten, dass Frauen - trotz oder wegen der Geschenke Sex haben.

Bei mir kommt's durchaus vor, dass ich auch Sex will, wenn ich grad kein Geschenk dabei habe - und es passiert trotzdem. Und manchmal wirds auch trotz Geschenk nichts. - Das wär mir für ein Geschäft (Sex gegen Gegenleistung) zu vage, ausserdem würde ich - wär ich eine Frau - mich verarscht fühlen, wenn jemand den Gegenwert meiner "Leistung" mit einer Sachertorte ansetzt oder mit einem Blumenstrauss.

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