Reaktionen wären absehbar gewesen, sowohl bei NS-Opfern als auch bei Frauen, meint Präsident des Zentralrats der Juden
Düsseldorf/Köln - Auch nach der Klarstellung des Kölner
Kardinals Joachim Meisner stoßen dessen umstrittene Äußerungen zu
Holocaust und Abtreibung weiter auf Kritik beim Zentralrat der Juden
in Deutschland. Dessen Präsident Paul Spiegel betonte am Donnerstag
in Düsseldorf, beim Holocaust-Vergleich Meisners habe es sich nicht
um eine spontane Äußerung gehandelt. "Er hätte wissen müssen, welche
Reaktion dies auslösen würde, sowohl bei den in der NS-Zeit
Verfolgten als auch bei Frauen", so Spiegel.
Keine juristischen Schritte
Spiegel fügte hinzu, gleichwohl erwäge er nach Meisners Erklärung
vom Wochenende keine juristischen Schritte mehr gegen den Kölner
Erzbischof. Bei der Kölner Staatsanwaltschaft gingen unterdessen nach
Angaben eines Sprechers mehrere Strafanzeigen gegen Meisner ein.
Keine Entschuldigung
In einer am Samstag verbreiteten Stellungnahme hatte Meisner die
heftige Kritik an seinem Holocaust-Vergleich als Ergebnis eines
Missverständnisses bezeichnet. "Wenn ich geahnt hätte, dass mein
Verweis auf Hitler missverstanden hätte werden können, hätte ich
seine Erwähnung unterlassen. Es tut mir leid, dass es dazu gekommen
ist." Spiegel sagte dazu: "Ich werte das nicht als Entschuldigung,
sondern als Erklärung".
Aussage im Wortlaut
Meisner hatte in einer Predigt zum Dreikönigsfest am 6. Jänner
gesagt: "Wo der Mensch sich nicht relativieren oder eingrenzen lässt,
dort verfehlt er sich immer am Leben: zuerst Herodes, der die Kinder
von Bethlehem umbringen lässt, dann unter anderem Hitler und Stalin,
die Millionen Menschen vernichten ließen, und heute, in unserer Zeit,
werden ungeborene Kinder millionenfach umgebracht".
Die Strafanzeigen gegen Meisner werden nach Angaben des
Behördensprechers nun geprüft. Wegen der Äußerungen des Kardinals
hatte unter anderem das Kölner Bündnis "Gemeinsam gegen Sozialbbau"
einen Strafantrag wegen Volksverhetzung angekündigt. (APA)