Innenministerin und Präsident der Islamischen Glaubensgemeinschaft Shakfeh räumten bei Treffen Differenzen aus
Wien - Innenministerin Liese Prokop (V) hat bekräftigt, dass
sie "absolut nicht für ein Kopftuchverbot" sei. Bei einem
"ausführlichen Gespräch" mit dem Präsidenten der Islamischen
Glaubensgemeinschaft, Anas Shakfeh, sei Einigkeit darüber erzielt
worden, dass Religion und Tradition differenziert betrachtet werden
sollen. Prokop hatte sich vor einigen Tagen noch für ein
Kopftuchverbot für moslemische Lehrerinnen an österreichischen
Schulen ausgesprochen. Die Islamische Glaubensgemeinschaft war
empört. Nun dürften die Differenzen ausgeräumt sein, beide Seiten
hätten die in Österreich übliche Dialogkultur betont, heißt es in
einer gemeinsamen Aussendung.
Nicht dem Islam anzulasten
Soziale Missstände - Gewalt gegen Frauen, Zwangsheirat und
Ehrenmorde - könnten nicht der Religion Islam angelastet werden, der
eine Gegenposition zu solchem Unrecht vertrete. Religionsfreiheit
einschließlich des darin begründeten Rechts auf die Ausübung der
jeweiligen religiösen Glaubenspraxis stehe als Teil des Grundgesetzes
außer Frage. Insofern sei das Kopftuchtragen muslimischer Frauen
eingeschlossen, auch im gesamten schulischen Rahmen.
Parteiintern nicht goutiert
Prokops Aussage war auch innerhalb der eigenen Partei nicht
goutiert worden. Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V) hatte
betont, dass es in Österreich kein Kopftuchverbot gebe und auch keine
Probleme damit existierten. Bundeskanzler Wolfgang Schüssel (V) hatte
nur gemeint, wenn auf diesem Gebiet einmal Probleme auftreten, habe
man das immer sehr österreichisch gelöst, ohne allerdings konkreter
zu werden. Vizekanzler Hubert Gorbach (F) hatte sich ebenfalls
skeptisch über ein Kopftuchverbot geäußert. Kritik an Prokops
Kopftuchverbot-Aussage hatte es auch von SPÖ und Grünen gegeben. (APA)