Mythos friedfertige Frau

Redaktion, 11. Juli 2007, 12:55
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    foto: reuters/demianchuk
    Radonics Untersuchung führt die LeserInnen durch eine Kritik an manch feministischen Kritik an der Freudschen Psychoanalyse hin zum Thema Antisemitismus und Geschlecht.

Ljiljana Radonic untersucht in ihrer Studie die "friedfertige Antisemitin" als Replik auf Margarete Mitscherlichs Buch

Auch mehr als fünfzig Jahre nach dem Entstehen zählen Horkheimers und Adornos Beiträge zur Antisemitsmusforschung "Studien zum autoritären Charakter" und "Elemente des Antisemitismus" zu deren Höhepunkten. Was die beiden Proponenten der Kritischen Theorie erarbeitet haben, stellt für Ljiljana Radonics Untersuchung den Ausgangspunkt dar, von welchem aus sie der Frage nachgeht, ob "die Frau" das friedfertige Geschlecht sei und das nicht antisemitische, wie von der Zweiten Frauenbewegung oft postuliert.

So nimmt Radonic Margarete Mitscherlichs Buch "Die friedfertige Frau" aus dem Jahr 1989 als Vorlage für den Titel ihres eigenen, und bricht (unter anderen) deren Theorien im Fokus der Kritischen Theorie und der Psychoanalyse. Mit einem Resultat, das nicht dem Opferbild überein stimmt: der "psychische Gewinn" und die narzisstische Aufwertung über den Antisemitismus hätte sehr wohl auch bei Frauen funktioniert. Auch Frauen hätten Interesse an der "Schiefheilung" über Antisemitismus, Interesse an Verdrängung und Projektion. Der weibliche autoritäre Charakter nehme sich nur in den auf "die JüdInnen" projizierten Inhalten vom männlichen aus.

Aufschlussreich erliest sich Radonics Studie hinsichtlich der Verknüpfung einer aktualisierten Leseart Freudscher Begrifflichkeiten, die Anwendung findet in Geschlechtertheoretischem damals und der neuen Frauenbewegung - welcher die Autorin in einem Bedürfnis nach positiver Identitätsstiftung bis hin zur Verharmlosung der NS-Verbrechen zuschreibt. Ihr abschließender Rat: Verantwortung über eigenes Handeln übernehmen und die Unpersonifizierbarkeit gesellschaftlicher Zwänge erkennen, worauf sie sich auf die Patriarchatstheorie bezieht - ein anderer Zugang zur Auseinandersetzung mit Macht und Geschlecht, die auf mehreren Ebenen spannend zu lesen ist. (bto)

Ljiljana Radonic: Die friedfertige Antisemitin?
Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus.

178 Seiten, Peter Lang, Frankfurt/M. u.a. 2004
EUR 49,10
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grfz
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Buchpräsentation

Die friedfertige Antisemitin?
Kritische Theorie über Geschlechterverhältnis und Antisemitismus

Vortrag und Diskussion mit Ljiljana Radonic

Mittwoch, 25.5., 20 Uhr, NIG, Universitätsstr.7, HS II (Erdgeschoss)

Weiter Infos unter:
www.univie.ac.at/politikwi... /news.html

Vazlav Gattuduwifit
 
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23.4.2005, 05:43

frauen sind die besseren steaks vom gasherd (beachte versteckkte nazi-hinweise!) - gestern in der krone

E W
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Erkenntnis nicht neu

Dass manche Frauen im NS-Regime Vorteile hatten ist ja unbestritten. Sog. "arische" Frauen, die aus besseren Kreisen stammten, konnten sich alles richten: ein befreundeter Arzt stellt ein Attest aus und schon wurde frau vom Dienst befreit. Auch Karrierechancen boten sich: beim Bund Deutscher Mädel z.B. Die Mädchen konnten dem engen Alltag im Elternhaus entfliehen und Abenteuer erleben und Führerinnen werden. Obendrein gab es KZ-Aufseherinnen, die an Grausamkeit nichts zu wünschen übrig ließen. Und, und und... Wir sind nicht per Geschlecht alle gleich (homogen), friedfertig, mütterlich, besser oder schlechter als Männer. Es gibt eines was uns Frauen eint: die strukturelle Diskriminierung. Das ist die eine Gemeinsamkeit der Gruppe der Frauen.

MsLiberty
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Wieso sollten Frauen nicht antisemitisch sein können? Leider sind Vorurteile nicht nur Männersache.

Adalbert M. Rohde
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auch Frauen

Wer hätte das je ernsthaft angezweifelt.

Linker Emanzerich
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Zur weiteren Lektüre zur "friedfertigen Frau"

noch zwei Titel von Frauen:
Deadlier than the male, von Alix Kirsta
Female Terror, von Ann Magma
PS @blue notes: Nicht so teuer ;-)

lisi meier
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und noch eine (deutschsprachige) philosophin zum thema:

Christina Thürmer-Rohr,zb:
http://www.fu-berlin.de/postmoder... r_rohr.htm

ad Alix Kirsta: ist (war?) leider vergriffen.

blue notes
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Klingt echt interessant!

Ist aber etwas sehr teuer, nicht? Schade.

Übrigens ist der Standard-Text unnötig holprig und "ungefällig" betreffend seine Lesbarkeit. Auch schade.

grfz
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19.4.2005, 13:45
nicht so teuer

ich habe gehört, bei der Autorin selbst kann man das Buch wesentlich günstiger erstehen :-)
ljiljana.radonic@univie.ac.at

Eine andere Rezension findet sich auch unter
http://www.frauenzimmer.at/html/theo... m#ljiljana

Und was Christa Thürmer-Rohr angeht, ihr Konzept der Mittäterschaft leugnet eben, dass Frauen aus Antisemitismus am NS mitgewirkt haben, sie schreibt über aktive Anpassung an die mörderische Normalität einer von Männern gemachten Welt.

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