Klitoridektomie bei Kurzsichtigkeit

Dagmar Buchta, 29. Juni 2005, 07:00
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    foto: cover/reclam

Ein Buchtipp zur Geschichte der Gynäkologie: Männer und der weibliche Unterleib

Eine Geschichte von Macht und Ohnmacht, von Ignoranz, Unterdrückung und Ausbeutung. So beschreibt die Autorin Marlene Faro die Geschichte der Gynäkologie, die bis heute nachwirkt. Auf den Spuren der antiken Philosophen deckt sie auf, dass der männliche Wunsch die Geheimnisse des weiblichen Körpers und seiner Sexualität zu lüften, von jeher vorhanden war und die gesamte Kulturgeschichte wie ein roter Faden durchzieht.

Dabei war dieses Interesse ein einseitiges von Neid, Angst und Hass geleitetes, wie anhand der Zitate, beginnend bei den Griechen, antiker Schriftsteller verräterisch zum Vorschein kommt. Sie betrachteten die Frau als "halbfertiges, zeugungsunfähiges Geschöpf" und bezeichneten die Gebärmutter als "Ursache von tausend Übeln". Und noch 1832 beschrieb der hochangesehene sächsische Frauenarzt Johann Christian Gottfried Jörg das Weib als "geschlechtlich sehr abhängig vom Mann eingerichtet". Der Mann dagegen bereite sein Sperma "ohne Zuthun des Weibes" und stehe deswegen "auch weniger abhängig von demselben in der Welt".

Faro beschreibt, auf welche Weise und Gewalt die Ächtung der Hebammen als "Quacksalberinnen" und "Hexen", die das Wissen um den weiblichen Körper über Jahrhunderte gehütet und weiter gegeben hatten, von statten gegangen ist, während die neue männliche Ärzteschaft für sich in Anspruch nahm, unfehlbares Wissen über den weiblichen Körper zu besitzen, auch wenn alle Fakten dagegen sprachen.

Ein Beispiel

Allgemeines Krankenhaus Wien 1846: Die Überlebenschance der Wöchnerinnen, die auf der von Hebammen betreuten Station untergebracht waren, war exakt zehnmal höher als in der benachbarten Klinik, wo die Gebärenden von Ärzten untersucht wurden, die direkt aus dem Seziersaal kamen. Erschütternde Szenen spielten sich ab: Schwangere bettelten auf Knien und in Todesangst darum, auf die Hebammenstation verlegt zu werden. Erst der Arzt Ignaz Phillip Semmelweis konnte die Ursache für das gefürchtete Kindbettfieber herausfinden. Nur gegen größte Widerstände gelang es ihm, seine Kollegen davon zu überzeugen, sich vor Betreten eines Kreißsaals die Hände zu desinfizieren.

Doch nicht nur die Geburt barg Risiken für die Frauen. Im 19. Jahrhundert war es üblich, bei Kurzsichtigkeit die Entfernung der Klitoris vorzunehmen und Patientinnen mit Gebärmutterentzündung mit Stromstößen zwischen den Beinen zu traktieren. Ein gut recherchiertes Buch, das Gruseln lässt. (dabu)

Marlene Faro:
An heymlichen Orten
Männer und der weibliche Unterleib
Eine andere Geschichte der Gynäkologie
Leipzig (Reclam) 2002
ISBN 3379007854
Euro 22,90

syber
00
so ein

gruselbuch hab ich auch, voll von maerchen

muterl
00
vor Betreten eines Kreißsaals die Hände zu desinfizieren.

ganz durchgestzt hat er sich noch immer nicht

vor allem bei professoren und privatpatienten

in einzelfaellen - keine verallgemeinerung - aber konkrete erfahrung

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