Männerdominanz in Gesprächen

Redaktion, 11. August 2005 07:00
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    Nicht nur die Sprache an sich, auch die Gespräche zwischen Frauen und Männern sind von einem Ungleichgewicht geprägt.

Unterdrückung von Frauen in Sprechsituationen - Eine Analyse nach Senta Trömel-Plötz

Die Linguistin Senta Trömel-Plötz war eine der ersten, die sich mit feministischer Sprachkritik auseinandergesetzt und Publikationen zur sogenannten "Frauensprache" herausgebracht hat. Die Pionierin der gendersensiblen Sprachform ist davon überzeugt, dass Sprache "eine der wichtigsten gesellschaftlichen Bedingungen" ist, unter denen wir leben. "Mit Sprache schaffen wir unseren Lebenszusammenhang, unsere Wirklichkeit, unsere Sicht der Welt ... Sprechen ist soziales Handeln".

Sowie Sprache, in der eine Wirklichkeit konstruiert wird, in der Frauen nicht vorkommen, diskriminierend ist und Verachtung, Geringschätzung, Ignoranz bedeutet, sind ebenso Gespräche zwischen Frauen und Männern nach der Analyse von Senta Trömel-Plötz häufig von einem Ungleichgewicht geprägt. Denn gesellschaftliche Strukturen und sprachliche Strukturen sind eng verwoben. Und Frauen werden, so Trömel-Plötz, täglich in unzähligen gemischtgeschlechtlichen Gesprächen unterdrückt.

"Männer sind gewohnt zu dominieren, sie tun es vor allem in Gesprächen, sie geben den Ton an, sobald sie in ein Gespräch eintreten, sie erklären sich für fast jedes Thema zuständig, sie erwarten und bekommen Aufmerksamkeit und Unterstützung von ihren Gesprächspartnerinnen, sie erwarten und bekommen Raum, ihre Themen und sich selbst darzustellen, ihr Gesprächserfolg wird von den Gesprächsteilnehmerinnen und -teilnehmern produziert", schreibt Trömel-Plötz.

Dagegen seien Frauen trainiert, gefallen zu wollen, das heißt "sie werden Männer dominieren lassen und werden alles tun, sie nicht zu bedrohen: nicht den Ton angeben, nicht auf eigenen Themen und Meinungen bestehen, Gegenpositionen gefällig verpacken, nicht die Unterstützung verweigern, nicht mehr Raum einnehmen als Männer, sie gewinnen lassen, auf eigenen Erfolg und Befriedigung im Gespräch verzichten".

Während Männer in Gesprächen, so Trömel-Plötz, ihren Status und ihre Autorität zu etablieren suchen, indem sie bewerten, kritisieren, belohnen, strafen, herausfordern, angreifen und Vorwürfe machen, würden sich Frauen eher entschuldigen, sich und andere verteidigen, bitten, rechtfertigen, anschließen, zustimmen, ihre Kompetenzen und Zuständigkeiten einschränken, Hilfestellung geben, Ehrenrettungen durchführen, auf andere eingehen, Verständnis zeigen etc...

Senta Trömel-Plötz schrieb 1982, dass sie eine partielle Auflösung dieser allgemein vorfindbaren Strukturen nur in Gesprächssituationen erlebt habe, "in denen bewusste Frauen in großer Überzahl (einfache Mehrheit genügt nicht) waren oder in denen eine Sensibilisierung der Männer über ihr Gesprächsverhalten eingesetzt hatte". (red)

Quelle:
Senta Trömel-Plötz:
Frauensprache - Sprache der Veränderung
Frankfurt 1982

Siehe auch Gewalt durch Sprache
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Posting 1 bis 25 von 107
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Herbi Wiffi
27.10.2008 08:31
Gibt es einen Beweis, dass Rollenverhalten "anerzogen" ist, und nicht biologische determiniert?

Man sollte zumindest von Leuten, die sich wissenschaftliche Bezeichnungen geben verlangen, dass die Grundlagen des Theoriegebäudes gesichert sind. Alles und jedes im Geschlechterverhältnis auf "Erziehung" zu schieben, scheint mir gewagt. Wurde jemals der beweis erbracht? Noch dazu, wo heute ein Großteil der Jugendlichen bei Alleinerzieherinnen aufwächst, also unter Ausschluß des männlichen Elternteils....

A Voice
12.08.2005 14:52
Ich weiss ja nicht,

welche Gespräche die Dame sich so angehört hat, aber ich kenne sowohl männliche als auch weibliche Gegenbeispiele zu den angebotenen Stereotypen.

Rosa Stahl
12.08.2005 13:14

Ich erlebe immer wieder, bei politischen, technischen, ökonomischen Gesprächsrunden bzw. Podiumsdiskussionen: entweder sind kaum Frauen da (weil desinteressiert) und die die da sind sind kusch.
Es zwingt sie aber keiner, kusch zu sein. Im Gegenteil. Ein Mikrophon ist schließlich nicht zpezifisch auf Frauen bissig.
Merke selbst oft, wenn ich meine Hand für eine Wortmeldung hebe, dass ich quasi den "Vortritt" für die kriege (Konservativismus? Höflichkeit? oder: Endlich mal ne Frau. - weiß nicht.)
Es liegt nicht immer nur an den bösen Männern, dass Frauen nicht zu Wort kommen.

Mein Senf dazu:
30.10.2008 18:17
Gehns mal auf ein Gewerkschaftstreffen der Frauenabteilung wo Männerthemen besprochen werden sollen.

wesserbisser
 
13.10.2005 14:35

äh, das behauptet der artikel ja auch gar nicht. vielleicht sollten sie ihn mal lesen.

Roland S.
19.01.2007 19:18
Doch tut er, und zwar hier:

"Unterdrückung von Frauen in Sprechsituationen"

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22.08.2005 16:33
abwesenheitsmotive

Also ich könnte jetzt nicht die Hand dafür ins Feuer legen, dass wenig Frauen bei Veranstaltungen sind, weil es sie "nicht interessiert". andere Motive könnten sein: sind arbeiten, einkaufen, bei den Kindern, auf Weiterbildung, beim Rhetorikkurs auf der VHS, ...

Es könnte natürlich auch sein, dass die Ausschreibung und die RednERliste der Veranstaltung nicht unbedingt darauf hoffen lässt, das Frauen SINN in der Veranstaltung sehen und Zeit investieren.

Mikros beissen nicht - diesen Appell will ich voll unterstützen - frei nach dem Motto: Reden ist silber - Schweigen ist Blech.
Ich schnappe mir immer wieder diesen Stimmenverstärker, nur um zu sagen: Ich bin der selben Meinung wie meine Vorrednerin und nicht der Meinung des Vorredners.

Markus Stüger
11.08.2005 21:47
Ich hatte die zweifelhafte Ehre...

... Frau Tröml-Plötz als Gastdozentin auf der Uni Salzburg vor vielen Jahren zu hören. Jemand der mir beizubringen versucht, dass Hochhäuser männliche Phallussymbole seien (übrigens ebenso wie die bösen bösen Handyantennen) erntet nur Gelächter. Im übrigen stimme ich dem Artikel aber vollinhaltlich zu.

Petronius Arbiter
12.08.2005 08:50
Phallische Hochhäuser?

I agree, once said Lady Lamarr,
that a penis looks like a cigar.
But to compare, like some people,
it to a church steeple
is stretching the subject too far!

A Voice
12.08.2005 14:53
:-)

der ist nett, danke.

TINKERBELL
 
11.08.2005 22:40
wir schreiben heute 2005

und ich denke, dass sich frauen-sprache auch sehr
verändert hat: wir arbeiten beim militär, wir arbeiten
in der wirtschaft, in der technik und in handwerks-
betrieben - meist mit männern. die sprache hat
sich generell stark verändert - denke man nur an
die anglikanisierung (und die gegenbewegung)
dagegen und genauso ist es mit frauensprache -
die hat sich sicher teilweise sehr verändert.
denke man an alte herrschaftliche frauenrollen,
edler damen, die über das wetter, kleider,
hochzeiten, kinder, handarbeiten und musik etc. konversieren durften und wo es viele tabu-themen gab - geld, arbeit, macht, soziale inhalte, politik.
mit was und wem man zu tun hat, das prägt einem
auch

Max Payne
11.08.2005 20:24
(2)

Männer, die mit vielen Frauen ins Bett gehen, sind geile Hengste, Frauen sind Schlampen…
Ich glaube, dass die Rollen von Mann und Frau durch die Erziehung immer noch dermaßen gefestigt werden (alleine der Unterschied im Umgang mit dreijährigen Mädchen und Burschen…), dass sich in der Schulzeit und im späteren Leben ebendiese wieder durchsetzen. Wenngleich die Frauen und Männer eines Tages im alltäglichen Leben gleichberechtigt sein werden: Die wenigsten Buben werden so behütet werden wie Mädchen; die wenigsten Mädchen werden abends so lange ausgehen dürfen wie die Burschen – die Erziehung wird niemals die selbe sein. Und dies mag auch gut so sein. Kleine Differenzen wird es immer geben – dies unterscheidet den Mann von der Frau.

uAwg

Thomas Felder
15.08.2005 09:38

mehr Männer in die Erziehung - Kindergärten, Volksschulen, Horte.

Rosa Stahl
12.08.2005 13:16

jaja, und leider interessiert sich meine Tochter für Puppen und mein Sohn für's Bauen. so eine Sch**** aber auch :-) Wo ich doch meinen Rechner selbst aufsetze und meine Auto-Service Marke Eigenbau ist.

Und was soll ich jetzt machen? Dem Sohnemann rosa Mascherl aufsetzen und das Mädel mit dem Hammer beglücken?

woessman
 
13.08.2005 13:04
"interessiert sich meine Tochter für Puppen und mein Sohn für's Bauen"

ich glaube nicht, dass der max das so gemeint hat.
aber ich finde, erkennt mit seinen erst 18 jahren die realität (dass es eben unterschiede gibt) und kritisiert auch bestimmte verhaltensweisen und stereotype beurteilungen.
was will man denn mehr?

A Voice
12.08.2005 14:56
solange

jeder machen darf was er/sie will, ist es OK. Schlimm finde ich, wenn Buben nicht mit Puppen spielen dürfen, weil das nicht passt, bzw Mädchen nicht an die Fischrtechnik dürfen, weil sie doch Mädchen sind...

TINKERBELL
 
11.08.2005 22:31
das mag stimmen - leider wird das sogar von

frauen öfters auch weiterhin so betrieben, diese
"alte moralvorstellung", obwohl ich überzeugt bin,
dass es von vielen nicht gelebt wird (da rede
ich schon von älteren semestern, die schon
länger verheiratet sind und so)

ps: hoffentlich ist es nicht in allen schulen wie
bei ihnen

Thomas Felder
15.08.2005 09:39

das wird nicht sogar von Frauen sondern in der Erziehung fast ausschließlich von Frauen getan, Männer sind ja leider kaum da

Max Payne
11.08.2005 20:22
Das Erschreckende ist nur, ... (1)

... dass diese Klischees in meinem Bekanntenkreis zu beinahe 100 Prozent zutreffen.
Ich besuche derzeit die 8. Klasse Gymnasium in Wien und wir haben ein beinahe ausgewogenes Mädchen / Burschen-Klassenverhältnis. Trotzdem ist es doch so, dass der "Ton" hauptsächlich von den Burschen angegeben wird - sei es darum, wohin am Abend weggegangen wird - welche Musik in den Pausen gespielt wird oder wer stellvertretend für die Klasse mit den Lehrern diskutiert. Verstehen Sie mich nicht falsch - in unserer Klasse gibt es in keinster Weise eine Diskriminierung der Frauen - es ist nur so, dass sich bei uns die klischeeartigen Rollen von Männlein und Weiblein immer noch (21. Jahrhundert!!) durchsetzen konnten.

Ad Klischeeartig – der Klassiker:

Thomas Felder
15.08.2005 09:40

da is auch viel Biologie dabei

March March
15.08.2005 11:37
was wollen sie damit sagen?

geht s vielleicht a bissal konkreter?

Roland S.
19.01.2007 19:21
Der Mann will sich nicht nur durchsetzen weil er's gelernt hat.

Er will sich auch durchsetzen, weil's in den Genen liegt.

Konkret genug?

Rosa Stahl
12.08.2005 13:19

und was hat das mit dem 21. JH zu tun?

Die biologische Evolution des Menschen dauerte einige Millionen Jahre, die kulturelle etwa so 10 bis 50.000 jahre. Sie können also nicht erwarten, dass sich das biologische Geschlechterverhalten in zwei Generationen ändert. Auch wenn es noch so politisch korrekt wäre.

Roland S.
19.01.2007 19:22
Sie überzeugen mich in letzter Zeit immer wieder durch

einen realistischen Blickwinkel in Ihren Posts.

Ananke
 
13.08.2005 12:32
Endlich

ein realistischer Blick auf die Welt.

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