Herstory für die Zukunft bewahren

von Redaktion  |  07. November 2005, 12:17

In Frankfurt am Main tagten die deutschsprachigen Frauen/Lesbenarchive zum 40. Mal

Frankfurt am Main - Ende Oktober 2005 trafen sich zum 40. Mal Vertreterinnen der deutschsprachigen Frauen/ Lesbenarchive, -bibliotheken und -dokumentationsstellen zu ihrer jährlichen Tagung in Frankfurt am Main. Die feministischen Archivarinnen, Bibliothekarinnen und Informationsvermittlerinnen aus rund drei Dutzend Einrichtungen in Deutschland, Luxemburg, Österreich und der Schweiz sorgen seit Beginn der Zweiten Frauenbewegung dafür, dass auch die neuere Frauen(bewegungs)geschichte dokumentiert und die Ergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung zugänglich gemacht werden.

Netzwerk

In dem seit 1983 bestehenden Netzwerk und dem seit 1994 gegründetem Dachverband i.d.a. (informieren - dokumentieren - archivieren) sind neben den Bibliotheken und Archiven der autonomen Frauen- und Lesbenbewegung wie "Stichwort" in Wien, "belladonna" in Bremen, "Spinnboden" in Berlin oder Alice Schwarzers "FrauenMediaTurm" in Köln auch Gender Studies-Bibliotheken wie etwa am Zentrum für transdisziplinäre Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität zu Berlin oder Frauenbildungseinrichtungen wie "MONAliesA" in Leipzig oder "BAF" Tübingen vertreten. Die regionale und thematische Vielfalt - von der Frauengeschichte des 19. Jahrhunderts über die Frauenförderung in der Entwicklungszusammenarbeit bis zur Lesbenbewegungsgeschichte seit den 1970ern - bietet Informationen nicht nur für StudentInnen und WissenschafterInnen sondern insbesondere auch für frauenpolitisch engagierte Menschen.

Ehrenamtliche Betreuung

Die "Frauenarchive" werden zum überwiegenden Teil ehrenamtlich betreut und dennoch werden sie immer professioneller. Interessierte können in Datenbanken recherchieren und via Websites viele Services in Anspruch nehmen. Damit das so bleibt, müssen aber auch diese Fraueneinrichtungen besser und kontinuierlich finanziert werden. "Insbesondere im Jahr des UN-Weltgipfels zur Informationsgesellschaft (WSIS), der im November in Tunis stattfindet, sollte PolitikerInnen klar sein, dass der Zugang zu Information und Wissen ein Menschenrecht ist - auch für Frauen", so die Veranstalterinnen. Weltweit diskutiere man über die Bedeutung des Zugangs zu Wissen, der Kontrolle über Informations- und Kommunikationstechnologien sowie der Gestaltung der Inhalte für Frauen. "Die Fraueninformationseinrichtungen leisten schon seit über 20 Jahren einen großen Beitrag für eine demokratische Informationsgesellschaft, während staatliche Einrichtungen die Dokumente der Frauen- und Lesbenbewegung sowie die Ergebnisse der Frauen- und Geschlechterforschung nicht im Blick hatten und bis heute keine Strategie besteht, wie sie in die Bestände integriert werden können," teilte der Dachverband in einer Aussendung mit. (red)

Mehr über die Arbeit der Fraueninformations- einrichtungen erfahren Sie unter

Ida Dachverband

für Deutschland und unter

Frida.at für Österreich

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www.nemea-goddess-center.at  | 
02.07.2006 03:46
Her-Story statt His-Story!

tragisch ist, dass alle aufgezeichnete geschichte männergeschichte ist, naja, immerhin hat das patriarchat damit auch seine ausschreitungen und perversionen dokumentiert. es wir endlich zeit, dass frauen die geschichte schreiben, aber nicht nur bezüglich politik, sondern ganz besonders im hinblick auf soziales und religiöses. durch die unseelige verbindung der römische-katholischen kirche mit dem staatswesen und der raffinierten, ausschließlich männerorientierten religions- und geschichtsauslegung und des jahrtausendelangen bildungsentzuges für frauen konnte die grausame His-Story überhaupt stattfinden.
ausserdem denke ich bei Her-Story natürlich an die vergessene geschichte von der UR-MUTTER, der GÖTTIN. mehr in nemea-goddess-center.at

Jürgen Rembremerding 
04.09.2006 16:33
Aha!

Heiner einer
07.11.2005 14:45
her-story

bezieht sich das nun auf die ausschliesslichkeit der historikerinnen als frauen oder auf die frau als historisches studienobjekt?

konsequenterweise müssten die herstorykerinnen ansonsten ja fordern, dass frauen in der regulären patriarchal-androkratisch-pfuigack-geschichte sprich history ab sofort nicht mehr behandelt werden weil ab sofort eigenes fachgebiet

oder meinen die die betonung der rein weiblichen perspektive aber das wär ja dann genderstudies, oder meinen die lesbenforschung das wären dann ja queerstudies, oder meinen die feminismusgeschichte aber das wär ja dann überhaupt nur dogmengeschichte, oder...*nicht mehr auskenn...*

bitte mal ein paar begriffe erfinden die sich annähernd selbst erklären

Frauensolidarität  
10.11.2005 19:17
feministische Informationsarbeit

Für jene, die es nicht verstehen: das sind fachspezifische Spezialbibliotheken,- archive, -und -dokumentationsstellen, die Interessierte (Politik, Wissenschaft, Medien, AktivistInnen, SchülerInnen etc.) mit Material/Literatur (Bücher, Zeitschriften, Videos, Plakate, Graue Literatur, Archivalien etc.) versorgen, damit diese Antworten auf ihre (Forschungs)Fragen finden. Weiters bewahren diese Einrichtung die Geschichte der Frauenbewegung (seit mindestens dem 1900 Jahrhundert), damit nicht jede Generation bei der Durchsetzung von Frauen/Menschenrechten bei Null anfangen muss. Diese Spezialeinrichtungen der Frauenbewegung wurden seit den 1970er Jahren in aller Welt gegründet. Überblick: www.iiav.nl siehe Mapping the World. www.frida.at

Ich bin klug
09.11.2005 15:40
Herstory (hab ich mir erklären lassen) ist:

"Ein gelungenes Wortspiel, das auf die Männerkonzentration in der Historik aufmerksam macht."

Nun ja.... auf jedem Fall wäre "Fachgebiet" maßlos übertrieben, ein Gehweg ist noch lange keine Autobahn... Es ist ein Schlagwort.

Vazlav Gattuduwifit 
09.11.2005 17:45

...ein unwort.

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