Pille danach

Von Zusammensetzung bis Wirkungs- mechanismus

Redaktion, 21. Juli 2006, 11:15

Viele Menschen bringen die beiden durcheinander: Bei der "Pille danach" handelt es sich um eine Verhütung nach einem ungeschützten Verkehr um eine Schwangerschaft zu verhindern, bei der "Abtreibungspille" um den Abbruch einer bestehenden Schwangerschaft.

Nur ein Hormon

Wie der Name "Pille danach" sagt, wird sie zur Verhütung nach einem ungeschützten Verkehr oder nach einer Verhütungspanne angewendet, um eine Schwangerschaft zu verhindern. Dies sollte nicht verwechselt werden mit der "Abtreibungspille" Mifegyne®, mit der eine bestehende Schwangerschaft abgebrochen wird. Die heute angewendete Pille danach (Vikela®, Postinor®) enthält lediglich 1 Hormon, ein Gestagen, im Gegensatz zur normalen Pille, die zusätzlich noch ein Östrogen enthält. Deshalb ist die Pille danach auch besser verträglich.

Wirkungsmechanismus

Zum Wirkungsmechanismus hat es in den letzten Jahren einige neue Erkenntnisse gegeben, welche vor kurzem publiziert und auch auf dem letzten Gynäkologieweltkongress vorgestellt wurden. Während früher vermutet wurde, die Pille danach hätte verschiedene Angriffspunkte, konnte letztlich nur ein einziger Wirkungsmechanismus bestätigt werden: sie verhindert oder verzögert den Eisprung. Falls dieser schon stattgefunden hat, ist die Pille danach wirkungslos. Es konnte gezeigt werden, daß keine Beeinflussung der Befruchtung oder der Beweglichkeit von Spermien oder Eizelle erfolgt. Auch auf die Einnistung einer befruchteten Eizelle hat die Pille danach keinen Einfluß.

Rezeptpflicht

Da die Pille danach nur wirkt, bevor der Eisprung stattgefunden hat, soll sie sobald wie möglich eingenommen werden, jedoch spätestens innerhalb von 72 Stunden nach einem ungeschützten Verkehr. Da der Bedarf für die Pille danach meist abends oder am Wochenende entsteht, ist es häufig mühsam zunächst einen Arzt und dann auch noch eine Apotheke zu finden. Deshalb ist die Pille danach in den meisten westeuropäischen Ländern schon länger rezeptfrei erhältlich.

Die Pille danach verhütet keine künftige Schwangerschaft. Der nächste ungeschützte Geschlechtsverkehr kann zu einer (neuerlichen) Befruchtung führen.

Derzeit ist die ‚Pille danach’ in insgesamt 28 Ländern weltweit und 14 Ländern europaweit rezeptfrei erhältlich. In Europa sind dies: Belgien, Dänemark, Estland, Finnland, Frankreich, Island, Lettland, Litauen, Holland, Norwegen, Portugal, Schweden, Schweiz, Großbritannien

Links

International Consortium for Emergency Contraception

Die hier vorliegenden Informationen zur "Pille danach" wurden freundlicherweise von Dr. Christian Fiala vom Gynmed Ambulatorium zusammengestellt.

Quelle: K. Gemzell-Danielsson and L. Marions Mechanisms of action of mifepristone and levonorgestrel when used for Emergency Contraception Hum Reprod Update. 2004 Jul-Aug;10(4):341-8 (Abstract)

Rune Olwen
00
28.8.2007, 16:59
Es gibt dänische Studie

Es gibt eine dänische Studie. Danach bezieht sich das "80%" auf die ohne Pille danach eingetretenen Schwangerschaften.
Klartext: eine von vier Vergewaltigungen hat eine Schwangerschaft zur Folge, eine von 10 bei freiwilligem Geschlechtsverkehr. Die Anwendung der Pille danach in Dänemark, wo das Gesundheitssystem kostenlos ist und auch vergewaltigte Frauen selbstverständlich in die Poliklinik gehen (rund um die Uhr), ergibt, dass nur zwei von 10, die die Pille danach genommen haben, für eine Abtreibung zurückkommen. Eine Zahl für trotzdem ausgetragene Schwangerschaften steht nur in der Tabelle der Studie, sie liegt unter der statistischen Erfassbarkeit.
wer dänisch kann:http://www.abortnet.dk/Default.aspx?ID=101

Wilhelmine Kirchner
20
25.7.2007, 18:43
Die Pille danach ist ein Instrument des Todes!

Damit darf nicht leichtfertig,gewissenlos umgegangen werden.
Es darf nicht sein,dass Frauen,wo gesundheitlich alles in Ordung ist und keine Gefahr ihrer Gesundheit besteht und die Regel ausgeblieben ist gefragt werden vom Frauenarzt: Wollen sie das Kind ja oder nein?
WEr finanziell nicht REICH ist wird möglicherweise Angst haben um die Zukunft des KIndes und leichtfertig die "Pille danach" nehmen und sich der Konsequenzen nicht bewußt sein,was sie (seelisch)verlieren und gleichzeitig wird ihnen die ganze VErantwortung ALLEINE aufgehalst und die Ärzte waschen sich die Hände in Unschuld!

Viktoria Roth
01
25.7.2007, 22:34
Huuuuuch, mir kommt das Gruseln...

wenn ich mir überlege, dass alle 4 Minute auf diesem Planeten ein bereits geborenes Kind abkratzen lassen wird:
weil die Mutter zu wenig zu Essen bekommen hat,
oder weil das Kind nichts zu essen bekommt.

Das ist nicht Sache der Kirche(n)? Ach, wie war das doch mit dem Kolonialismus und der Gier nach gratis Rohstoffen? Bis heute geht dieses Spielchen ungebremst dahin.
Armut wird gemacht - sie kommt nicht von irgendeinem Gott.

Her mit dem vielen Kirchengeld - Schluss mit der (zwangseingetriebenen) Kirchensteuer. Her mit den vielen Kirchenhäusern - in Frauenhand! Für Erholungsheime für alleinerziehende Frauen z.B.

Umverteilung, Damen und Herren Reiche-Krieg-den-Hals-nicht-voll! Und zwar nach Unten.
Dann reden wir weiter.

Olidrium
00
18.8.2006, 14:46
Und wie sieht es mit der Wirksamkeit von der Pille danach aus?

Nach diesen Schilderungen kann diese ja bei weitem keine 80% sein. Es ist ja möglich, dass der Eisprung vor/während/kurz nach - dem Geschlechtsverkehr stattgefunden hat und die Verbindung von Ei- und Samenzelle schon längst stattgefunden hat.
Wie ich das lese, kann die Pille danach nur in Ausnahmefällen wirken...
Aber seriöse Studien über die Wirksamkeit gibt es ohnehin nicht (nicht einmal über die detaillierte Wirkungsweise *g*), schließlich wollen sich die Medikamenthersteller nicht ihr Geschäft verderben lassen.
Pille und Kondom in Kombination ist für mich ohnehin die einzig relativ sichere Variante. (Wobei es bei der Pille alleine sicher nur eine Frage der Zeit ist, bis eine Schwangerschaft eintritt, auch wenns manche nicht glauben.)

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.