Gegen patriarchale Normierungen

Redaktion, 16. Dezember 2008, 18:31
  • Artikelbild

    Diskurse um den Zwang schön - weiblich - perfekt zu sein.

Weiblicher Körper und Schönheit im Fokus - Diskurse in den Frauenbewegungen

Schon in der ersten Frauenbewegung der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts und dann verstärkt in der Neuen Frauenbewegung ab den 70er-Jahren richtet/e sich ein wesentlicher Fokus an die Enteignung und patriarchale Aneignung des weiblichen Körpers. Das Weiblichkeitsideal, das in erster Linie auf die bürgerliche Frau zielt/e - "schön", schwach, geschnürt, deformiert - wurde als eines für Repräsentationszwecke des männlichen Besitzers analysiert und in der Folge abgewehrt. Besitz gepaart mit Wohlwollen des Aneigners - denn was einem gehört, soll einem gefallen, auf dass man "es" gern benützen tut, wenn man schon in "es" investiert, eine Kosten-Nutzen-Rechnung also? - wurde entlarvt.

Widersprüche

Die Erste Frauenbewegung, welche an der Erringung der Reformkleidung, des Frauensports und der Freikörperkultur beteiligt war, machte zudem auf den haarsträubenden Widerspruch zwischen der physisch schweren Arbeit der Fabriksarbeiterinnen und Bäuerinnen und dem Verbot des Frauenstudiums aufgrund der angeblichen "weiblichen Schwäche" aufmerksam. Ein wesentlicher Punkt betraf auch die Forderung nach freier Sexualität, in der das Selbstbestimmungsrecht über Schwangerschaft, Geburt und Abtreibung inkludiert war.

Denn schon lange vor dem Hitler-Faschismus wurde die Ausbeutung des weiblichen Körpers für bevölkerungspolitische, militaristische, imperialistische und rassistische Zwecke - Gebärzwang für "arische" Frauen versus Zwangssterilisation, Abtreibungsgebot und Vernichtung für und von Jüdinnen und andere politisch unerwünschte Frauen - als ein dem patriarchalen Staatswesen immanentes und grundlegendes Gesetz erkannt.

Die Neue Frauenbewegung nahm sich dann der Analyse von vier - hier nur verkürzt dargestellten und auf den Punkt gebrachten - Zwängen an:

Zwang I: Mutterschaft

Schwangerschaft, Geburt und Abtreibung unterliegen dem staatlichen bevölkerungspolitischen Zugriff und Übergriff durch Kontrolle, Zwangsmutterschaft und Kriminalisierung. Die Gen- und Reproduktionstechnologie muss sich den Vorwurf gefallen lassen, an der weiteren Enteignung des Frauenkörpers beteiligt zu sein.

Zwang II: Sexualobjekt

Die Vermarktung des Frauenkörpers durch die männlich-dominierte Sexualität und seine konsum-profitorientierte Vermarktung in Werbung, Medien, Pornografie und Prostitution hat verheerende Folgen für Frauen.

Zwang III: Schönheitsobjekt

Die männlich geprägten und überspannten Schönheitsideale mit unerreichbaren Körperformen steigern sich vehement. Obwohl die dargestellten Frauen zum überwiegenden Teil retouschiert sind - Beine zu einem Drittel verlängert, Busen und Po gerundet - suggerieren sie Realität, die von vielen Mädchen und Frauen nachahmenswert erscheint. Esstörungen und Schönheitsoperationen sind die Folge.

Zwang IV: Krankheit Frau

In Theorie und Praxis der Gynäkologie und des gesamten Gesundheitswesens werden Frauen nach männlichen Kriterien behandelt. Menstruation, Schwangerschaft, Geburt und Wechsel werden nach wie vor als Krankheiten gesehen. Auch hier ist Unterdrückung der Frau Profit der Pharmaindustrie wichtiger als das Wohl des Frauenkörpers. (dabu)

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2
Zisa
00
Da dreht man sich im Kreis

ad Schönheitsideal: Frauen konkurrieren untereinander und sind da grausam. Da macht man die schlimmen Erfahrungen. Das heutige Schönheitsideal aus den Medien -Frau dünner Hungerhacken mit großen Knien und keiner Brust- gefällt den Männern gar nicht. Aber da kann man nun lange diskutieren warum dieses Ideal so in ist. Männer stehen auch mehr unter Druck Idealen zu entsprechen.
ad Gebären: man macht ab einen gewissen Alter als kinderlose Frau oft Erfahrung, daß man ein bisschen weniger gilt. Auch hier oft Frauen, die die Hiebe verteilen.
Sonstiges:ich will gleich viel verdienen für gleiche Arbeit! Da kann man als Frau ewig warten. Und: Krankenversicherungen sollen nicht Geburt als schlimmen Kostenfaktor sehen. Das soll sich mal ändern!

muslimin
00
10.3.2006, 16:21

ich denke das problem ist nicht nur ein weibliches, und es geht auch nicht darum, wer was schön findet. denn es hat auch schon schönheitsideale gegeben, die kein krankheitsbild (wie z.B. magersucht) waren. aber warum immer diese ideale? das problem liegt ja darin, dass frauen nicht einfach aussehen können, wie sie wollen, sondern imemr von den verschiedensten seiten ideale aufgedrängt bekommen. und das macht ja nicht bei äußerlichkeiten halt. karrierefrau oder mutter, dünn oder pummelig - warum kann frau nicht einfach sein, wie sie sein will? ich denke gerade in der vielfalt liegt die schönheit. in dem sinn müssen doch nicht alle gleich aussehen und ihr leben gleich führen, um von der gesellschaft akzeptiert zu werden!

Don Giovanni
00
26.1.2006, 21:39

der größte Blödsinn ist wohl der Spruch "männlich geprägte Schönheitsideale".
Kein normaler Mann findet diese dünnen Models schön..

Thomas Felder
00
26.1.2006, 12:05
oh mama

gäääähn...

der-der-be-ber-ber
00
24.1.2006, 12:26
es wird zeit

dass mal ein reality-photoshop erfunden wird, dann koennen sich die die es noetig haben die beine um ein drittel verlaengern und den po und busen runden.

ist oft schon sehr ernuechternd, wenn frau sich der kleider entledigt hat und es stimmt nicht mit dem auf dem plakat ueberein...

Captain Smoker
01
24.1.2006, 11:29
Jaja, die bösen Männer...

Dieser Schönheitszwang kommt wohl eher von den Frauen selber. Da muß man sich nur österreichs am weitesten verbreitetes Frauenmagazin Woman anschauen. Da werden fast alle Artikel ausschließlich von Frauen geschrieben. Da heißt es immer nur "Wie nehme ich schnell ab", "Wie gefalle ich jedem Mann", "So angeln sie sich den Richtigen", ...

Und die schlimmsten Aussagen über dicke oder "häßliche" Frauen habe ich bisher von Frauen selber gehört. Solche Bezeichnungen würde ich niemals in den Mund nehmen. Meiner Meinung ist das Hauptproblem, dass sich Frauen immer gnadenlos mit anderen Frauen vergleichen.

owen breon3
00
24.1.2006, 08:28
freier wille ... hallo?

Ogg Vorbis
 
00
24.1.2006, 09:21
grosser irrtum ... hallo!

Vazlav Gattuduwifit
 
00
24.1.2006, 18:23
interessant

daß nur frauen keinen freien willen haben........

Ogg Vorbis
 
00
25.1.2006, 13:17
das

war nicht meine aussage. ich hoffe, wenigstens diese antwort ist der hiesigen zensur genehm...

Vazlav Gattuduwifit
 
00
25.1.2006, 16:07
aber meine

Frodo Der Hobbit
00
23.1.2006, 17:32
nicht nur

in meinem bekanntenkreis muss ich leider feststellen, dass das "völkische" denken bezüglich reproduktion und mutterschaft ganz besonders bei den frauen der älteren generation zutiefst verankert ist.
sie scheinen tatsächlich der festen überzeugung, damit eigene, wichtige interessen zu verfolgen, wenn sie de facto einen imperativ an andere frauen im gebärfähigen alter postulieren.

Susi Stattnam
00
24.1.2006, 17:41
es ist ja auch schon damit abgezeichnet,

dass sich Frauen mit Kindern gegenueber Frauen ohne Kinder bevorzugen wollen, indem die Aufzucht der eigenen Kinder mit einem Gehalt der Oeffentlichkeit versehen werden soll.

Franz Woyzecks liebste Erbse
01
23.1.2006, 17:29

Sexualität durch die Brille der Political Correctness zu betrachten, kann nur schief gehen.
Attraktivität ist nun mal nicht einklagbar, und die männliche Weltverschwörung gibt es auch nicht.

Vazlav Gattuduwifit
 
00
23.1.2006, 15:41
sind frauen wirklich so unselbstständig

wie es dieser artikel suggeriert?

Ogg Vorbis
 
00
24.1.2006, 09:27
na und männer sind

selbstständiger? oder meine sie die etwas äusserlicheren insignien der selbstdarstellung (auto, einkommen, kleidung, titel) unterliegen anderen kriterien... nur weil mann glaubt mann will eh was mann ist und wie mann es tut, heisst das noch lange nicht dass es etwas anderes ist als absolute gesellschaftliche normierung und purer erfüllungszwang...

Vazlav Gattuduwifit
 
01
24.1.2006, 16:39
großer unterschied

im artikel wird der sachverhalt so dargestellt, daß die frauen ausgebeutet und benachteiligt werden zum wohle der männer.

wenn ein mann sich bei den frauen beklagt, daß er sich ein batzen auto zulegen muß, damit er als sexy empfunden wird, dann macht sich dieser mann genauso lächerlich.

weil......kein eigenes hirn.

so zu tun als wären menschen arme, dumme marionetten find ich ziemlich überheblich.

Markus H.
 
00
22.1.2006, 18:17

"Die männlich geprägten und überspannten Schönheitsideale mit unerreichbaren Körperformen steigern sich vehement."

Also mir erscheint die Propagander von diversen Schoenheitsideaen eher weiblich gepraegt, als maennlich.

"Auch hier ist Unterdrückung der Frau Profit der Pharmaindustrie wichtiger als das Wohl des Frauenkörpers."

Der Pharmaindustrie ist es im Prinzip voellig egal womit sie ihr Geld verdiehnen, die wenden ihre Methoden unabhaengig vom Geschlecht der Patienten an.

Das wichtigst dieses Artikels ist es aber das Patriarchat als Suendenbocks zu erhalten, das erspart wunderbar ueber die echten Ursachen nachzudenken. Das Patriarchat gibt es schon lange nimmer, alleine als Suendenbockprojektionsflaeche wird es am Leben erhalten!

Anabelle
00
28.1.2006, 15:50
Kein Patriarchat mehr?

Ich bin wirklich für freie Meinungsäußerung, aber Ihren sarkastischen Dauerantifeminismus auf den Seiten finde ich echt langsam unterträglich. DieStandard braucht offenbar tatsächlich keine echt weiblichen Leserinnen und Posterinnen, sondern hat mir Ihnen alleine genug. Dann soll es auch so sein. Hoffentlich bekommen Sie was dafür.

Markus H.
 
01
28.1.2006, 17:43

Sie haben recht, das Posting von mir hier hatten einen beabsichtigten sarkastischen Unterton.

Jedoch im Kern stehe ich hinter der Aussage dass es bei uns kein Patriarchat gibt. Aus meiner sicht gibt es bei uns zum groessten Teil Gleichberechtigung.

Dann gibt es bei uns auch noch einige Anzeichen die auf patriarchale Tendenzen schliesen lassen (z.B: in Fuehrungspositioinen sind ueberwiegend Maenner oder die Organisation der Amtskirche)

Ebenso gibt es aber auch Anzeichen die auf frauendominierte/matriarchale Tendenzen schliessen lassen. (z.B: gesetzliche Diskriminierungen bei Wehrdienst, Pensionsantritt, etc. oder auch, dass im Trennungsfall die Kinder meist bei der Mutter bleiben, weiblich dominierte Erziehung in Horten/Kindergarten/...)

4coralle
00
20.8.2009, 17:11
da kann ich ja nur lachen…

zu thema "weiblich dominierte Erziehung in Horten/Kindergarten/...".
raten sie mal, warum es so wenig männer in diesen berufszweigen gibt… und was soll der vorwurf überhaupt bedeuten? dass buben (im alter zw. 0 und 6 jahren) dort "lernen" zu kochen oder mit puppen zu spielen?

ich bin schon im realen berufsalltag wegen meines geschlechts diskriminiert worden. so viel zum thema patriachale gesellschaft.

scorpio rising
01
es gibt kein patriarchat mehr?

an welchen tatsachen machen sie das fest??

wachen Sie mal auf

Des wors
00
29.1.2006, 08:25
Traumwelt?

Im realen, alltäglichen Leben gibt es bei uns nachweislich im Moment wieder stärker werdende Tendenzen zur partriarchalen Normierung, auch wenn mühsam versucht wird, den Rückstand der Frauen ein wenig aufzuholen. Selbst die Geldmittel, die in dem Bereich flossen, werden total reduziert bis eingefroren. Was Sie da als Beispiele für frauendominierte Tendenzen anführen, haben wohl nicht Frauen eingeführt, um Männer zu diskriminieren. Wie gesagt...verarschen Sie sich selbst, das wäre angemessener.

Markus H.
 
00
29.1.2006, 11:10

Welche "nachweislich im Moment wieder stärker werdende Tendenzen zur partriarchalen Normierung" meinen sie und mit welchen Nachweis?

"Was Sie da als Beispiele für frauendominierte Tendenzen anführen, haben wohl nicht Frauen eingeführt, um Männer zu diskriminieren."

Ich habe auch nicht behauptet, dass dies alles von Frauen eingefuehrt wurde. Wenn sie aber auf dieses Kriterium wert legen so fallen darunter alle relativ neuen Gesetze, welche einseitige Frauenfoerderung betreiben, ohne dass Maenner unter gleichen Kriterien sie beanspruchen koennen (z.B: Quotenregelung)

Oder auch beim Pensionsantritsalter haben Frauen ihr Privileg fuer lange Zeit festschreiben koennen, indem mal sie durchsetzten, dass sich zuerst 20 Jahre nichts aendernt.

Des wors
00
29.1.2006, 11:28
Ich teile Ihre Ansichten nicht

und es wäre fein, wenn Sie zu den Ihren öffentlich auch im realen Leben stehen würden, dort würde ich sie dann gerne zur Diskussion stellen. Andere können ja befinden, da wir ohnehin zu keinem Ergebnis kommen.

Kommentar posten
Posting 1 bis 25 von 28
1 2

Die Kommentare von Usern und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.