Wenn Männer alt aussehen

von Redaktion  |  24. Jänner 2006, 07:00
  • Artikelbild: "Hören Sie auf ihr Geld", rät das Bankhaus Spängler. - Foto: Archiv
    "Hören Sie auf ihr Geld", rät das Bankhaus Spängler.

Nicht etwa graue Schläfen machen sie zu "Auslaufmodellen", sondern junge Frauen, die sie ausnehmen - eine Zitrone für die Werbung des Bankhauses Spängler

Ein Mann und eine Frau in inniger Umarmung: Sie hat ihren jungen blonden Kopf zärtlich an seine starken Schultern gelegt. Sein abgewendeter Kopf lässt auf den ersten Blick nicht erkennen, dass zwischen den beiden ein erheblicher Altersunterschied vorliegt. "Was soll's?", denken Sie sich? Da haben Sie recht. Nur - wie so oft - liegt auch bei dieser Werbebotschaft der "Teufel" im Detail, oder besser, der blanke Sexismus, den es an dieser Stelle anzuprangern gilt.

Die vom Bankhaus Spängler in Auftrag gegebene Werbekampagne trägt dann nämlich folgenden Untertitel: "Natürlich ist ihre neue Frau nicht zu jung für Sie. Aber bei der Trennung könnten Sie ganz schön alt aussehen". Jetzt werden Sie vielleicht sagen, es sei vollkommen normal, dass sich ältere Männer im zweiten Durchlauf gerne an Jüngeren orientieren, dass Ehen geschieden werden, und, dass es dann zu Versorgungspflichten kommt. Wieder haben Sie vollkommen recht. Nur, was soll dieser wissende Blick der jungen Frau direkt in das Objekt der Kamera? Dieses blonde Luxusgeschöpf hat offensichtlich etwas vor, nämlich ihren alten Knacker ganz gehörig auszunehmen.

Das Vermögen solcher KundEN interessiert das altehrwürdige Salzburger Bankhaus Spängler offensichtlich besonders. Scheinbar gesucht und gefunden hat sie die in Wien ansässige Werbeagentur Demner, Merlicek und Bergmann, die ja bereits bekannt ist für ihre selbstbewusste Verbreitung frivoler bis rassistischer Sinnwelten (siehe dieStandard.at-Zitrone "Schönes Mohren-Haserl").

Vergangene Moden

Da passt es, dass das Modell an eine Brigitte Bardot erinnert, mit ihren blonden, hochgesteckten Haaren und einem Make Up, das ihren Augen den (verschlagenen?) Ausdruck einer Katze verleiht. Es sind Hilfsmittel für das Andocken an Gesellschaftsbilder, wie sie in den 1960ern en vogue waren, in denen Frauen nicht nur einen Ernährer suchten, sondern ihn auch brauchten - aus Mangel an Alternativen.

Frau könnte glauben, diese Zeiten sind vorbei. Angesichts solcher Werbebotschaften, zu denen übrigens auch der jüngste Herold-Radio-Werbespot gehört, in der sich zwei Frauen darüber unterhalten, wie sie am schnellsten einen heiratsfähigen Arzt finden, kommen Zweifel auf. Warum können die WerberInnen die westliche Kulturgeschichte nicht einmal nach emanzipierten Erzählungen durchforsten? Vermutlich, weil das die Kundschaft nicht so fesselt. (freu)

24.01.2006
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MonikaK
21.03.2007 15:02
Freude über Zitrone

Freue mich dass diese Werbung bereits eine Zitrone erhalten hat, die haben sie sich auch wirklich verdient!

BK W. Shoyssel
18.06.2006 10:03
wieso Sexismus?

Was passt daran nicht?

Das ist der Lauf der Welt. Das ist die Realität, liebe Zitrone. Kopf in den Sand stecken nützt da nichts.

Mynnia
20.07.2006 20:14

Und wenn "die Realität" sexistisch ist, dann eben NICHT Kopf in den Sand stecken, sondern wie hier aufmerksam machen, damit man sie verändern kann.

Im Übrigen ist es mehr als blöd, nur Männer anzusprechen..und Frauen zu vergraulen.

Heavyweather 
13.07.2009 14:06

Die Frauen sind halt nicht die Kunden der Bank...verdienen ja auch viel zu wenig. Wenn die Frau ein Konto bekommt dann bitte bei der Bank die ihrem Mann sympathisch ist ;)

Bluesman25  
19.04.2006 20:39
hier gibts rein gar nichts anzuprangern

wie der artikel gleich zu beginn weismachen will.
diese verheuchelte neoprüderie und all die lächerlichen "modernen" benimmregeln sind bizarr und nur noch ein brechmittel.

pip esmoker  
15.04.2006 15:26
Die Zitrone

vertritt eine Welt wie sie sein sollte, die Werbung richtet sich an die Welt wie sie ist. Daß diese Diskrepanz Reibungsflächen ohne Ende ergibt, wird der Zitronierung das ewige Leben ermöglichen.

Augen auf, Heirat ist Heirat.

Nixus Minimax
04.04.2006 11:34

Warum können die WerberInnen die westliche Kulturgeschichte nicht einmal nach emanzipierten Erzählungen durchforsten?

Vielleicht weil es wahrlich oft vorkommt, dass die holde, ach so ausgebeutete Weiblichkeit ihre Ex - Männer heftigst ausnehmen.

Alf von Melmak 
28.06.2009 20:51
Warum können die WerberInnen die westliche Kulturgeschichte nicht einmal nach emanzipierten Erzählungen durchforsten


Weil Werbung nicht dazu da ist, die Gesellschaft zu verändern, sondern Umsatz zu machen!

Stefan George
17.03.2006 19:47
lieber herr freu

mit diesem artikel haben sie sich wieder selbst übertroffen! weiter so!

delight vision
13.02.2006 09:40
Faule Zitronen

Die Zitrone Rubrik wird immer mehr vernachlässigt! Anfangs bot diese Rubrik fast täglich erstaunliches und ärgerliches aus der Medianwelt aber mittlerweile ist es nur mehr langweilig, denn die Einträge sind schlecht verwaltet - Schade, denn faule Zitronen interessieren halt auch niemanden mehr!

bor
28.01.2006 09:43
Na wo ist das Problem?

Diejenigen die sich nach der Trennung darum streiten müssen die eigenen Kinder sehen zu dürfen können ein Lied davon singen.

Bei 19.000 Scheidungen im Jahr sind das immerhin 4000-4500 Fälle. Da spielt Geld eine Hauptrolle.

Daniel Modler
26.01.2006 10:11

"... wie sie in den 1960ern en vogue waren, in denen Frauen nicht nur einen Ernährer suchten, sondern ihn auch brauchten"

das ist ein mMn nicht zulässiger schluss: wenn eine frau es heute nicht mehr notwendig hat, sich einen mann zu suchen, der sie ernährt (weil sie selbst beruflich gleiche chancen hat oder haben sollte), dann bedeutet das nicht automatisch, dass es nicht dennoch frauen gibt, die sich einen ernährer suchen, weil sie einfach sich das aufgrund ihres aussehen leisten können zu faul dazu zu sein sich ihr geld selber zu verdienen.

Michael P
25.01.2006 17:39
gerade auf puls tv:

moderatorin von console tv: "aber mädels, ihr wisst ja, dass einzige was männer von affen unterscheidet ist luxus."

wo bleibt die zitrone?

Susi Stattnam
14.03.2006 10:04
vielleicht haben Sie das nicht verstanden:

hier werden Frechheiten gegenueber Frauen aufgezeigt. Gruenden Sie Ihr eigenes Forum. Das fehlt noch, dass wir Frauen fuer Allgemeins herhalten sollen. Oh, waren das nicht Sie: entweder Frauenpolitik oder Allgemeinpolitik?

Vazlav Gattuduwifit 
09.04.2006 13:20
anscheinend haben sie es nicht verstanden

es geht hier um sexismus, nicht um männerbashing.

snake
25.01.2006 13:31
nicht untypisch.

der artikel ist keine 24 stunden alt und schon hängen 142 postings dran! man sieht, was die standart-leserschaft wirklich bewegt. wie viele gemeinplätze und oberflächlichkeiten werden mir beim lesen begegnen? nachdem zum thema selbst immer zwei gehören, kann ich mich noch garnicht aufregen. vielleicht über die interpretationen und bemerkungen!

Bluesman25  
19.04.2006 20:41
@snake

komisch, ja. dabei ist doch diese forum sooo elitär.

snake
20.04.2006 11:28
ah ja?

nicht wirklich, so g'scheit bin ich auch. was soll's , man muss ja nicht alles lesen.

dcz
25.01.2006 12:40
tja, es hat eben jeder was das ihn/sie alt macht:

eine frau, einen mann, kinder, (k)einen job, alkohol, nikotin, schulden,... liste beliebig verlängerbar.

entbehrliche aufregung, schreiben´s lieber drüber dass man der werbung nicht (alles) glauben darf.

Eleonore Moser
25.01.2006 11:42
Scheinheilig

Das ist wohl der scheinheiligste Artikel, der "im Sinne der Emanzipation" geschrieben worden ist. Keine Zitrone, sondern eine rote Rose für die Werbeagentur des Bankhauses! Wer hat diese Kolumne im "Standard" geschrieben? Eine junge Frau, die auf der Suche nach einem Mann zum Ausnehmen ist oder ein alter Mann, der sich der Illusion hingeben will, dass er nur aufgrund seines Charmes und Aussehens von einer jungen Frau gewählt wurde? Es war längst fällig, dass die Realität von einer Werbeagentur dargestellt wird!

dakila dakila
25.01.2006 09:56
Ich wiederhole: Mit Frauen, die sich ihr Geld "erheiraten", solidarisiere ich mich nicht.

mira mitz
25.01.2006 17:18
ich wiederhole: wer wen warum heiratet, kann ihnen schnurz sein

Vazlav Gattuduwifit 
26.01.2006 11:29
mit wem sich dakila solidarisiert

kann ihnen doch auch schnurz sein

mira mitz
26.01.2006 16:29
ist es mir auch.

aber darum gehts in meinem posting auch gar nicht

R.M. S.
25.01.2006 10:48

Ich glaube das es die angesprochenen Frauen nicht wirklich kümmert, oder haben sie etwas davon wenn du dich mit ihnen 'solidarisierst'?

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