Vergewaltigungen, Zwangsehen und Mord machen das Leben von Frauen auch nach dem Taliban-Regime zur Hölle
Kabul - Mehr als vier Jahre nach dem Sturz der
radikalislamischen Taliban leiden Frauen in Afghanistan immer noch
unter Vergewaltigung, Mord und Zwangsheirat. "Von den entlegensten
Dörfern bis hin zu Städten wie Kabul werden Frauen missbraucht",
sagte Hangama Anwari von der unabhängigen afghanischen
Menschenrechtskommission (AIHRC) bei der Vorstellung eines Berichtes
am Montag in Kabul.
Selbstmorde
Mehr als 38 Prozent der befragten Frauen hätte angegeben, gegen
ihren Willen verheiratet worden zu sein. Jede zweite Frau habe
gesagt, dass sie mit ihrem Eheleben unzufrieden sei. Gewalt und
Enttäuschung hätten zu zahlreichen Selbstmordversuchen geführt, sagte
Anwari. Die AIHRC hat im vergangenen Jahr 198 Selbstmordversuche bei
Frauen registriert, die in 69 Fällen zum Tod führten.
Mangelndes Bildungs- und Gesundheitswesen
Außerdem beklagt der Bericht den mangelnden Zugang von Frauen zu
gesundheitlicher Betreuung und Bildung. Es gebe nur einen Arzt für
100.000 Menschen und ein Krankenhausbett für 3.000 Menschen. Eine von
zehn Frauen käme bei der Geburt ihres Kindes ums Leben, was eine der
höchsten Sterberaten der Welt sei. Mehr als 80 Prozent der
afghanischen Frauen seien Analphabetinnen. Das bis Ende 2001 regierende
Taliban-Regime hatte es Frauen untersagt, in die Schule zu gehen oder
ohne einen männlichen Verwandten das Haus zu verlassen. (APA/ag.)