"Anemonis", queere Liebe

von Redaktion  |  12. April 2006, 07:00
  • Artikelbild: Filmszene aus "Anemonis" - Foto: ART.Welten/Art
    Filmszene aus "Anemonis"
  • Artikelbild: Die junge Filmemacherin Monja Art bei den Dreharbeiten - Foto: ART.Welten/Art
    Die junge Filmemacherin Monja Art bei den Dreharbeiten

Mit ihrem ersten Film will die österreichische Künstlerin Monja Art Toleranz und Akzeptanz schaffen

Ein Mann singt als Frau verkleidet in einem Lokal. Ein Mann erzählt von sich, erinnert sich an seine Liebe. Zwei Frauen diskutieren, haben Angst, getötet zu werden. Zwei Menschen unterhalten sich in einer Kirche ... das sind Einstiege in Szenen des österreichischen Spielfilms "Anemonis", der vergangenen Herbst das erste Mal im Schikaneder-Kino in Wien gezeigt wurde. Insgesamt acht Szenen umfasst der erste Film der 22-jährigen Künstlerin Monja Art. Sie drehen sich um Homosexualität, Transgender Personen, Bi- und Heterosexualität, Sodomie und Asexualität. Bilder, Musik, Stille, Dialoge, Farbe und Schwarz-Weiß überlagern sich, lösen sich ab, zeigen eine Vielfalt an Lebensweisen und hinterlassen Raum für Identitäts- und Gesellschaftsfragen. Liebe und Diskriminierung stehen im Mittelpunkt, werden aber nicht positiv aufgelöst.

"Toleranz und Akzeptanz zu schaffen" ist das Ziel der Germanistik- und Philosophie-Studentin, erklärt sie dieStandard.at. Weil sich dieses Engagement gegen Diskriminierung durch ihr literarisches Schaffen zieht und ein Kurzfilm im Rahmen eines Uni-Projekts seinen Ausgang nahm, entstand "Anemonis" aus der Verknüpfung dieser beiden Zugänge.

Umsetzung

Der Spielfilm wurde ganz ohne Förderung und ohne SponsorInnen umgesetzt; gedreht mit einer Heimkamera, bei natürlicher Tagesbeleuchtung. Die Wichtigkeit der Kunst war Monja Arts Ansporn, 3.000 Euro und viel Zeit (u.a. für Produktion, Regie, Drehbuch, Kamera und Montage) zu investieren, um den Film gemeinsam mit Laien-SchauspielerInnen zu realisieren. "Ich wollte schon immer Filme machen, nicht nur schreiben", so Art. Gab es Hindernisse auf dem Weg zur Umsetzung des Films? "Ein Mangel an Geld, an SchauspielerInnen und Erfahrung v.a. im Hinblick auf den Ton."

Als Faden zieht sich Queerness - "Lebensweisen abseits der alltäglichen Norm" - durch alle Szenen. Diese Norm zweifelt die Filmemacherin an, denn "Heterosexualität ist für mich nicht die Norm, für die Gesellschaft schon". Nicht zuletzt das (zurecht) "durchwegs positive Feedback" auf den Film gibt Art recht. "Anemonis" wurde inzwischen mehrmals in Wien und kürzlich beim alternativen Filmfestival Tromanale in Berlin gezeigt. Beim British International Amateur Film Festival erhielt der Film den "Bronze Standard Award".

Projekte

Mit "ART.Welten", dem von Art gegründeten Verein für freie Kunstschaffende, harren zahlreiche weitere Kunstprojekte der Realisierung, von Filmen bis zu Werbespots, aber auch in Richtung Musik und Malerei wird gedacht. Sechzehn Drehbücher seien inzwischen fertiggestellt, der experimentelle Kurzfilm "Welcome to my Prison" werde bald in St. Petersburg gezeigt, über TransMänner ist eine Dokumentation geplant.

"Mir ist es persönlich in meiner Kunst ein sehr großes Anliegen, queere Themen verstärkt öffentlich zu machen und zu zeigen, dass es auch ohne Geld möglich ist, Filme zu drehen, zu produzieren, ihnen eine Öffentlichkeit zu verschaffen. Und das auch in Österreich. Oder vielleicht gerade in Österreich", so Monja Art abschließend.

Von Daniela Yeoh

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vogel frei
12.04.2006 22:21
was - jetzt schon sommerloch?!

Jana P.
12.04.2006 16:01
Kunstfilm-Klischee

Man nehme alle nur auftreibaren jenseits von der "Norm" lebenden Menschen und lasse sie handlungsarm ohne feststehbares schauspielerisches Talent plaudern.
Damit steht fest, dass sich die Zuseher praktisch auf die wenigen, stets gleichen 100 Kunstfilm-Fans beschränken, die nicht gerade für Mangel an "Toleranz und Akzeptanz" berühmt sind.

Chien de Pique 
14.04.2006 21:20
Wieder einmal muss ich Ihrem frisch-freien,

originellen und klugen Blickwinkel Beifall spenden.

winnie cooper
12.04.2006 20:31
Sie haben soooo recht!!!

es ist immer das gleiche mit diesen filmen (sowie auch mit theaterstuecken und sonstigem ach so kuenstlerischem plunder). es geht immer um den gleichen kaese, performance, queerness, identity, hybridity, trans-welten blablabla, bla, bla, blabla usw.
auf die idee solche themen mal mit einer ordentlichen handlung, durchdachten figuren und einem halbwegs interessanten setting zu versehen, darauf kommen diese leute einfach nicht.
nur dass ihr "werk" so nicht viel aussagt und nicht viel bewirkt, das checken sie bei all dieser gehirnwichserei nicht. sollte jemand das anmerken, wird halt dann opfer, intoleranz und diskriminierung geschrieen.
es ist schon eine furchtbare zeit in der wir leben.

winnie cooper
12.04.2006 21:21
hey, da gab es wohl ein problem mit dem posting??

Viktoria Roth
12.04.2006 08:37
nicht low budget sondern no budget,

das Politische dran ist: es wird den Herren Kunst-Staatssekretär unendlich freuen, dass Frau wieder mal gratis arbeitet!

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