Fevzije merkt schnell, dass sie die Zwölfjährigen mit ihren Fragen überfordert und erzählt von sich. "Sie wussten nicht einmal, dass so etwas wie der Kosovo existiert", schmunzelt sie. "In unserer Kultur ist es üblich als Gast Kaffee zu bekommen und ich sagte den beiden, ich komme am Abend wieder zurück und fragte, ob ich dann wohl einen Kaffee kriege..." Bei ihrem erneuten Besuch merkt sie, dass es den Mädchen gut tut, sich mit einer Romni zu unterhalten, aber nicht so weit, dass sie offen mit ihr sprechen. Obwohl eine dann doch den Mund aufmacht: "Ich habe sie sehr emotionell ausgefragt. Das eine Mädchen war nicht mehr belastbar, es musste einfach aus ihr heraus, was sie erlebt hat. Sie sagte, dass Betteln für sie okay geht, aber gezwungen zu werden, mit fremden Männern Sex zu haben, da sei eine Grenze für sie überschritten. Sie wollte nur nach Hause."
Sprachlosigkeit
"Das pädagogische Arbeitsfeld ist in diesem Zusammenhang sehr eingeschränkt", konstatiert Karin Hirschl, eine Sozialpädagogin, die seit 25 Jahren in unterschiedlichen Bereichen Krisenarbeit mit Kindern und Jugendlichen macht und seit fünf Jahren in der Drehscheibe arbeitet. "Von der menschlichen Ebene her sind wir sehr gefragt, aber wir stehen einander mehr oder weniger sprachlos gegenüber. Die Kleinen sind noch sehr arglos und kindlich – von der lustigen Abteilung. Die sind abgerichtet wie die Hundln und haben kein Unrechtsbewusstsein. Verschreckt sind eher die Größeren, die nach einer gewissen Bewusstseinsbildung raus aus dem Ganzen wollen." "Ab vier wird das Mädchen als Taschendiebin ausgebildet. Wenn sie zehn ist, verlange ich 10.000 Euro von meinem Nachbarklan, die sie in zwei bis drei Monaten wieder hereinbringen muss. Mit 14 hat sie dann in Österreich eine Latte an Diebstählen begangen und kommt sofort in Haft. Das erste Mal kriegt sie eine bedingte Strafe, muss innerhalb von 48 Stunden wieder stehlen gehen, wird wieder verhaftet und sitzt die ganze Strafe ab. Wir können sie nicht vor dem Diebstahl schützen", erklärt Norbert Ceipek, der dynamische Leiter. "Wenn das Mädchen nicht gut genug stiehlt, wird sie am Wochenende als Prostituierte gehandelt. Sie wird für 24 Stunden an erwachsene Türken verkauft, um 750 Euro, der darf sie weiter vermieten. Nach 24 Stunden bringt er sie wieder." "Prostituierte werden immer jünger", meint auch Karin Hirschl. „Wir sind am Dokumentieren. Das steckt noch alles in den Kinderschuhen. Hauptsache ist, dass die Kinder merken, es passiert ihnen in unserem Krisenzentrum nichts."
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Diesen Artikel finden Sie auch in der aktuellen April-Ausgabe der "An.schläge" - das feministische Magazin.
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und zugleich kommt einem die Wut hoch, wie die Politik mit dieser Situation umgeht-da werden die Kinder nocheinmal zu Opfern gemacht, da wird billig populistisch polemisiert, da wird eher weggeschaut, als blitzartig massivste Aktionen zu starten-sowohl auf polizeilicher als auch auf sozialpsychologischer Ebene-warum gibts da keine "Operation Spring" mit 1000 Polizisten, die die offensichtlich bekannten Örtlichkeiten durchkämmen (allein, dass ein "Kinderstrich" bekannt ist, müßte schon für massive Polizeipräsenz an solchen Orten sorgen); und sozialpädagogisch weiß man eh, was zu tun wäre;
Drogendealer lassen sich gut politisch vermarkten, aber sexuelle Gewalt gegenüber (fremden) Kindern löst keinen Aufschrei der Empörung aus?
gut, weil Dinge zur Sprache gebracht werden - fragt sich nur, was es bringt;
nb: ich glaub ja weniger an diese "Triebbefriedigung" als vielmehr an "Verdrängung durch Sex" - weiters glaube ich, dass viele Männer, die zu (jungen) Prostituierten gehen, von Versagensangst bei einer "alltäglichen" Partnerin übermannt sind; aber glauben heißt ja "nix wissen";
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