"Kühe hüten ohne Kalaschnikow"

von Redaktion  |  07. April 2006, 19:42
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    Stella Sabiiti
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    Igballe Rogova

Frauen aus dem Kosovo und Uganda berichten über Konfliktlösung

Wien - "Wir waren entsetzt, wie sehr uns die internationale Gemeinschaft nach dem Krieg ignoriert hat", sagt Igballe Rogova, die Gründerin des kosovarischen Frauennetzwerks. Bei dem von der österreichischen Entwicklungshilfe organisierten Symposium "Building Peace -Empowering Women" diskutierte sie am Freitag in Wien über Möglichkeiten, Frauen stärker in Friedensprozesse einzubeziehen. Rogova und ihre Mitstreiterinnen kämpfe darum bei den Verhandlungen um den Status des Kosovo vertreten zu sein. Denn im Verhandlungsteam sitzen bisher nur Männer.

"Wir wollen nicht nur in die Arbeitsgruppen, wir wollen direkt am Verhandlungstisch sitzen, weil das einen Unterschied macht", sagt Rogova. Mit der vor fünf Jahren verabschiedeten Sicherheitsratsresolution 1325, die die Einbindung von Frauen und Frauenanliegen in alle Phasen eines Friedensprozesses gewährleisten soll, müsste das eigentlich selbstverständlich sein. Ist es aber nicht. Als sich im September 2005 kosovarische Frauenvertreterinnen mit dem UN-Sondergesandten Kai Eide trafen und verlangten, dass sie im Verhandlungsteam sitzen wollen, meinte der: "Redet nicht mit mir wie Männer." Rogova meint, dass die Frauen eine andere Idee vom Friedensprozess im Kosovo hätten. "Wir sind nicht so auf den Status fixiert, sondern auf die Zukunft." Auch die Zusammenarbeit zwischen Frauen verschiedener ethnischer Gruppen im Netzwerk funktioniert gut - eine Ausnahme in der von Misstrauen geprägten kosovarischen Gesellschaft.

Alle zwei Monate treffen sich auch Albanerinnen und Serbinnen. Die ökonomische Entwicklung ist ihr größtes Anliegen, auch um die Gewalt gegen Frauen zurückzudrängen, sagt Rogova. "Wenn die Männer deprimiert sind, dann schlagen sie zu."

Stella Mystica Sabiiti arbeitet vorwiegend mit Männern. Die Uganderin hat jüngst einige Dorfälteste aus der Karamoja-Region in einen Bus gepackt und ist mit ihnen quer durchs Land gefahren. "Die haben große Augen gemacht, dass Leute die Grenzen übertreten, ohne Gefahr zu laufen, ermordet zu werden und Kühe hüten ohne Kalaschnikow in der Hand", erzählt sie. Man müsse die alten Männer dazu bringen, ihre Ansichten zu ändern, denn die jungen führten nur ihre Befehle aus. Sabiiti arbeitet beim Center for Conflict Resolution (Cecore).

Die Nomadenstämme im Nordosten von Uganda an der kenianischen Grenze sind alle schwer bewaffnet. Wenn sie aufgrund der Dürre mit ihren Kühen weiterziehen, brennen sie oft die Dörfer jener Stämme nieder, die sie vorher aufgenommen haben. Einer Gewaltaktion folgt die nächste: In Karamoja ist ein Leben ohne Vergewaltigungen, Morde und Folter kaum mehr vorstellbar. "Manche Männer machen das nicht, weil sie so gewalttätig sind, sondern weil sie zeigen wollen, dass sie Männer sind", sagt Sabiiti. Wichtig sei, mit den Tätern und nicht nur mit den Opfern zu arbeiten. (awö, DER STANDARD, Print, 8./9.4.2006)

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