WienerInnen und TürkInnen streiten im Bus
Wien - Samstagnachmittag, ein Bus der Linie 51 A setzt sich von der Hütteldorfer Straße in Richtung Hietzing in Bewegung. Ein Kind rastet im Kinderwagen aus und will unbedingt raus. Die Mutter setzt also ihren gut vier Jahre alten Sohn neben eine Türkin hin.
Das Kind überlegt nicht lange - und schlägt mit der Faust auf die Frau mit dem Kopftuch neben sich ein. Die Türkin reagiert klassisch wienerisch assimiliert: "Bist deppat?" und bekommt in der Folge eine ordentliche Portion "Goldenes Wienerherz" ab.
"Was fallt da ein? Du wirst mei Kind net schimpfen!", nimmt die Mutter den Sohn in Schutz. "Und des von ana Türkin! Scheiß Tschusch! I lass mei Kind von kan Tschuschn schimpfen!" Die Türkin steht auf, stellt sich mit etwas Sicherheitsabstand zur Türe und meint noch: "Ihr Kind hat keine Kultur." Die Mutter: "Mei Kind hot ka Kultur, des is zu 50 Prozent behindert!"
Weiter hinten im Bus sitzen drei Rapidfans, die sich für das anstehende Match bereits ordentlich Mut angetrunken haben. Also beginnen sie, an ihren Bierdosen Halt suchend, nun ihre Kultur verteidigen: "Z'Haus hat s' nix z'reden, aber hier die Goschen aufreißen." - "Kauf da an Fahrschein und fahr ham. Brauchst gar nimmer z'ruck kumman."
Und dann noch, weil eh keiner im Bus dagegen redet und nur ein paar Köpfe geschüttelt werden: "Hoffentlich gehst in Hietzing net zur U-Bahn. Weil i steß di a glei obe auf die Gleis."
Die Mutter tröstet derweilen ihren schlagfertigen Sohn.
Anm.: Um allfälligen Zweifeln gleich vorweg zu begegnen - dieser Vorfall ist weder erfunden noch übertrieben. (Roman David-Freihsl, DER STANDARD, Print, 11.4.2006)