Neun Jahre Haft für "Ehrenmord"

Redaktion, 18. April 2006 12:50

Junger Türke erschoss seine Schwester, deren westlicher Lebensstil in der Familie auf Ablehnung gestoßen war

Das Berliner Landgericht verurteilte einen 18-jährigen Türken zu neun Jahren Gefängnis, weil er seine 23-jährige Schwester erschossen hat. Sein Motiv: Ihr westlicher Lebensstil habe die Ehre der Familie besudelt.


Als Hatun Sürücü mitten auf der Straße starb, war es in Berlin eiskalt. Die Mutter eines fünfjährigen Buben wurde am 7. Februar 2005 aus kurzer Entfernung an einer Bushaltestelle im Berliner Stadtteil Tempelhof erschossen. Aus einer halbautomatischen Kurzwaffe vom Kaliber 7,65 Millimeter gefeuert hat ihr jüngerer Bruder Ayhan.

"Feige statt ehrenhaft"

Am Gründonnerstag hat ihn das Berliner Landgericht zu einer Jugendstrafe von neun Jahren und drei Monaten verurteilt und blieb damit nicht allzu weit unter der Höchststrafe von zehn Jahren, die der Staatsanwalt gefordert hatte. "Diese lebenslustige, junge Frau wurde Opfer, weil sie ihr Leben lebte, so wie sie es für richtig hielt - dafür wurde sie erschossen von ihrem Bruder, und das alles mitten unter uns", sagte der Vorsitzende Richter Michael Degreif.

Erleichtert über das Urteil ist der Berliner Innensenator Erhart Körting (SPD): "Ich bin froh darüber, denn damit wird gezeigt, dass es sich um ein feiges Verbrechen gegenüber der eigenen Schwester handelt und nicht um etwas, was mit Ehre zu tun hat."

Familie Sürücü, die vor 30 Jahren aus Ostanatolien nach Berlin kam, war streng religiös. Nachbarn erzählen, dass die neun Kinder bis zu fünfmal am Tag beten mussten. 1998, mit 15 Jahren, wurde Hatun von ihrer Familie zu einer Ehe mit einem Cousin in der Türkei gezwungen. Ein Jahr später brachte sie in Berlin ihren Sohn zur Welt und weigerte sich danach, wieder in die Türkei zurückzugehen.

Kopftuch abgelegt

Hatun legte das Kopftuch ab, begann eine Ausbildung als Elektromechanikerin, zog von daheim aus und hatte auch eine neue Beziehung. "Ihre Männergeschichten" hätten ihn und die Familie abgestoßen, ließ Bruder Ayhan vor Gericht in einer Erklärung verlesen, als er die Tat gestand. Er nannte sie "Schlampe" und "Hure". Als der Vater nach 25 Jahren in einer Berliner Bäckerei in Pension ging und immer öfter in die Türkei fuhr, übernahm Ayhan die Rolle des Familienoberhauptes - die älteren Brüder waren schon ausgezogen.

Auch an jenem Februarabend im vorigen Winter ging es wieder einmal um den Lebenswandel der Schwester. Der Bruder war bei ihr zu Besuch und eigentlich wollte die angespannte Beziehung der jungen Frau zu ihrer Familie wieder verbessern. Sie begleitete ihn zur Bushaltestelle. Für das, was danach passierte, gibt es keine Zeugen. Möglicherweise hätte es keine Verurteilung gegeben, wenn nicht eine andere junge Türkin ausgesagt hätte.

Melek war zur Tatzeit mit Ayhan befreundet und der erzählte ihr von dem "Ehrenmord". "Mama, die haben das alle zusammen geplant", soll sie ihrer Mutter unter Tränen erzählt haben. Diese überredete ihre Tochter zur Aussage. Im Zeugenstand erschien Melek mit kugelsicherer Weste. Mutlu, der 26-jährige Bruder von Sürücü, soll Ayhan gedrängt haben, die Tat endlich zu begehen und die Waffe besorgt haben. Laut Melek war er genauso am Tatort wie der 24-jährige Bruder Alpaslan.

Der Todesschütze soll Hatun noch gefragt haben, ob sie Allah für ihre Sünden um Vergebung gebeten habe. "Um Gottes Willen, mach es nicht", waren nach Meleks Aussage die letzten Worte Hatuns, bevor sie erschossen wurde. Mutlu und Alpaslan wurden aus Mangel an Beweisen freigesprochen, Melek lebt heute in einem Zeugenschutzprogramm an unbekanntem Ort. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 14.4. 2006)

Von Birgit Baumann aus Berlin
Kommentar posten
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onkel wuh
 
20.05.2006 12:24
tja, wenn man ein zu kleines zumpferl hat, ...

dann muss man sich als unterentwickelte persönlichkeit natürlich auf ehrenmorde verlegen. das ist klar.

ein wünschenswerte schritt wäre eine intellektuelle weiterentwicklung richtung: ich habe ein kleines zumpferl, also kaufe ich mir ein großes auto.

dann wäre der türkische knabe zumindest kulturell in westeuropa angekommen. einer integration stünde nichts mehr im wege.



der schönste mann von wien
14.04.2006 10:59
na, wenn 9 jahre knapp unter der höchststrafe für...

...jugendliche liegen, dann gehört eben die höchststrafe deutlich angehoben. 9 jahre für kaltblütigen mord - das ist doch lächerlich!

mit 18 ist man kein kind mehr, da weiß man doch was man tut - zumindest weiß man daß mord so ziemlich das kapitalste verbrechen ist...

sixela
13.04.2006 23:12
Hier zeigt sich

...wo die Probleme liegen, wenn der Islam bei uns immer mehr Fuß fassen darf!

post der poster
18.04.2006 13:30
wieviele muslime leben in deutschland?

wieviele davon meucheln ihre töchter und schwestern?

und: wieviele christenmenschen schlagen, vergewaltigen und ermorden jahr für jahr ihre frauen und töchter?

ich halte den vorliegenden fall für einen skandal und die anwälte, die diesen abschaum verteidigt haben stehen für mich auf derselben niederen stufe wie die täter.

aber es gelingt mir nicht, dafür den gesamten islam udn alle muslime verantwortlich zu machen.

kadim
20.04.2006 18:55

Es ist nicht ein Fall, es ist ein tief verwurzeltes Selbstverständnis von Männern, die sich sicher im Besitz von Frauen wissen. Es sind Männer, als Gastarbeiter angeworben, Fortsetzung anatol. patriach. Gesellschaftsmuster. Integriert wurde er ja nie, der Gastarbeiter, was bleibt ihm demnach, seine männliche Omnipotenz? Jetzt sitzt er arbeitslos, in den 60ern migrIiert, im Substandard, drischt auf seine Kinder ein, denen er das patriachal. Weltbild aus Anatolien nicht vermitteln kann. Die Söhne verachten ihn, etc. Sie sollten mal Ahmet Toprak lesen.

emanze c
20.04.2006 12:02
gewalt der "christenmenschen"

Und bei wie vielen muslimischen Familien kommt es deshalb nicht zu Ehrverbrechen, weil die weiblichen Familienmitglieder völlig internalisiert haben, dass Freiheit "nichts für sie ist", dass "ihre Kultur ihnen dies nun mal nciht zugesteht", während die männlichen Familienmitglieder keine Beschränkungen ihrer Freiheit hinnehmen müssen?
Und wie viele "Christenmenschen" schlagen ihre Töchter, oder töten sie in Extremfällen, weil sie ein "unsittliches" od "unehrenhaftes" Leben führen? Und wo verlangt das Christentum unbedingten Gehorsam der Ehefrau dem Ehemann gegenüber und gibt seinen "Sanktus" zu Schlägen zur Disziplinierung (auf Wunsch gebe ihc Koranstellen an).
Kennen Sie muslimische Familien von innen? Glauben Sie mir, die Unfreiheit nu

post der poster
21.04.2006 10:12
lesen sie einfach mal die bibel

die frage ist nicht was in einem religiösen buch steht, sondern was die menschen daraus machen.

und - wider besseres wissen - zu behaupten, alle muslime hielten ehrenmorde und frauenunterdrückung für etwas normales oder von gott geboten, ist entweder grenzenlos naiv oder bewußt verhetzend.

emanze c
22.04.2006 18:05

Wenn in einem Heiligen Buch schon Anleitungen zur Züchtigung der EHefrau deren Ungehorsam man FÜRCHTET (dh der noch nicht einmal eingetreten sein muss) durch SChläge, dann macht dies viele Praktiken erstens leichter und zweitens unantastbar weil "von oben" abgesegnet.
Und zu glauben dass nicht das Gesellschaftssystem und die Ehre, die nur von den weiblichen Familienmitgliedern repräsentiert und verletzt werden kann, ALLER muslimischen GEsellschaften nicht Ehrenmorde hervorruft (weil sogar verlangt) , das ist entweder naiv oder bewusst die Augen vor etwas verschließend.
Dassder Islam die Hütung der Keuschheit und Züchtigkeit als Aufgabe nur der Frauen sieht bzw. nur die Frauen als deren Bedrohung zeigt sich in der Verschleierung.

emanze c
20.04.2006 12:02

r der Frauen und deren Sittenkontrolle von der Setie gar nicht so asketisch lebender Verwandter, nur weil diese nun mal mit XY geboren und dadurch auf die "Sonnenseite" gefallen sind, drückt aufs Gemüt von Frauen, die (relative) Freiheit und sexuelle Selbstbestimmung gewöhnt sind.

Ich würde empfehlen sich das muslimische Sittlichkeits- und Keuschheitsbild von innen anzusehen ("die Ehre eines Mannes liegt zwischen den Beinen einer Frau") und dann zu urteilen ob diese systematisch nur nach dem Geschlecht bestimmte Unfreiheit und gestohlene Lebensfreude (wer kann lebensfroh sein, wenn er ständig darauf achtet, nicht zu viel mit Männern zu reden, nicht zu viel zu lächeln, Blicke nicht zu erwidern..??) wirklich mit häuslicher Gewalt im Westen

emanze c
20.04.2006 12:02

gleichgesetzt werden kann.
Die Prügel und den sexuellen Missbrauch gibt es nämlich in muslimischen Gesellschaften auch,d as ist kein Spezifikum des Westens.
Fazit: Man sollte mal die Augen aufmachen für die Ungerechtigkeit, die Frauen aus diesen Gesellschaften widerfährt und sich deren Lebens- und Alltagssituation vor Augen halten, bevor man plumpe Vergleiche mit häuslicher Gewalt in christlcihen Gesellschaften anstellt.

Patricia Kleinwaechter
 
18.04.2006 14:19
moooooooment.....

.........die anwälte dafür zu verurteilen, dass sie mörder verteidigen zeigt von einer gewissen geistigen nackerpatzerl einstellung. Jeder , JEDER , auch ein mörder hat recht auf anwaltliche vertretung, um ein geordnetes verfahren zu gewährleisten. dass die strafe zu gering ist, ist eine sache der rechtsprechung und nicht des anwaltes. dass soche "ehrenmorde" unter weit aus höherer besteafung stehen müssten, bin ich ganz ihrer meinung, aber dass man einen anwalt wegen ihres berufes verurteilt , ist gequirrelte ..........

post der poster
18.04.2006 23:19
in diesem fall ist es etwas anders

aber danke für das geistige nackerpatzerl...

sorry, aber wie naiv muß man sein, um diese version zu glauben? die haben sich für (oder nach) ihrem mordkomplott bden ausgesucht, der am wenigsten strafe zu erwarten hatte.

ja, jeder mutmaßliche mörder hat ein recht auf verteidigung. in diesem fall frage ich mich aber schon, wohin das führt...

Patricia Kleinwaechter
 
11.06.2006 20:15
Das feindstrafrecht....

....ist bei uns noch nicht eingeführt.....

onkel wuh
 
20.05.2006 12:25
zu einem rechtsstaat?

Vazlav Gattuduwifit
 
15.04.2006 13:17

ganz zu schweigen von den problemen, dürfte er das nicht...

krendl
13.04.2006 17:16
Also die Werbungen

neben und unterhalb dieses Artikels finde ich gelinde gesagt schmacklos (17:16 Uhr).

Prof. Tarantoga
13.04.2006 13:55
Wieder ein Beweis dafür, dass die Türkei dringendst in die EU muss.

Wir sollten uns dann zwar unseren westlichen Lebensstil abgewöhnen - aber was macht das schon. Hauptsache wir bringen muslimische Frauen nicht auf blöde gedanken - dann erübrigen sich auch die "Ehrenmorde".

post der poster
18.04.2006 13:35
ihr kurzschlußdenken ist beachtlich

was sagen sie dann zu den tausenden gewaltverbrechen heimischer männer an ihren töchtern und frauen? scheren sie da auch alle über einen kamm?

und glauben sie ernsthaft, wir wären bessere menschen? da kann ich ja nicht mal mehr lachen über soviel arroganz und hirnleere.

Anatol der Schöne
17.04.2006 10:39

Sie werden es nicht glauben, aber dieses Argument habe ich schon vernommen, dass eigentlich ja WIR schuldig sind. Also die westliche Lebensart, die dem armen Mädel Flausen in den Kopf gesetzt hat. Die jungen Männer haben aus Notwehr gehandelt. Ihr einziges Motiv: Die Ehre der gefallenen Schwester wieder herstellen. Das wir das nicht begreifen können, beweist nur, dass uns der Sinn für Ehre und rechte Gesittung abhanden gekommen ist.

krendl
13.04.2006 17:11
Ich bin für Aberkennung

der Staatsbürgerschaft für jeden, der sich ausländerfeindliches Verhalten zuschulden kommen lässt. Das ist in einem vereinten globalisierten Europa nicht tragbar. SO EIN QUATSCH! Ja, diese mittelalterlichen Denkmuster sind haarsträubend und volle Zustimmung für die Verurteilung. Aber wenn Sie tatsächlich glauben, alle Türken in diesen Topf werfen zu können, tun Sie mir leid. Gehns in Europa in manch ein abgelegenes Tal oder auf die Alm, da könnens ihre blauen Wunder erleben bezüglich Vorgestrigkeit.

Terence Lennox
14.04.2006 01:33
in einem abgelegenen tal..

..der alpen werden sie keine ehrenmörder finden..

Vazlav Gattuduwifit
 
16.04.2006 05:15
eh ned!

mir san mir, und töten aus eifersucht!

krendl
14.04.2006 12:05
Das habe ich auch nicht behauptet,

obwohl ich mir da nicht mal so sicher bin. Vorgestrigkeit schöpft allerdings aus seinem reichen Repertoire an Grauslichkeiten, Niedertracht und zumindest psychischer Zerstörung.

krenreiber
14.04.2006 00:11

Ich habe Ihre Argumentation aufmerksam verfolgt. Sie läuft immer auf ein Thema hinaus, islamophob, fremdenfeindlich, möglicherweise Nazis. Phobie ist meines Wissens irreale Angst. Zunehmend ist folglich unser Kulturkries psychiatr. zu behandeln. Wie geht es dann den buddhistophoben, hinduistophoben? Ist das wahrlich alles islamophob? Für jedes zwangsverheiratete Mädchen, Schönsprech arrangierte Ehe,nun in einem Frauenhaus, wo es "landet", ohne existenzielle Grundsicherung,
finde ich Ihr türk. Beleidigtsein lächerlich. Sie können da nichts schönreden, mit "Islamophobie" hat das nichts zu tun. Was ist ein Quatsch, warum ist das unsere Geschichte?

krendl
14.04.2006 12:03
Sie haben meine Argumentation verfolgt,

aber die Aussage nicht wirklich verstanden.
1) Ihre Wortkette nun ist etwas ... ähm, lückenhaft, soll heißen, schwer verständlich, weil Sie IMO einiges nur gedacht und nicht getippt haben, daher leider nicht schlüssig nachvollziehbar. 2) Quatsch = meine Inländerverallgemeinerung meines obigen Postings ebenso, wie Ihre implizierte im Bezug auf nichtwestliche Ausländer. 3) Ich rede absolut nichts schön, die Probleme sind Fakten, aber nicht zack-bumm Ihrer Art zu lösen. 4) Sorry, ich bin keine Türkin *gg*. Kenne allerdings beruflich wie privat einige. Daher meine konsequente Kritik.

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