EU: Informelles zu Diabetes und Frauengesundheit

Redaktion, 24. April 2006 20:23

Gesundheitsrat diskutiert in Wien zunehmende Diabetes-Erkrankungen und Strategien für Gendermedizin

Wien - Nächste Etappe im Reigen der EU-Veranstaltungen in Wien: Am kommenden Dienstag (25. April) beginnt in der Hofburg der für zwei Tage angesetzte informelle Rat der EU-GesundheitsministerInnen. Gastgeberin Maria Rauch-Kallat (V) hat dabei an fixen Themen Diabetes und die Frauengesundheit auf die Agenda gesetzt.

Internationale Gäste

Den Beginn macht Dienstagmittag die Unterzeichnung eines bilateralen Arbeitsplanes für 2006 und 2007 auf dem Gebiet des Gesundheitswesens durch die österreichische Ressortchefin und den bulgarischen Gesundheitsminister Radoslaw Gajdarski. Bei dem informellen Rat erstreckt sich der Kreis der Geladenen Ressortchefs weit über die EU hinaus. So werden unter anderen auch der US-Secretary of Health and Human Services, Michael O. Leavitt, sowie der chinesische Gesundheitsminister Gao Qiang teilnehmen. Ihr russischer Amtskollege Michail Juriewitsch Zurabow musste absagen. Der US-Minister hält kommenden Mittwoch auch einen Vortrag an der Medizinischen Universität im Wiener AKH.

Zunahme der Diabetes-Erkrankungen

Erstes fixes Thema am Dienstag ist Diabetes. "Wir sitzen auf einer tickenden Zeitbombe. Im Jahr 2003 gab es weltweit 194 Millionen DiabetikerInnen bei 6,3 Milliarden Menschen. Im Jahr 2025 werden es 333 Millionen Zuckerkranke bei acht Milliarden ErdenbewohnerInnen sein. In Europa wird die Zahl der PatientInnen von 48,4 auf 58,6 Millionen steigen. 1995 wurden weltweit 3,8 Milliarden US-Dollar für Diabetes-Medikamente ausgegeben, im Jahr 2005 waren es 17,8 Milliarden und im Jahr 2010 werden es 27,9 Milliarden sein", sagte Univ.-Prof. Dr. Ulf Smith von der europäischen Gesellschaft zur Erforschung der Zuckerkrankheit am 15. Februar bei einer EU-ExpertInnenkonferenz in Wien.

85 bis 90 Prozent dieser Erkrankungen entfallen auf den Typ-2-Diabetes ("Altersdiabetes"), bei dem Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, mangelnde Bewegung und andere "westliche" Lebensstilfaktoren zur Entstehung entscheidend beitragen. Im Bereich Diabetes sollen die MinisterInnen deshalb die Ergebnisse der ExpertInnenkonferenz diskutieren. Im Endeffekt sollen die EU-Mitgliedsstaaten Programme zur Verhütung der Erkrankung schaffen bzw. ausbauen. "Der Plan ist es, ein gemeinsames Vorgehen bei der Prävention und der Betreuung von Diabetikern zu finden. Alle Staaten haben ähnliche Probleme", meinte Maria Rauch-Kallat zu dem Thema.

Das EU-Parlament hat erst am vergangenen Mittwoch eine Resolution verabschiedet, in der die österreichische Diabetes-Initiative im Rahmen der EU-Ratspräsidentschaft gelobt wird. Gleichzeitig wird gefordert, Diabetes zu einer der Prioritäten der neuen EU-Gesundheitsstrategie zu machen.

Gendermedizin

Das zweite fixe Thema des informellen EU-Gesundheitsministerrats ist die Frauengesundheit. "Es gibt einfach männer- und frauenspezifische Bedürfnisse in Sachen Gesundheit. Es gibt Gesundheitsrisiken und Krankheiten, die ausschließlich bei Frauen auftreten oder bei Frauen häufiger vorkommen und anders oder schwerwiegender verlaufen als bei Männern. Auch die Inanspruchnahme von Gesundheitsangeboten, von Zugang und Nutzung, ist bei Frauen und Männern in vielen Aspekten verschieden", sagte dazu Rauch-Kallat.

Hier werden sechs spezifische Krankheitsbilder und mögliche Strategien priorisiert: Kardiovaskuläre Erkrankungen bei Frauen, geschlechtsspezifische Folgen von Rauchen-Lungenkrebs, Osteoporose, Endometriose, Brustkrebs sowie psychische Gesundheit bzw. Depression bei Frauen.

Beispiel Herzinfarkt

Ein klassisches Beispiel für geschlechtsspezifische Unterschiede zwischen Männern und Frauen bei im Grunde der selben Erkrankung ist der Herzinfarkt. Die österreichische Gesundheitsministerin: "Es gibt die Krankheit bei Männern wie bei Frauen. Aber bis vor wenigen Jahren hat man geglaubt, dass vor allem Männer betroffen sind. Frauen bekommen zwar weniger Infarkte, aber prozentuell sterben mehr Frauen an einem Infarkt als Männer."

Hier treffen offenbar mehrere Gründe zusammen. Maria Rauch-Kallat: "Frauen haben im Rahmen eines Herzinfarkts andere Symptome, die vielleicht nicht so gut erkannt werden." Die Folge: Spätere kardiologische Versorgung im Akutfall, schlechtere Aussichten auf Genesung. Immer wieder wird darauf hingewiesen, dass Frauen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht genau so aggressiv und wirksam behandelt werden wie Männer in der selben Situation.

Österreich wird bei dem informellen Rat darauf dringen, dass im Jahr 2006 ein neuer EU-Bericht zur Frauengesundheit erstellt wird. Das letzte derartige Papier der Gemeinschaft stammt aus dem Jahr 1996. (APA)

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